Eine Geburt ist ein sehr schönes, aber auch ein dramatisches Erlebnis. nicht nur für die werdende Mutter und das Kind.

So auch bei einer Hausgeburt:

Der Arzt geht ins Schlafzimmer, kommt nach kurzer Zeit wieder heraus und bittet den Ehemann um eine Zange. Er verschwindet, erscheint jedoch bald wieder, und verlangt Hammer und Meißel.

Dem erbleichenden Ehemann wanken die Knie, doch der Arzt brummt nur: „Keine Angst, ich krieg‘ nur meine Tasche nicht auf!“

 

In der Regel ist Angst ein schlechter Lehrmeister, aber manche Ängste sind berechtigt und teilweise auch überlebensnotwendig. Als der Attentäter von Wien um sich zu schießen begann war es die richtige Reaktion davon zu laufen und sich zu verstecken.

 

Vor Gott brauchen wir keine Angst zu haben, weil wir durch Jesus wissen dürfen, dass er für uns ist und das Beste für uns im Sinn hat.

 

Letzte Woche habe ich euch von der Heilsgewissheit erzählt, die besagt, dass wenn wir Jesus als Herrn und Heiland in unser Leben lassen, wir ganz sicher sein dürfen, auch die Ewigkeit in seiner Gegenwart verbringen zu dürfen. So gesehen brauchen wir keine Ängste mehr haben, dass unsere Werke hier auf Erden ausreichen, um in den Himmel zu kommen.

 

Und doch gibt es eine berühmte Bibelstelle im NT, die scheinbar genau das Gegenteil von dem, was ich letzte Woche gepredigt habe, zeigt.

 

Es geht um Phil 2,12: (LÜ) …schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern.

Die meisten anderen Übersetzungen sind nicht weniger scharf formuliert.

 

Was dieser Bibelstelle zusätzlich Gewicht verleiht, ist dass Paulus im Philipperbrief ja grundsätzlich voller Lob für die Philipper ist. Mit den Galatern beispielsweise ging er viel härter ins Gericht. Offenbar gab es dort viele Missstände, die Paulus ansprechen musste. Aber die Gemeinde in Philippi war geradezu eine Vorzeigegemeinde.

 

Paulus beginnt das 2. Kapitel mit den Worten: Es gibt über euch so viel Gutes zu berichten: Als Menschen, die mit Christus verbunden sind, ermutigt ihr euch gegenseitig und seid zu liebevollem Trost bereit. Man spürt bei euch etwas von der Gemeinschaft, die der Geist Gottes bewirkt, und herzliche, mitfühlende Liebe verbindet euch.

Darüber freue ich mich sehr.

 

Und aus Phil 2 kennen wir auch den „Christushymnus“, über den ich erst Anfang September gepredigt habe. Wo Jesus uns als Vorbild vor Augen gestellt wurde. Sein Wesen und sein Charakter sind das, wohin wir Christen uns entwickeln sollen und wollen.

Überhaupt begleitet uns Phil 2 derzeit recht intensiv.

Was also hat dieser herausfordernde Vers mitten in Phil 2 für uns zu bedeuten?

 

Wie schon oft gesagt, ist der wichtigste (Bibel)Text, der „Kontext“.

Erste Verse: s.o.

V 6-11 Christushymnus

V 12-18

12 Was schließen wir daraus, liebe Freunde? Ihr habt immer befolgt, was ich euch weitergegeben habe. Hört aber nicht nur auf mich, wenn ich bei euch bin, sondern erst recht während meiner Abwesenheit. Arbeitet mit Furcht und Zittern an eurer Rettung.

13 Und doch ist es Gott allein, der beides in euch bewirkt: Er schenkt euch den Willen und die Kraft, ihn auch so auszuführen, wie es ihm gefällt.

14 Bei allem, was ihr tut, hütet euch vor Nörgeleien und Rechthaberei.

15 Denn euer Leben soll hell und makellos sein. Dann werdet ihr als Gottes vorbildliche Kinder mitten in dieser verdorbenen und dunklen Welt leuchten wie Sterne in der Nacht.

16 Dazu müsst ihr unerschütterlich an der Botschaft Gottes festhalten, die euch das Leben bringt. Wenn Jesus Christus dann kommt, kann ich stolz auf euch sein, dass ich nicht umsonst bei euch gewesen bin und mich nicht vergeblich um euch gemüht habe.

17 Und selbst wenn ich sterben muss und mein Blut wie Opferblut vergossen wird im Dienst für euren Glauben, so bin ich doch voller Freude. Ja, ich freue mich mit euch allen.

18 Freut ihr euch ebenso, freut euch mit mir!

 

Ein Wort, das hier am Ende, wie auch schon zuvor einem regelrecht anspringt, ist die Freude. Die Freue am Herrn. Die Freude, die er in unser Herz gelegt hat. Die Freude darüber, dass wir Gottes Kinder geworden sind und wir als seine Kinder gerecht gemacht worden sind. Die Freude darüber, dass Jesus immer bei uns ist. Nicht nur als Vorbild, sondern auch als unser Bruder. Die Freude über die Gabe des Heiligen Geistes, der unser Fürsprecher unser Anwalt und Beistand ist, der uns Gaben schenkt und uns dabei hilft Jesus immer ähnlicher zu werden.

Die Freude darüber, dass wir einander haben. Die vielen „Typisch Gott“ Geschichten zeugen jeden Sonntag von dieser umfassenden Freude.

 

Was ich weiters aus diesem Text sehr klar herauslesen kann, sind die motivierenden Worte des Paulus, unser bestes zu geben und dabei nicht nachzulassen. Wie ein Trainer an der Seitenlinie feuert Paulus die Christen in Philippi damals, und indirekt auch uns heute an. Go for it! Ihr schafft es! Weiter so!

 

V 14-16: Was ihr auch tut, tut es ohne zu klagen und zu zweifeln, damit niemand euch irgendetwas vorwerfen kann. Als Kinder Gottes sollt ihr ein reines, vorbildliches Leben führen in einer dunklen Welt voller verdorbener und verirrter Menschen, unter denen euer Leben wie ein helles Licht leuchtet.

Haltet am Wort des Lebens fest!

 

Da schwingt für mich absolut kein erhobener Zeigefinger mit: Wenn ihr das alles nicht macht, dann…

 

Einer meiner Lieblingsverse in der ganzen Bibel finden wir einen Vers vorher und dieser Vers unterstreicht diese nicht verurteilende, bestärkende, befreiende und unterstützende Sichtweise:

V 13: Denn Gott bewirkt in euch den Wunsch, ihm zu gehorchen, und er gibt euch auch die Kraft zu tun, was ihm Freude macht.

LÜ: Das Wollen und das Vollbringen

 

Leider hat dieser und ähnliche Verse aber auch dazu geführt, dass es immer wieder Menschen gab, die dann zu dem Schluss gekommen sind: Auf mich selber kommt ja dann gar nicht mehr an. Wenn Gott will, dass ich mein Leben ändere, dann wird er schon dafür sorgen, dass ich meine schlechten Gewohnheiten aufgebe. Gott liebt mich sowieso, also kann ich fröhlich weitersündigen, mir ist ja alles vergeben…

 

Ich überzeichne diesen Punkt jetzt bewusst ein wenig, um euch die Haltung dahinter sichtbar zu machen.

Ich entdecke diese Haltung bei mir selber immer wieder einmal, zumindest in Ansätzen und ich denke wir Menschen sind stets in der Gefahr so zu denken.

Ich will aber jetzt auch nicht auf der anderen Seite vom Pferd fallen und plötzlich anfangen Druck zu machen.

 

Was ich aber damit sagen will, ist dass wir das, was Jesus für uns am Kreuz getan hat, niemals als Selbstverständlichkeit hinnehmen dürfen, deren einzige Konsequenz für mich die Eintrittskarte in den Himmel wäre.

Ja, durch das Kreuz haben wir das ewige Leben, Jesus hat alles getan, was dafür notwendig war. Aber unser Part dabei ist, diese Wahrheit für unser Leben „anzunehmen“. Mit annehmen meine ich viel mehr, als es für wahr zu halten. Es geht darum, dass Jesus jetzt wirklich Herr in meinem Leben sein darf. Dass ich den Platz hinter dem Lenkrad meines Lebens frei mache und mich auf den Beifahrersitz setze. Jesus hat das Lenkrad jetzt in der Hand.

 

Wenn wir, um bei diesem Bild zu bleiben, Jesus in regelmäßigen Abständen ins Lenkrad greifen, weil wir glauben es besser zu wissen, ist das menschlich gesehen sehr oft nachvollziehbar. Wer gibt schon gern wirklich die Kontrolle ab. Ich fühle mich nur dann wirklich stark, wenn ich alles selber in der Hand habe. Dann habe ich die Kontrolle! Oder?

Aber in den meisten Fällen ist ein Eingreifen ins Lenkrad, wenn ich nicht mehr am Steuer sitze nicht gerade zielführend.

Hältst du es aus, Jesus ganz zu vertrauen auch wenn du noch nicht siehst, wohin er dein Leben lenkt?

 

Je nach Lebenssituation wird Jesus sehr behutsam steuern, manchmal wirst du aber auch das Gefühl haben, am Beifahrersitz eines Rallyeautos zu sitzen. Vielleicht weißt du im Kopf, dass Jesus der beste Pilot ist, den es gibt, aber trotzdem geht es dir zu schnell, oder zu wild. Vertraust du ihm dann ganz?

 

Es gibt aber auch Menschen, die zwar behaupten, dass Jesus ihr Herr sei, aber in Wirklichkeit rücken sie keinen Zentimeter vom Lenkrad ihres Lebens ab. Und wehe Jesus greift ihnen in ihren Entscheidungen drein!

 

Lange Zeit hielt sich die „once for all saved“ Theorie in der protestantischen Theologie. Also die Behauptung, dass ich mich lediglich irgendwann einmal „bekehren“ muss um errettet zu sein. Mit bekehren meinen diese Menschen das Sprechen eines Übergabegebetes. Folglich ging es bei ganz vielen „evangelistischen“ Veranstaltungen darum, dass möglichst viele Menschen so ein Übergabegebet mitsprechen. Ob sie das ernst meinen, oder nicht…

 

Ich würde auch sagen, dass eine echte „Bekehrung“ reicht, um errettet zu werden, aber wenn das Aussprechen eines wie auch immer formulierten Gebets nicht ernsthaft ist und vor allem daraus keine Umkehr (Steckt auch im Wort Bekehrung) folgt, dann dringt dieses „Gebet“, wenn man es überhaupt so nennen will, gar nicht bis zu Gott vor. Dann bleibt es bestenfalls ein frommer Wunsch. Genau genommen ist es eine Lüge, wenn ich dieses Gebet nicht ernst nehme.

 

Umkehren, so wie es bereits Jesus gepredigt hatte, bedeutet ihn ganz und uneingeschränkt Herr in meinem Leben sein zu lassen.

Das gilt für alle Bereiche: Für meine Beziehungen, für mein Verhalten, für meinen Umgang mit Geld, die Art und Weise wie ich meine Gaben und Talente einsetze, das ganze Programm.

 

Es liegt auf der Hand, dass ein Mensch, der umkehrt, nicht sofort perfekt ist und in allen Bereichen sich so verhält, wie es Gott für ihn vorgesehen hat. Das ganze Leben als Christ ist ein Wachstumsprozess. Entscheidend ist aber die Richtung, in die ich mich bewege. Hin zu Jeus, oder weg von ihm.

Es wird kaum ein Tag vergehen, an dem du nicht auch wieder einmal einen Schritt zurück machst. Das ist OK. Es gehört zum Leben auch als Christ dazu, auf die Nase zu fallen. Wichtig ist aber, dass du nicht liegen bleibst, oder irgendwann zum Schluss kommst, dass umkehren willst, von deiner Umkehr. Also wieder in dein altes Leben zurückwillst. Auch das gibt es leider immer wieder unter Christen.

 

Und genau so verstehe ich diesen Vers, über das fürchten und zittern, von dem ich vorhin gesprochen habe.

Es ist dieser „heilige Ernst“, der meiner Entscheidung für Jesus auch wirklich ganz zu Grunde liegen muss, damit ich auch tatsächlich das Ziel das Gott für mein Leben gesetzt hat, erreiche.

 

Wenn ich aber ein ganzes „Ja“ zu Jesus gefunden habe, wenn ich bereit bin, ihm in allem zu vertrauen, wenn ich, um noch einmal dieses Bild zu bemühen, mich auf den Beifahrersitz setze und ihm das Lenkrad meines Lebens überlasse, dann darf ich vertrauensvoll damit rechnen, dass er mich nicht fallen lässt, oder verletzt, sondern er mich ganz sicher dorthin navigiert, wo Gottes Ziel für mein Leben ist.

Auf dem Weg dorthin, gibt es sicherlich das eine, oder andere Abenteuer zu bestehen. Es kann gut sein, dass mir das eine oder andere Mal angst und bange wird, dass mich Furcht und Zittern überkommt, aber Jesus weiß, wieviel er wem zutrauen kann. Er hat versprochen, dass er uns nicht über unser Vermögen herausfordern wird.

 

Und dann kann ich auch den von mir so geliebten Vers zu 100% auf mein Leben anwenden: Dass er das Wollen und das Vollbringen schenkt. Dass er mein Herz formen wird, weil ich ihn da ranlasse. Bis in die tiefsten Tiefen meines Herzens. Dort wo ich normalerweise niemanden hineinschauen lasse. Auch dort darf er im Laufe der Zeit aufräumen.

 

Auch das ist eine Angst, die wir uns in der Nachfolge stellen müssen: Dass diese ganz dunklen Ecken meines Herzens ans Licht kommen. Dass sie zumindest für mich selber und vielleicht einen Seelsorger, oder Sozo Mitarbeiter, der mich auf dem Weg dorthin begleitet, sichtbar werden. Jesus kennt sie ja sowieso.

Jesus geht es überhaupt nicht darum, dass er uns bloßstellen will, oder er jetzt einen Grund hätte uns zu verurteilen. Ganz im Gegenteil. Er weiß, dass wir uns diesen Ängsten stellen, und diese dunklen Flecken unseres Herzens zu ihm ans Kreuz bringen müssen, damit wir Heilung in diesen Bereichen erfahren können. Das will Jesus für uns!

Jesus ist unser Arzt. Ein Arzt muss einen bösartigen Tumor wegschneiden, sonst stirbt der ganze Mensch.

 

Jesus spricht im Gleichnis vom Weinstock (Joh 15) auch davon, dass der Vater als Weingärtner uns beschneidet. Das tut weh. Davor haben wir Angst. Aber dieses Beschneiden dient dazu, dass wir gesund wachsen und viel Frucht bringen.

 

Was heißt das jetzt für uns heute ganz praktisch:

  • Gott liebt dich so sehr, du bist ihm unendlich wichtig.
  • Du brauchst vor ihm keine Angst haben und auch nicht davor, dass er dich verstoßen würde.
  • Deine Entscheidung, Jesus nachzufolgen nimmt Gott absolut ernst. Er hasst Halbherzigkeiten, gerade in diesem Bereich.
  • Er geht mit dir einen Weg, der dich auch mit deinen Ängsten konfrontiert, in der Absicht, deine tiefsten Wunden zu heilen.
  • Er bringt dich an ein lohnendes Ziel.

 

Hast du ein ganzes Ja zu diesem Weg mit Gott, auch wenn dir dabei das Fürchten und Zittern kommt? Geh mit dieser Frage ehrlich ins Gebet!

In Anlehnung an Ps 126,5 „Wer mit Tränen sät, wird mit Jubel ernten.“ kann ich sagen: Wer mit Furcht und Zittern sät, wird mit Freude und Triumpf ernten.