Intro:

Es war kurz vor Weihnachten und der Richter im Bezirksgericht war schon etwas jahreszeitgemäß-feierlich gelaunt.

„Also, Herr Angeklagter, sagen Sie mir bitte, wie denn die Anklage gegen Sie lautet?“

„Tja – man hat mich erwischt, wie ich meine Weihnachtseinkäufe zu bald erledige,“ antwortete der Mann auf der Anklagebank.

„Hmm – nach meinem juristischen Verständnis stellt das doch keine Straftat dar! Wie meinen Sie ‚zu bald‘?“

„Also Euer Ehren,“ sagte der Angeklagte, „es war bevor der Laden aufgesperrt hatte!“

 

Teil 1:

Weihnachtsvorbereitungen: Wenn du findest, die Hofer-Werbung fängt jedes Jahr viel zu bald damit an, dann horch dir das an, aus dem Kolosserbrief (Kol. 1:15-17):

« Christus …. war bereits da, noch bevor Gott irgendetwas erschuf, und ist der Erste aller Schöpfung. Durch ihn hat Gott alles erschaffen, was im Himmel und auf der Erde ist. Er machte alles, was wir sehen, und das, was wir nicht sehen können, ob Könige, Reiche, Herrscher oder Gewalten. Alles ist durch ihn und für ihn erschaffen. Er war da, noch bevor alles andere begann, und er hält die ganze Schöpfung zusammen. »

Mit Seinen Weihnachtsvorbereitungen – und mit Weihnachten meine ich Sein Kommen auf die Erde in der Gestalt Seines Sohnes Jesus Christus – hat Gott also sehr bald schon angefangen: nicht nur bevor der Laden aufsperrte sondern bevor es den Laden überhaupt gab, sozusagen! Eigentlich seit Anbeginn der Zeit. Und dann die über 300 verschiedenen Prophezeiungen im Alten Testament über das Kommen von Jesus dem Messias, geschrieben über Jahrhunderte hinweg. Jesus hat diese Bibelstellen selbst alle gekannt, und von Seinen Jüngern erwartet, das sollte auch ihnen alles klar sein – z.B. in Seinem Gespräch mit den zwei Jüngern auf der Straße nach Emmaus, am Tag Seiner Auferstehung. So wird’s im Lukasevangelium berichtet, ganz zum Schluß in Kap.24 (Verse 25+27):

« Da sagte Jesus zu den beiden: „Warum seid ihr so begriffsstützig und tut euch so schwer damit zu glauben, was die Propheten gesagt haben?“ …… Und Jesus erklärte ihnen, was in den Heiligen Schriften über ihn gesagt wurde – angefangen bei den Büchern Mose bis hin zu allen Propheten. »

Also anscheinend war Weihnachten für Gott kein Spontanentschluß sondern etwas, was Er von langer Hand bezweckt hatte.

 

Teil 2:

Jetzt vom Schluß des Lukasevangeliums zurück zum Anfang, zu Kap.2:4-7:

« Weil Josef ein Nachkomme Davids war, musste er nach Bethlehem in Judäa, in die Stadt Davids, reisen. Von Nazareth in Galiläa aus machte er sich auf den Weg und nahm seine Verlobte Maria mit, die hochschwanger war. Als sie in Bethlehem waren, kam die Zeit der Geburt heran. Maria gebar ihr erstes Kind, einen Sohn. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe, weil es im Gasthaus keinen Platz für sie gab. » Ist euch jemals schon aufgefallen, wie beiläufig diese Begründung angeführt wird? „Sie legte ihn in eine Futterkrippe …. weil es im Gasthaus keinen Platz für sie gab.“ Ah-ha – also deswegen. Alles klar – mehr braucht man gar nicht sagen.

Unser Himmlischer Vater ist souverän und allwissend, Er hat gewußt, was Er tut, und durch wen, und wo und wann. Aber für mich sieht das hier nicht gerade nach Langzeitplanung aus, oder? Ich meine, auf heutige Verhältnisse umgemünzt würde dieser letzte Vers irgendwie so heißen: „… und sie legte ihn in eine improvisierte Wiege aus Pappkartons und Zeitungspapier in einer Garage, weil in der ganzen Stadt kein einziges Zimmer mehr frei war“. Wie wir gesehen haben, hat Gott die ganze Zeit seit Anbeginn der Zeit zum Planen gehabt – wieso hat Er also nicht rechtzeitig eine Entbindung auf Klasse in der Bethlehemer Frauenklinik gebucht? Oder wenigstens auf www.hotels.il ein Familienzimmer reserviert?

Diese Geschichte berührt mich immer zutiefst, weil sie uns zeigt, wie tief Gott zu uns hinabgestiegen ist und wie verletzlich Er sich für uns gemacht hat. Ich weiß keine definitiven Antworten auf meine Fragen und ich werde auch nicht versuchen, hier welche aufzustellen. Ich weiß aber eines, was diese Geschichte zeigt, und das möchte ich euch heute morgen weitergeben: Gottes Zwecke, Seine Vorhaben, sind Ihm viel wichtiger als „Pläne“! Denn Er hat viele Pläne und Möglichkeiten, wie Er in meinem und in deinem Leben Seine Bestimmung und Seinen Lebenszweck für mich und für dich vollbringen wird. Keine menschlichen Umstände, kein menschliches Versagen, keine Widrigkeiten und keine scheinbaren Rückschläge können das Kommen von Gottes Königreich aufhalten.

Das finde ich für mich, für mein Leben als Christ, sehr befreiend. Warum? Weil es bedeutet, daß ich Gottes ganzen Plan nicht endgültig torpedieren kann, wenn ich einmal versage. Und daß mein Christenleben kein Drahtseilakt ist, wo ich mit dem ersten Fehler oder Fehltritt alles kaputtgemacht habe, abstürze und das Ziel nie mehr erreichen kann. Wenn ich es einmal vermassele, macht Gott weiter mit mir mit Seinem Plan B, Plan C, D, E, F usw., und auch wenn Er das ganze Alphabet schon durchgemacht hat, hat Er immer noch eine Bestimmung für mich. Mein Leben mit Christus ist eine Beziehung, wo Jesus mich lernen und wachsen läßt. Auch – und gerade wenn – ich Fehler mache.

Und was findet ihr? Was ist besser? Jesus aktiv nachfolgen, hier und da einen Fehler machen, diesen bereuen und daraus lernen? Oder aus Angst vor Fehlern, oder aus Veränderungsangst schlechthin, mit Gott gar nicht mitmachen wollen oder überhaupt aussteigen? Wie gesagt: Keine menschlichen Umstände, kein menschliches Versagen, keine Widrigkeiten und keine scheinbaren Rückschläge können das Kommen von Gottes Königreich aufhalten. Denn für dich hat Gott immer einen Plan B. Aber – und es ist ein großes „Aber“ – Er findet jederzeit jemanden anderen, wenn du lieber stehenbleibst und mit Ihm nicht mitmachen willst.

 

Teil 3:

Zwei, die schon mitmachen wollten: Maria und Joseph. Was Gott von ihnen wollte, war sicherlich für sie noch schwerer zu begreifen und noch unlogischer, als für uns die Frage, warum Gott scheinbar keine genauere Planung für ihren Bethlehem-Aufenthalt und für die Geburt getroffen hatte! Trotzdem haben sie vertraut und sich auf Gottes Vorhaben eingelassen, obwohl sie es nicht verstanden haben. Diese Grundhaltung kommt für mich sehr gut in der Kinderbibel heraus, die meine Enkelkinder von mir gerne vorgelesen bekommen: „Ich diene dem Herrn“, sagte Maria. „Laß es mir genau so geschehen, wie du gesagt hast“.

Ja, Gott hat Maria ausgesucht und ihre Rolle und ihre Haltung sind bewundernswert. Und ihre Haltung ist auch deswegen so besonders (und das ist das, was die über-verehrende religiöse Hagiographie immer ausläßt), weil sie den schiefen Blicken und dem Tuscheln und Ratschen und der moralisierenden Mißachtung in ihrer gesellschaftlichen Umgebung in Kauf genommen und getrotzt hat. Bedenkt: sie war zu dem Zeitpunkt noch nicht der Urprototyp für Hunderttausende kitschige Altarbilder und Marterlmalereien und noch nicht – ungewollt – die Gründerin einer millionenschweren religiösen Schnickschnacks-Industrie sondern einfach ein Dorfmädchen, das unter – sagen wir einmal – etwas sonderbaren Umständen schwanger geworden war!

Ja, Maria bekommt überhaupt zu dieser Jahreszeit die meiste Aufmerksamkeit, aber Gott hat Joseph und seine „Mitmachbereit­schaft“ genauso gebraucht. Heute möchte ich den Joseph aus seinem Schattendasein hervorholen und in den Mittelpunkt rücken. Ich möchte sogar behaupten, daß Joseph ein großartiges aber unterbewertetes Rollenvorbild von christlicher Männlichkeit ist. Meine Herren, wie geht es euch bei dieser Vorstellung? Wahrscheinlich etwas unbequem, wenn man daran denkt, wie Joseph in den Weihnachtskartenbildern und in den Krippenszenen dargestellt wird – ein bißchen abseitsstehend, passiv, fast ein wenig weichlich mit einem verträumt-frommen Ausdruck auf seinem heiligenschein­beleuchteten Gesicht. Vergessen wir’s. Tatsache ist, daß du einen starken Rückgrat brauchst, unter solchen Umständen deinen Mann zu stehen. Du brauchst viel Mumm, wenn du einen Traum von Gott befolgst (überhaupt so einen Traum, den dir sonst niemand glauben wird!) und wenn du weißt, wie die Konsequenzen ausschauen werden – z.B. daß du bis an dein Lebensende Gegenstand von klatschhaften Kleinstadt-Munkeleien und -Gerede bist. Und du brauchst eine gehörige Portion Mut und Entschlossenheit, wenn du auf einen Traum hin mitten in der Nacht aufstehst und Frau und Kind mit Sack und Pack sofort zusammenpackst und dich auf die Flucht durch die Wüste in ein fremdes Land machst, um bösen Staatskräften zu entkommen, die dein Kind ermorden wollen.

Wie bist du denn als christlicher Mann nach Josephs Vorbild? (Die Damen dürfen ruhig auch mithören!) Wie wir am Joseph gesehen haben, hast du Rückgrat, Mumm, Mut und Entschlossenheit. Und noch eins: du bist im positivsten Sinne des Wortes ein Träumer! Wie einige der größten Männer in der Bibel auch: Abraham, Jakob, Joseph (der andere, der in Ägypten Karriere gemacht hat), Samuel, Daniel und viele andere mehr. D.h. du bist dafür offen, daß Gott mit dir redet, und daß du auch danach handelst. Daß du Jesus und Seinen Geist in deine innere Gedankenwelt und in immer mehr Bereiche deines Lebens hereinläßt, damit Er dich zu ebenso einem Mann, zu einem Mann nach Seinem Ebenbild und Seinem Herzen, immer mehr umformen kann. Sprich: du bist bereit, dich von Ihm ändern zu lassen! Mir hat Jesus auf diesem Weg sehr durch SOZO geholfen; frage Ihn, ob Er auch dich durch SOZO näher zu Ihm bringen will! Und: du vertraust Vater Gott so sehr, daß du mit Ihm mitgehen und mitmachen willst, auch wenn du nicht auf alle Fragen eine logische Antwort bekommst und nicht für alles eine logische Erklärung hast.

 

Teil 4:

Wir haben von Gott für unsere Gemeinde die Verheißung bekommen, daß Er mit uns Geschichte schreiben will.

Ich muß hier an das Zeugnis von einem Pastor denken, das ich in der Gemeinde in Kalifornien gehört habe, wo Karin und ich voriges Jahr waren. Vor ca. 25 Jahren, als dieser Mann mitten im Burnout und Depressionen und akuten wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte, ist ihm Jesus erschienen und hat ihm verheißen, daß er eines Tages überall auf der Welt predigen wird und daß sogar Staatschefs und Präsidenten zu ihm um geistlichen Rat kommen werden. Nachdem er nicht einmal die High School abgeschlossen hatte, geschweige denn die Uni, hat er auf diese Prophezeiung eher zögerlich reagiert. Dann hat er gesehen, wie sich Jesus beim Gehen zu ihm umdreht und sagt: „Und übrigens – eines Tages wird die Geschichte beurteilen, ob du mich ernstgenommen hast oder nicht!“. (Und in der Tat hat sich bei diesem Pastor jedes einzelne Wort, das ihm Jesus verheißen hat, auf unwahrscheinlichste Weise erfüllt!).

Ja, eines Tages wird die Geschichte beurteilen, ob wir als Gemeinde und als Einzelchristen die Dinge, die uns verheißen wurden, ernstgenommen haben oder nicht. Bist du dabei? Hast du die „Mitmachbereitschaft“ von Joseph? Auch wenn’s unbequem wird und du Jesus sogar in deine Vergangenheit und in deine restlichen inneren „Sperrgebiete“ hereinnimmst und heranläßt? Wenn du willst, dann ist das Kommen Jesus in dir und deinem Leben unaufhaltsam. Und dann ist Sein Kommen und das Kommen Seines Königreiches durch dich und durch dein Leben noch unaufhaltsamer.

Was willst du heuer für ein Weihnachten? Ein „Einkaufen-und-Freude-Schenken Jo-Ho-Ho-Weihnachtsmannweihnachten“ oder ein Weihnachten, zu dem Jesus zu dir noch tiefer einzieht oder vielleicht überhaupt das erste Mal bei dir einzieht und du dich auf Gottes Zwecke, Gottes Vorhaben, Gottes Bestimmung für dein Leben und für diese Welt ausrichtest? Wenn Jesus jetzt zu dir gesprochen hat, dann komme bitte nachher zum Gebetsteam nach vorne, lass für dich beten und mach vor Gott und vor Zeugen deinen guten Vorsatz fix.

 

Schluß

Gottes Kommen ist unaufhaltsam! Er wird Seine Vorhaben ausführen. Jedes Wort, das Er gesprochen hat, ist wahr und wird in Erfüllung gehen.

Ich möchte schließen mit der ersten Strophe eines englischen Kirchenliedes, das ich aus meiner Jugend kenne und das mit einem Bibelvers aus Jesaja 11:9 genau diese Zuversicht in einer tief bewegenden Weise zum Ausdruck bringt:

„God is working his purpose out, as year succeeds to year:
God is working his purpose out, and the time is drawing near:
nearer and nearer draws the time, the time that shall surely be,
when the earth shall be filled with the glory of God,
as the waters cover the sea“.

(Übersetzung auf Folie:
Gott führt Seine Vorhaben aus, während ein Jahr dem anderen folgt;
Gott führt Seine Vorhaben aus und die Zeit kommt näher heran;
näher und näher kommt die Zeit, die Zeit, die ganz sicher wird,
wo die Erde erfüllt sein wird mit der Herrlichkeit des Herrn,
so
wie die Wasser das Meer bedecken.)

Maranatha – komm Herr Jesus!

Amen