„Chef, ich komme am Montag etwas später zur Arbeit.“

„Ok, wann kommst du?“

„Dienstag.“

 

Mühlviertler gelten als sehr fleißig, zurecht. Insofern muss die Aufforderung Jesu, aus Mt 9,37f jedem Mühlviertler eine Herzensangelegenheit sein: »Die Ernte ist groß, aber es sind nicht genügend Arbeiter da.

38 Betet zum Herrn und bittet ihn, mehr Arbeiter zu schicken, um die Ernte einzubringen.«

Ich sehe schon vor meinem inneren Auge, wie alle Hände nach oben gehen und alle sagen: Nimm mich Herr! Ich will mitarbeiten! Stimmts?

 

Im Natürlichen ist zwar gerade eher Zeit zum Aussäen, im Geistlichen ist aber absolute Erntezeit. Die Arbeit wird nicht weniger, ganz im Gegenteil!

 

Übernächste Woche findet in Wien „Awakening Europe“ statt. Eine Veranstaltung, in der das Thema „Ernte“ sehr zentral ist. Wir hoffen, dass viele, die Jesus noch nicht persönlich in ihr Leben eingeladen haben, kommen werden und diesen so wichtigen Schritt, bei einem der Veranstaltungen tun werden. Awakening Europe dient aber vor allem auch dazu, uns, die wir Jesus nachfolgen in die Erntearbeit hineinzuführen und besser auszurüsten.

Die Ernte ist ja eines der letzten Schritte, bevor ich den Ertrag meiner Arbeit genießen kann.

 

Diesen Satz Jesu: Die Ernte ist groß… muss man, so wie alle Aussagen in der Bibel im Zusammenhang sehen. Er wird in Mt 9 und in Lk 10 erwähnt, beide im Zusammenhang mit der Aussendung von Jüngern.

Ich möchte mit euch die Stelle in Mt 9, 35-38 lesen:

35 Jesus zog durch die Städte und Dörfer der Umgebung. Er lehrte in den Synagogen und verkündete die Botschaft vom Reich Gottes. Und überall, wo er hinkam, heilte er Menschen von ihren Krankheiten und Leiden.

36 Als er die vielen Menschen sah, hatte er tiefes Mitleid mit ihnen, denn sie hatten große Sorgen und wussten nicht, wen sie um Hilfe bitten konnten. Sie waren wie Schafe ohne Hirten.

37 Deshalb sagte er zu seinen Jüngern: »Die Ernte ist groß, aber es sind nicht genügend Arbeiter da.

38 Betet zum Herrn und bittet ihn, mehr Arbeiter zu schicken, um die Ernte einzubringen.«

 

Das erste, das erwähnt wird, ist dass Jesus umherzog. Er war zwar schon berühmt genug, dass er in einem Haus sitzen hätte können und die Leute wären trotzdem scharenweise zu ihm gekommen um ihn zu hören und sich von ihm heilen zu lassen.

Aber Jesus ging zu den Leuten hin.

Es ist ein Wesenszug Gottes, dass er sich aufmacht und zu den Menschen hingeht, ihnen nachgeht, sie sucht.

Schon als der erste Mensch, Adam sündigte, machte sich Gott auf ihn zu suchen: „Adam, wo bist du?“ Ich bin mir sicher, Gott wusste, wo sich Adam versteckte, aber Gott ging den ersten Schritt auf Adam zu, obwohl Adam es war, der diese wunderbare Beziehung zwischen Gott und Mensch, die es vor dem Sündenfall gab, zerstört hatte.

 

Jesus war sich nicht zu gut, oder zu schade, die Extra Meile zu gehen, sich aufzumachen um verlorene Menschen zu suchen und ihnen mit Gottes Liebe zu begegnen.

Diese Haltung Gottes muss auch die unsere sein, wenn wir Jünger Jesu sind.

Die letzte Anweisung, die Jesus seinen Jüngern gab, war: Geht!

 

Unsere Gottesdienste, Hauskreise, Gebetstreffen und unsere Gemeinschaft zu genießen ist nicht falsch, ganz im Gegenteil. Das sind ganz wichtige Treffen, in denen wir gestärkt und auferbaut werden. Aber wenn das unsere einzigen christlichen Aktivitäten sind, dann ist das, wie wenn wir immer nur einatmen würden, aber nie ausatmen. Immer nur einatmen ist genauso tödlich, wie immer nur auszuatmen.

Das Leben besteht aus Geben und Nehmen, geistliches Leben besteht aus Empfangen und Weitergeben.

 

Wir alle haben so unendlich viel empfangen. Mehr als uns in der Regel bewusst ist. Es gibt genauso viele Möglichkeiten, das was ich empfangen habe, auch wieder weiterzugeben, damit dann andere etwas empfangen, das sie dann wieder an andere weitergeben können. So kommt ein Fluss in Gang, der im Himmel entspringt und auch wieder dorthin mündet. Ein wunderbarer Kreislauf des Lebens.

Sobald ich denke: Ich möchte nur bekommen, aber nichts weitergeben, wird dieser Kreislauf unterbrochen und dieser Fluss hört auf zu fließen, bis er schließlich ganz versiegt. Aber mit jedem „Von Gott empfangen und an meine Mitmenschen weitergeben“, fängt dieser Fluss wieder von Neuem zu fließen an. Gott selber ist die Quelle und das Ziel.

 

Wir könnten diesen Fluss immer wieder innerhalb unserer eigenen Reihen fließen lassen. Das ist dann wie ein in sich geschlossener Wasserkreislauf. Dieses Wasser beginnt mit der Zeit zu stinken. In einem Pool braucht es Chlor, oder andere Chemikalien, damit das nicht passiert.

Natürlich braucht es Dienste innerhalb der Gemeinde, damit „der Laden läuft“. Aber das ist nicht die Bestimmung unserer Gemeinde!

 

Jeder von uns ist berufen zu „gehen“. Hinauszugehen. Nicht nur die Evangelisten, oder die Leiter der Gemeinde. Mit Gehen meine ich nicht unbedingt in Ausland, oder an einen anderen Ort zu gehen, vielleicht nicht einmal im eigenen Ort auf die Straße zu gehen um Traktate zu verteilen, sehr wohl aber eine aktive Haltung einzunehmen, und auf andere Menschen zuzugehen, wenn ich merke, dass Jesus diesen Menschen begegnen und dienen möchte.

Diese anderen Menschen, zu denen ich gehen soll, sind meist solche, zu denen ich bereits Kontakt habe. Es sind Nachbarn, Arbeitskollegen, Familienangehörige oder Freunde. Menschen, die vielleicht Jesus ein wenig kennen, oder ihn auch ablehnen. Ganz egal.

35 Jesus zog durch die Städte und Dörfer der Umgebung. Er lehrte in den Synagogen und verkündete die Botschaft vom Reich Gottes. Und überall, wo er hinkam, heilte er Menschen von ihren Krankheiten und Leiden.

 

Das ist das Zweite, was wir als Jünger Jesu von ihm lernen dürfen:

Er brachte die beste Botschaft der Welt und er demonstrierte ganz praktisch, dass diese Botschaft nicht nur für den Kopf, oder für die Seele wichtig ist, sondern der ganze Mensch gemeint ist.

 

überall, wo er hinkam, heilte er Menschen von ihren Krankheiten und Leiden.

Elb.: Er heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen.

Da kann man jetzt darüber in Verzückung geraten, oder aber auch in Panik. Man kann diese Bibelstelle wegdiskutieren: Es war Jesus, es war eine andere Zeit, heute haben wir ganz andere medizinische Möglichkeiten, es geht nicht nur um Wunder…

Oder man kann diese Aussage als Herausforderung und Ansporn sehen, weil Jesus ja heute noch derselbe ist und die gleiche Auferstehungskraft, die Jesus von den Toten auferweckte, durch den HG in uns wirksam ist.

 

Ja, wir sind noch nicht dort, dass jedes unserer Gebete erhört wird. Aber das heißt nicht, dass wir uns nicht danach ausstrecken sollen. Wir erleben Heilungen, wir erleben, dass Gott auf übernatürliche Weise immer wieder, auch in unseren Alltag eingreift. Warum sich also nicht nach mehr ausstrecken? Bei Gott dürfen wir unverschämt sein! Er wünscht sich das sogar.

 

Wir haben noch viel auf diesem Gebiet zu lernen. Das ist unbestritten. Aber wenn wir als Gemeinde die Hoffnung der Welt sind – und davon bin ich überzeugt – wenn wir als Treffpunkt Leben ein Ort der Heilung und der Wiederherstellung für unsere Region sind, so wie es in unserem Selbstverständnis steht, dann können wir dieses hohe Ziel niemals erreichen, ohne dass Gott uns auf übernatürliche Weise unterstützt.

 

Martin hat uns von der GL letzte Woche einen Link zu einem Artikel, vom „San Francisco Chronicle“ geschickt, die über das berichtet, was in der Kalifornischen Stadt Redding, durch die dort befindliche Bethel Church passiert:

https://www.sfchronicle.com/opinion/article/Redding-church-practices-what-it-preaches-it-13692787.php

 

Die Überschrift lautet: Die Kirche dort praktiziert, was sie predigt.

Der markante- aber nicht sarkastisch gemeinte Schusssatz dieses Artikels ist: „Wie im Himmel, so auch in Redding“ (In Anlehnung an das „Vater-Unser“)

 

Wenn weltliche Journalisten anerkennen, dass da offensichtlich Gott am Wirken ist, dann ist das etwas, was ich mir für uns auch wünsche. Nicht weil ich in der Zeitung stehen will. Aber weil ich miterleben will, dass Gott Dinge tut, die nicht nur wir Christen toll finden, sondern vor allem die Menschen, die ihn noch nicht kennen, zu ihm hinziehen.

 

Natürlich sind Wunder noch lange kein Garant dafür, dass Menschen zum Glauben kommen. Wir Menschen sind leider oft nur sehr schwer zu überzeugen. Aber wenn Menschen am eigenen Leib erfahren, wie gut Gott zu ihnen ist, dann ist das für viele ein Punkt, an dem sie offen für seine Liebe werden.

 

 

Wenn wir uns den nächsten Vers in diesem Text ansehen, dann erkennen wir das Motiv, warum Jesus heilte:

36 Als er die vielen Menschen sah, hatte er tiefes Mitleid mit ihnen, denn sie hatten große Sorgen und wussten nicht, wen sie um Hilfe bitten konnten. Sie waren wie Schafe ohne Hirten.

 

Jesus ist nicht egal, wie es dir geht. Und es ist ihm nicht egal, wie es deinen Mitmenschen geht. Wenn es einem Menschen schlecht geht, ganz egal aus welchem Grund hat er Mitleid mit ihm. Natürlich gibt es ganz viele selbstverschuldete Bereiche, warum wir leiden.

Und es gehört zu einem nachhaltigen Heilungsprozess dazu, dass Menschen ihr Leben ändern. Das Angebot zu heilen war und ist bei Jesus immer auch mit der Aufforderung „Buße zu tun“ und an das Evangelium zu glauben verbunden.

Wenn ein starker Raucher eine neue Lunge transplantiert bekommen soll, aber er nicht aufhören will zu rauchen, ist die Sinnhaftigkeit einer solchen OP zu hinterfragen.

Wenn du geizig auf deinem Geld sitzt, kann Gott dich nicht finanziell segnen. Wenn du nicht bereit bist anderen zu vergeben, dann wirst du auch deine eigene Schuld mit dir herumschleppen müssen. Da ist Jesus ganz klar.

 

Jedoch noch bevor Menschen Erkenntnis über die Dinge bekommen, die sie ändern müssen, hat Jesus Mitleid mit ihnen und geht den ersten Schritt auf sie zu. Er liebt alle Menschen bedingungslos und hat einen Plan, wie sie in sein Reich kommen können.

Wir sind Teil seines Rettungsplans für alle Menschen. Ganz konkret sind wir Teil seines Rettungsplans für die Menschen hier in unserem Gebiet. In den Dörfern und Ortschaften, in denen wir leben und darüber hinaus.

 

Wenn wir Gott bitten, Arbeiter in seine Ernte zu schicken, dann müssen wir uns dessen bewusst sein, dass wir selber auch Teil der Gebetserhörung sind. Gott könnte seinen Plan auch ohne uns ausführen, aber er will uns dabeihaben. Wir sind ihm so wichtig, dass er uns mit einer Arbeit betraut, die eigentlich nur er tun kann. Aber im Vertrauen auf ihn dürfen wir die Ernte einbringen. Dürfen wir zu den Menschen hingehen, uns von der Liebe Gottes zu den Verlorenen anstecken lassen, dürfen sie im Namen Jesu heilen und ihnen die Beste Botschaft überbringen, die es auf diesem Planeten gibt.

 

Die Bitte, Gott möge Arbeiter in die Ernte senden, beinhaltet auch die Bereitschaft hinzugehen und Teil dieser göttlichen Mission zu sein.

 

Die Ernte ist groß und sie hat schon begonnen. Willst du Teil diesen großartigen Ernteteams sein? Bist du bereit, den Vater um mehr Erntearbeiter zu bitten und selber auch einer zu sein?

Nicht nur die Ernte, auch die Freude daran, und der Segen für mich selber ist riesengroß!