Jos 3,5: Josua sprach zum Volk: Heiligt euch, denn morgen wird der HERR Wunder unter euch tun.

Nächsten Samstag werden wir in der Gemeinde einen Filmabend machen: Wir zeigen „Die Hütte – ein Wochenende mit Gott“, nach dem gleichnamigen Buch des kanadischen Autors William P. Young.

 

Vor drei Wochen waren Sabine und ich auch auf einer ganz einfachen Hütte in den Bergen. Ohne den sonst gewohnten Luxus, kein fließendes Wasser im Haus, dafür mit Bach vor der Haustür. Der Solarstrom reichte gerade für ein paar Stunden Licht am Abend. Wir verbrachten, so wie auch der Untertitel des Buchs und des Films lautet „ein Wochenende mit Gott“.

Es war vielleicht nicht so emotional wie bei diesem Film, es ging für uns nicht um die Frage nach dem Leid und wo Gott darin ist. Aber dennoch ist dieses Wochenende sicherlich nicht spurlos an uns vorüber gegangen.

Wir haben jeden Morgen und Abend Loblieder gesungen, dazwischen in der Bibel gelesen und ganz viel auf Gottes Stimme gehört.

Ich bin dabei vom HG auf das dritte Kapitel vom AT Buch Josua geführt worden. Einen Vers daraus kennt ihr bestimmt, auch wenn vielleicht die wenigsten wissen, dass er in Jos 3,5 steht:

 

Josua sprach zum Volk: Heiligt euch, denn morgen wird der HERR Wunder unter euch tun.

 

Das Überthema, mit dem wir uns als Gemeinde derzeit beschäftigen heißt Reinigung und Heiligung.

Über das Thema Reinheit habe ich vor kurzem erst gepredigt, heute möchte ich ein paar grundlegende Dinge zum Thema heiligen sagen.

 

Was ist „heilig“?

 

Dieser Begriff wird je nach Übersetzung zwischen 800 und über 1000-mal in der Bibel erwähnt.

Im AT taucht dieser Begriff das erste Mal bei der Schöpfung auf.

1Mo 2,3 Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.

Dieses „Den Ruhetag heilighalten“ findet sich dann auch in den 10 Geboten wieder.

 

Was macht den Sabbat zu einem heiligen Tag? Ist es das Nichtstun? das Ausruhen? Aus dem jüdischen Sabbat wurde dann ja im Christentum der „Tag des Herrn“, den man dadurch „heilig macht“ indem man in die Kirche geht. Aber ist das mit heiligen gemeint?

Darauf möchte ich später noch eingehen.

 

Das zweite Mal taucht in der HS das Wort heilig zumindest in der LÜ auf, als Jakob seinen Traum von der Himmelsleiter in Bethel hat. Als er aufwacht sagt er: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels. (1. Mo 28,17)

In den meisten anderen Bibelübersetzungen steht dort statt heilig das Wort „furchtbar“. Ist heilig zu sein, etwas Furchtbares?

 

Die dritte Bibelstelle, in der dieses Wort vorkommt (keine Angst, ich mach jetzt nicht alle 1000 Stellen durch) findet sich, als Mose vor dem brennenden Dornbusch steht und Gott zu ihm sagt, dass er seine Schuhe ausziehen soll, weil er auf heiligen Boden steht. (2. Mo 3,5)

Ähnliches „passierte“ übrigens auch Josua, als ihm der Anführer des himmlischen Heeres, von dem manche Ausleger sagen, dass es JC war, begegnete: Jos 5,15: Der Anführer des Heeres des HERRN antwortete Josua: Zieh deine Schuhe aus; denn der Ort, wo du stehst, ist heilig.

 

Was ist also „heilig“ und was nicht?

 

Das hebräische Wort „QaDO’Sch“ meint alles, was ausschließlich Gott zur Verfügung steht.

Die Stiftshütte und später der Tempel war ein Ort, an dem Gott allein gegenwärtig war und nur er angebetet werden durfte.

Von den AT Geboten her wissen wir, dass Gott ein eifersüchtiger Gott ist, der von uns die ungeteilte Aufmerksamkeit und ein ungeteiltes Herz fordert. Er ist zwar nicht in dem Sinne Eifersüchtig, dass er uns ständig hinter spioniert oder uns kontrollieren will. Der Heilige Geist ist uns nicht dazu gegeben, damit Gott ein Instrument hat, mit dem er uns überwachen kann. Manche Christen haben ein Bild von Gott, dass er wie ein Polizist darauf wartet, dass wir etwas falsch machen, also nicht heilig genug sind, um uns dann zu bestrafen. So ist Gott aber nicht!

Wenn Gott eifersüchtig ist, dann geht es ihm vielmehr darum, dass wir ihm nicht halbherzig begegnen, oder den Glauben an ihn als eine Sache ansehen, die halt auch irgendwie zu unserem Leben dazu gehört.

 

Die Stiftshütte und später der Tempel waren genau unterteilt in verschiedene Bereiche, die unterschiedlich heilig waren.

Es gab den Äußeren Vorhof, den auch Nichtjuden betreten durften, den inneren Hof mit dem Brandopfer Altar, dem ehernen Meer, den Waschbecken usw. Dann das Heiligtum und schließlich das Allerheiligste, das der Hohepriester nur einmal im Jahr betreten durfte. Das Heiligtum war durch einen schweren Vorhang vom Allerheiligsten getrennt.

Eine wesentliche Aufgabe der Priester war es genau zwischen dem Heiligen (der Sphäre Gottes) und dem Unheiligen (Profanen) zu unterscheiden und auch das Volk darin zu unterweisen.

Gleichzeitig war es auch die Aufgabe der Priester, zwischen dem heiligen Gott und den Menschen, die eben nicht unmittelbar zu Gott kommen konnten, zu vermitteln. Sie hatten also eine Art Brückenfunktion. Wenn Menschen also in die heilige Sphäre Gottes kommen wollten um sein Heil (mit dem Wort Heilig verwandt) zu empfangen, dann mussten sie sich zuerst nach genau vorherbestimmten Regeln reinigen und dann zu einem Priester gehen. Ohne einen Priester war eine Gottesbegegnung kaum möglich und wenn doch, konnte sie für die betroffene Person tödlich ausgehen.

 

Wenn die Heiligkeit Gottes auf die Sündhaftigkeit des Menschen trifft, dann hat der Sünder sein Lebensrecht verwirkt.

Nur wer selbst heilig genug war, konnte in Gottes Sphäre eintreten, ohne Schaden zu nehmen.

Als die Israeliten die Stiftshütte durch die Wüste trugen, mussten Aaron und seine Söhne alle heiligen Geräte sorgsam einpacken, damit die Träger sie nicht berühren, sonst wären sie gestorben. (4. Mo 4,15)

 

Als der Prophet Jesaja Gott in einer Vision sah, rief er voller Panik auf:

»Ich bin verloren! Denn ich bin ein Sünder [ein Mann mit unreinen Lippen] und gehöre zu einem Volk von Sündern. … Und nun habe ich den HERRN gesehen, den allmächtigen Gott und König!« (Jes 6,5)

 

Über die Reinheit hat ja Jesus gesagt, dass es nicht darauf ankommt, was ich berühre, oder esse, sondern was in meinem Herzen ist. Das riesige Privileg, das wir als Kinder Gottes genießen dürfen, ist das wir ein neues, lebendiges Herz von Gott bekommen haben. Ein Herz, das sich darum bemüht, Gott gehorsam zu sein.

Wir bekommen es, wenn wir das Friedensangebot, das Jesus uns vom Kreuz her macht, für unser Leben annehmen. Dann sind wir nicht länger Sünder in Gottes Augen (auch wenn wir noch nicht sündlos leben), sondern dann sieht uns Gott durch Jesus als Gerechte an. Als solche sind wir Menschen, die die Heiligkeit Gottes nicht umbringt, sondern ganz im Gegenteil: Sie lässt uns aufblühen! Wir kommen in den Genuss des göttlichen Heils.

 

Als Christen sind wir also nicht länger darauf angewiesen, dass andere menschliche Mittler zwischen Gott und uns als Brückenbauer auftreten.

Das ist die größte Mühe, die ich persönlich mit der RKK habe: Sie ist von ihrem Wesen her eine alttestamentliche Glaubensgemeinschaft. Der einfache Gläubige braucht einen „geweihten Priester“, der ihm Zugang zu den „Heilsmitteln“ (Sakramente) verschafft. Und er braucht auch die „Heiligen“ als Fürsprecher, weil er sich selber nicht heilig genug fühlt um beispielsweise direkt zu Jesus zu beten.

Der Vorhang, der im Tempel das Allerheiligste vom Heiligtum trennte ist aber von Oben nach Unten zerrissen. Genau in dem Augenblick als Jesus am Kreuz starb! (Mt 27,51)

Der Weg, direkt zum Vaterherzen ist frei! Das gilt für alle, die Jesus ihr Leben anvertraut haben.

 

Ich habe am Anfang gesagt, dass das hebräische Wort für heilig „ausschließlich Gott zur Verfügung stehend“ bedeutet. Wenn ich Jesus nachfolge, sage ich damit auch, dass ich Gott mit allem, was ich bin und habe, ganz zur Verfügung stehe. Deshalb nannte Paulus auch beispielsweise die Christen, an die er seine Briefe schrieb, „Heilige“. Die wenigsten seiner Adressaten waren Heilige im katholischen Sinn, die nachweislich ein Wunder vollbrachten und dann Jahrhunderte später von einem Papst heiliggesprochen wurden. Die meisten waren ganz „normale“ Jesus Nachfolger, wie du und ich.

 

Heilig ist für uns an Christus Gläubige zu allererst ein Seinszustand. Dieser hängt mit dem Sein als Kind Gottes untrennbar zusammen. Gleichzeig gibt es aber auch eine dynamische, prozesshafte Seite, wenn es um das Thema heilig sein geht.

 

Der Vers von dem ich ausgegangen bin, lautet: Heiligt euch, denn morgen wird der HERR Wunder unter euch tun.

Natürlich steht der im AT, aber auch im NT lesen wir Verse wie: Röm 6,19 Früher habt ihr als Sklaven der Unreinheit und Gesetzlosigkeit gedient; jetzt sollt ihr euch dafür entscheiden, für die Gerechtigkeit zu leben, damit ihr heilig werdet.

Der Prozess der Heiligung endet nicht damit, dass ich Jesus in mein Leben einlade, die Führung zu übernehmen. Die Heiligung beginnt mit diesem Schritt!

 

Aber Heiligung ist nicht durch menschliches Bestreben, beispielsweise ein moralisch einwandfreies Leben zu führen, zu erreichen.

Entgegen der weitverbreiteten Vorstellung hat Heiligung nichts mit einem frommen Bemühen zu tun, um sich selbst (d.h. den alten Menschen bzw. das unverbesserliche Fleisch) zu vervollkommnen.

Heiligung ist vielmehr ein Gnadengeschenk Gottes. Er bewirkt in uns das Wollen und das Vollbringen, wenn wir seinem Heiligen Geist, den dafür nötigen Raum, in unserem Herzen geben.

 

Es liegt diese Bestimmung auf unserem Leben heilig zu sein, genauso, wie er bereits im AT das Volk Israel dazu bestimmt hatte ein heiliges Volk zu sein. Ein Volk das ihm allein dient und das zum Vorbild für alle Menschen wird, an dem sie sehen können, wie groß der Segen für ein Volk ist, das von Gott erwählt ist.

 

Eph 1,4: Aus Liebe hat Gott uns schon vor Erschaffung der Welt in Christus dazu bestimmt, vor ihm heilig zu sein und befreit von Schuld.

Weil Gott dich liebt, hat er dir diesen Sinn ins Herz gegeben, dass du ihm ganz und ausschließlich zur Verfügung stehen sollst. Seine Liebe ist vollkommen. Sie will ausschließlich das Beste für dich. Es kann dir also nichts Besseres passieren, als dass du dem HG erlaubst, den Heiligungsprozess in dir weiter voran zu treiben.

Es ist Christus selbst, der uns zur Weisheit, zur Gerechtigkeit und zur Heiligung geworden ist. (1.Kor 1,30)

 

Abschließend möchte ich wieder zum Sabbat bzw. zum Tag des Herrn zurückkommen.

Heilig zu sein hat auch etwas damit zu tun, zur Ruhe zu kommen. Anzukommen. Bei meinem Vater zu sein.

Der Hebräerbrief greift dieses Thema auf und spricht von der verheißenen Gottesruhe, die für uns bereitsteht.

Heiligung hat also nicht (nur) mit Anstrengung zu tun, sondern mit der Erkenntnis, wer ich in Gott bin und was ich in ihm habe.

 

Es ist die Liebe und der Auftrag des Vaters, der uns zu Heiligen macht.

Es ist das Werk Jesu am Kreuz, das nach dem Sündenfall uns wieder zurückgeholt hat in die Gemeinschaft mit dem Heiligen Gott zu der wir geschaffen wurden.

Und es ist die Hilfe des HG, die uns zuversichtlich und voller Hoffnung macht. Trotz, und auch auf Grund dieses Anspruchs der Heiligung auf unserem Leben. Dieser Anspruch lässt uns nicht verzagen, sondern macht uns fröhlich.

Die Aufforderung uns zu heiligen können wir voller Freude annehmen.