Morgen beginnt wieder die Schule.

Ein Mathelehrer beschwert sich beim Direktor: „70 % aller Schüler in dieser Schule haben keine Ahnung von Prozentrechnung.“

Direktor: „Herr Kollege, so viele Schüler haben wir doch gar nicht!“

 

Selbst wenn für dich morgen nicht die Schule beginnt, ist es wichtig weiter zu lernen.

Wir sind Jünger Jesu und ein Jünger ist zu allererst jemand, der lernt. Jemand, der im Glauben wachsen und vorankommen will. Ich habe bei meiner Predigtserie im letzten Arbeitsjahr gesagt, dass sich ein Jünger Jesu, von jemandem, der beispielsweise „nur den Gottesdienst besucht“ dadurch unterscheidet, dass er wachsen will und bereit ist, diese Lernherausforderung auf sich zu nehmen. Das ist zwar mir mancherlei Anstrengung verbunden, aber diese Anstrengungen lohnen sich absolut, früher oder später.

 

Etwas, dass ich persönlich gerade lerne, ist meine Gemeinschaft mit Gott zu intensivieren. Gerade als „Berufschrist“ erlebe ich es, dass das Tun für Gott sich ständig in den Vordergrund drängt, auf Kosten der Zeit mit Gott. Versteht mich nicht falsch: Ich bin davon überzeugt, dass Christsein durchaus auch daraus besteht, aktiv zu werden, in der Gemeinde mitzuarbeiten, seine Gaben zu entdecken, das Evangelium zu verkünden, die Nächstenliebe ganz praktisch werden zu lassen und einander zu dienen.

Genauso wie es wichtig ist, die Bibel zu studieren und Teile davon auswendig zu lernen, das gemeinsame Gebet nicht zu vernachlässigen, mich weiterzubilden, gute christliche Bücher zu lesen, zu geben usw. Aber wenn ich auf Grund all dieser Aktivitäten keine Zeit, keine Energie, oder keinen Bock mehr darauf habe, einfach „nur“ in der Gegenwart des Vaters zu sein, mich von seiner Liebe berühren zu lassen, bei ihm Nahrung für meine Seele zu bekommen, dann wird mich das früher, oder später krank machen.

 

Wir Menschen brauchen Nahrung. Nicht nur für unseren Körper, vor allem aber auch für unsere Seele und unseren Geist. Nahrungsangebot gibt es zwar im „religiösen Supermarkt“ heute zu Hauf und vieles lockt mit „Billigangeboten“ im Sinne von „Ich ziehe mir schnell mal ein Seminar rein und dann passt es wieder“, aber wirklich „satt“ werde ich davon nicht.

So wie richtig gute Lebensmittel eben „Bio“ sein müssen damit sie die Bezeichnung Lebensmittel verdienen und nicht nur industriell gefertigte Nahrungsmittel sind, so ist es auch mit den Dingen, mit denen ich meine Seele und meinen Geist füttere: Wenn es richtig gut sein soll, muss es vom Schöpfer höchstpersönlich kommen.

Ich beziehe die gesunde geistliche Nahrung in erster Linie dadurch, dass ich die Beziehung zu meinem Schöpfer pflege. Und zwar regelmäßig. Ohne diese Beziehungspflege, ohne diese Gemeinschaft mit Gott werde ich geistlich verhungern!

 

Sabine hat letzte Woche darüber gesprochen, wie wichtig es ist, dass ein Herrschaftswechsel in unserem Herzen stattfindet, und zwar einer, der mein ganzes Herz betrifft, nicht nur ein paar Teilbereiche. Genau so verstehe ich diese Nahrungsumstellung im geistlichen Bereich.

Das Wissen allein, dass beispielsweise Fertigprodukte, Zucker, oder übermäßiger Alkoholkonsum mir schadet, hilft nur wenig. Solange ich meine Essgewohnheiten deshalb nicht ändere, werde ich nicht gesünder. Erst wenn sich dieses Wissen in meinen Lebensgewohnheiten niederschlägt und ich meine Ernährung umstelle kann ich damit rechnen, dass sich positive Veränderungen einstellen.

Umgelegt auf die geistliche Welt bedeutet das: Solange dieser Herrschaftswechsel des Herzens, sich nur in meinem Kopf abspielt, aber nicht in der Praxis vollzogen wird, werde ich den Segen, den das Leben aus dem Glauben verheißt, niemals erleben und auch keine Frucht bringen.

Natürlich bleibt diese Spannung, dass es Gott ist, der mir dieses neue Herz schenkt, dass es Jesus ist, der dieses neue Herz füllt und der HG es ist, der Frucht in meinem Leben hervorbringt. Ich muss mich also nicht noch mehr anstrengen, damit dieser Herrschaftswechsel passieren kann. Aber ich muss bewusst beiseitetreten und ein ganzes „Ja“ zu diesem Herrschaftswechsel finden, sonst bleibt er ein Lippenbekenntnis.

Es ist sonst wie ein Wahlversprechen, von dem man schon im Vorhinein weiß, dass es nie eingelöst wird.

 

Olga lässt sich (erst) heute taufen, weil sie beim Tauftermin im Juli, bei der ja gleich 7 Täuflinge ihren Herrschaftswechsel zu Jesus öffentlich bekundeten, auf Reha war. Ich freue mich darüber, dass dir die Taufe so wichtig ist, dass du sie beim nächstmöglichen Termin – heute – nachholst. Wie gesagt: In der Taufe bekundest du öffentlich, vor der sichtbaren und der unsichtbaren Welt, dass dieser Herrschaftswechsel, weg vom Herrscher dieser Welt, hin zu JC in deinem Herzen stattgefunden hat. Du sagst damit auch, dass du gewillt bist, dein Herz mit der „guten Nachricht“ und somit mit „guter Nahrung“ zu füttern.

 

Was ist aber jetzt diese gute Nahrung, mit der ich mein Herz, meine Seele und meinen Geist gut nähren kann?

Was ist es, das meine Gemeinschaft mit Gott so stark macht, dass sich dieses neue Leben in JC ausbreiten kann?

 

Das was uns wirklich wichtig ist, spiegelt sich in unserer Prioritätenliste wider. Geh einmal gedanklich durch, wofür du dir Zeit nimmst. Natürlich gibt es eine Reihe vorgegebener Termine: Arbeit, Schlafen, Essen… aber daneben bleiben uns täglich etwa 5 Stunden, über die wir mehr oder weniger frei verfügen können.

Was ist dir persönlich so wichtig, dass du dafür gern früher aufstehst? Womit beschäftigst du dich in deiner Freizeit? Über welche Themen kannst du dich lange unterhalten? Wofür gibst du dein Geld aus? Welche Bücher liest du gerne? …

Es lohnt sich absolut über diese Fragen einmal gründlich nachzudenken.

 

Wenn mir die Gemeinschaft mit Gott wichtig ist, bedeutet das nicht, dass ich all diese Dinge, die mir (sonst noch) wichtig sind, nicht mehr tun kann und ich mich nur noch in mein stilles Kämmerlein zurückziehen muss um zu beten. Aber es bedeutet sehr wohl, dass ich Gott in all diese Gedanken und Aktivitäten, die mich begleiten, mit hineinnehmen soll. Genauso wie ich Gott auch in meinem Arbeitsplatz mit hineinnehmen kann und darf, auch wenn es kein „geistlicher“ Beruf ist.

Wenn ich montags und dienstags als Schlosser arbeite, dann ist Gott genauso mit dabei, wie wenn ich am Mittwoch mit der Predigt beginne, oder am Donnerstag Religion unterrichte.

Genauso wie er dabei ist, wenn ich am Abend eine MTB Tour allein, oder auch mit Freunden unternehme.

Ich bin dabei zu lernen, mir dessen immer mehr bewusst zu sein und je mehr mir das gelingt, desto mehr ändern sich meine Gedanken und letztendlich auch mein Verhalten in diesen alltäglichen Situationen.

Wir haben das große Privileg, dass wir nicht erst wohin gehen müssen, oder irgendwelche Rituale vollziehen müssen, damit wir Gemeinschaft mit Gott haben können.

Viele Christen glauben, sie müssten in eine Kirche gehen, um dort Gemeinschaft mit Gott zu haben.

Muslime müssen sich vor Gott niederwerfen um würdig genug vor ihrem Gott zu sein.

Wir sind privilegierte Königskinder!

 

Das Letzte, im Sinn von „abschließend“, oder „besonders wichtig“, das JC im Mt seinen Jüngern mitgab war: Ich bin immer bei euch bis ans Ende der Zeit. (Mt 28,20)

Wow, welch ein Vorrecht!

 

Natürlich gibt es Hilfen, die es mir erleichtern, auch mit meinen Gedanken, mit meinen Gefühlen und somit mit meinem ganzen Herzen in Gottes Nähe zu sein.

 

Auch bei Jesus lesen wir, dass er sich immer wieder einmal zurückzog um allein mit seinem Vater zu sein. Wenn Jesus das nötig hatte, wieviel erst wir?

Es ist gut, eine Gewohnheit zu entwickeln, täglich eine Zeit allein mit dem Vater im Himmel zu haben. Nicht aus einem Pflichtgefühl heraus, sondern weil es mir selber guttut. Weil ich merke, wie meine Seele und mein Geist Nahrung, Kraft, Hoffnung und Liebe bekommen.

Such dir eine Zeit am Morgen, oder am Abend, in der du ungestört (Stille), ganz nah am Vaterherzen sein und bei ihm auftanken kannst.

Lies in dieser Zeit die Bibel, frag Gott, was er dich durch den Text lehren will. Schütte ihm dein Herz aus und nimm dir vor allem auch Zeit auf sein Reden zu hören. JC hat versprochen: Meine Schafe hören meine Stimme! (Joh 10,27)

 

Sabine hat letzte Woche gesagt, dass der Feind sein Territorium nicht kampflos aufgibt. Gerade diese Zeiten in der Nähe Gottes werden sehr umkämpft sein. Stell dich ein auf diesen Kampf. Sei entschlossen und rechne mit der Unterstützung des HG. Dann wirst du siegreich sein.

 

Diese „stille Zeit“ ist aber nicht die einzige Möglichkeit, in der wir qualitativ hochwertige Gemeinschaft mit Gott pflegen können.

Ich erlebe Gemeinschaft mit Gott auch sehr stark in der Gemeinschaft mit anderen Glaubensgeschwistern. Und dabei muss man sich noch nicht einmal über geistliche Dinge unterhalten. Selbst wenn ich mich im HK über Politik, Gesundheit, oder Sport unterhalte, sehe ich JC in meinem Gegenüber. Er ist einfach präsent, in jeder Situation. Umso mehr natürlich, wenn wir gemeinsam die Bibel studieren uns austauschen und für einander beten.

Deshalb ermutigt uns der Schreiber des Hebräerbriefes: Heb 10,25: Versäumt nicht die Zusammenkünfte eurer Gemeinde, wie es sich einige angewöhnt haben. Ermahnt euch gegenseitig dabeizubleiben.

Jeder HK, jedes KC, jeder TT, vor allem aber jeder GoDi ist eine Möglichkeit für dich qualitativ hochwertige Gemeinschaft nicht nur untereinander, sondern auch mit Gott persönlich zu haben.

Bist du dir dessen bewusst? Wenn „ja“, wird sich das in deiner Prioritätenliste und somit in deinem Terminkalender widerspiegeln.

 

Es gibt leider immer mehr Christen, die glauben, dass sie ihren Glauben ohne verbindliche Gemeinschaft leben können. Im Internet kann ich mir zwar jederzeit die tollsten Predigten und den coolsten Lobpreis anhören, aber die Möglichkeit Jesus im Bruder, oder in der Schwester zu entdecken habe ich nicht. Mir fehlt es dann an Ermutigung, aber auch an Ermahnung. Ich brauche aber beides, damit ich im Glauben wachsen kann.

Ja, es erfordert Demut Ermahnung, aber auch Ermutigung anzunehmen. Und ja, es gibt keine perfekte Gemeinde. Wo Menschen (auch Christen) zusammenkommen verletzen sie einander. Je enger die Gemeinschaft, desto tiefer sind oftmals die Verletzungen.

Aber wir als Gemeinde haben gleichzeitig auch ein Werkzeug in die Hand bekommen, wie wir mit diesen Verletzungen umgehen können: Vergebung! Das Schöne ist: Selbst in diesem Prozess, in dem wir einander vergeben und Vergebung empfangen, wachsen wir in der Gemeinschaft untereinander und in der Gemeinschaft mit Gott!

 

Ein letztes Beispiel, wie wir die Gemeinschaft mit Gott pflegen und vertiefen können ist Lobpreis.

Dieser Bereich begleitet mich persönlich schon über viele Jahre meines Glaubenslebens und wird mir immer wichtiger.

Lobpreis ist viel mehr, als Lieder zur Ehre Gottes zu singen, oder die Gemeinschaft, die ja beim gemeinsamen Singen gefördert wird, zu genießen.

 

Lobpreis und Anbetung sind Worte, die eng miteinander verwandt sind. Es geht mir heute nicht darum, die beiden Begriffe genauer zu definieren und damit unterscheidbar zu machen.

Es ist aber so, dass jeder Mensch etwas, oder jemanden anbetet, auch ganz unreligiöse Menschen tun das. Wir sind so geschaffen.

Wenn wir im (z.B. musikalischen) Lobpreis unseren Schöpfer, Retter, Heiland usw. anbeten, dann tun wir genau das, wofür wir gemacht sind. Wir sind zur Freude und zur Ehre Gottes geschaffen. Das steckt so tief in uns drin, dass wir uns im LP, buchstäblich wir ein Fisch im Wasser fühlen.

 

Falls du es für dich noch nicht persönlich entdeckt hast, möchte ich dich mit hineinnehmen, in diese Freude und die Kraft, die im LP steckt.

 

Sowohl im AT, wie auch im NT dürfen wir manchmal einen Blick in den Himmel, in die unmittelbare Gegenwart Gottes werfen, oder miterleben, wie der Himmel auf der Erde sichtbar, oder sonst erlebbar hereinbricht. Meist „passiert“ genau dort Lobpreis.

Gleich nachdem Gott die Israeliten durch das Schilfmeer führte stimmte Mose ein spontanes Lied zu Gottes Ehre an. (2. Mo 15)

David war ein Lobpreiser, überhaupt die ganzen Psalmen sind Lieder, die aus der Gemeinschaft mit Gott entstanden sind.

Rund um die Geburt Jesu fingen ganz viele (nicht nur Menschen) an Gott zu preisen: Maria, Johannes d.T., Engel, Simeon…

Bis hin zur Offenbarung, in der Joh den himmlischen Lobpreis bestaunen darf.

 

Wie bei so vielem im Reich Gottes, ist es auch beim Lobpreis so, dass wir unendlich mehr zurückbekommen, als wir selber geben. Je reicher wir säen, desto reicher werden wir ernten.

 

Deshalb ist LP nicht nur für mich eine sehr zentrale Möglichkeit meine Gemeinschaft mit Gott zu gestalten.

Spontaner LP ist ein Geschenk des Himmels, aber auch gestalteter LP hat enorme geistliche Kraft und hilft uns dabei unmittelbar mit unserm Geist, aber auch mit unserer Seele in Gottes Gegenwart zu kommen.

Deshalb werden wir zum Abschluss noch ein Loblied zusammen singen.