Der Tag, an dem die meisten Fastenkuren beginnen heißt: „Morgen“

Nachdem ihr alle den Film letzte Woche gesehen habt… ☺
… möchte ich die Thematik und den dazugehörigen Bibeltext dieses Films noch einmal aufgreifen.

Es geht um Jesaja 58, 1-12 (GN)
1 Der Herr sagt: »Rufe, so laut du kannst! Lass deine Stimme erschallen wie eine Posaune! Halte meinem Volk, den Nachkommen Jakobs, ihr Unrecht und ihre Vergehen vor!
2 Sie fragen mich Tag für Tag, warum ich sie solche Wege führe. Wie ein Volk, das sich an das Recht hält und meine Gebote befolgt, fordern sie von mir, dass ich zu ihrer Rettung eingreife, und wünschen sich, dass ich ihnen nahe bin.
3 ›Was für einen Sinn hat es‹, jammern sie, ›dass wir Fasttage abhalten und deinetwegen Entbehrungen auf uns nehmen? Du beachtest es ja gar nicht!‹ Darauf sage ich, der Herr: Seht doch, was ihr an euren Fasttagen tut! Ihr geht euren Geschäften nach und beutet eure Arbeiter aus.
4 Ihr fastet zwar, aber ihr seid zugleich streitsüchtig und schlagt sofort mit der Faust drein. Darum kann euer Gebet nicht zu mir gelangen.
5 Ist das vielleicht ein Fasttag, wie ich ihn liebe, wenn ihr auf Essen und Trinken verzichtet, euren Kopf hängen lasst und euch im Sack in die Asche setzt? Nennt ihr das ein Fasten, das mir gefällt?
6 Nein, ein Fasten, wie ich es haben will, sieht anders aus! Löst die Fesseln der Gefangenen, nehmt das drückende Joch von ihrem Hals, gebt den Misshandelten die Freiheit und macht jeder Unterdrückung ein Ende!
7 Ladet die Hungernden an euren Tisch, nehmt die Obdachlosen in euer Haus auf, gebt denen, die in Lumpen herumlaufen, etwas zum Anziehen und helft allen in eurem Volk, die Hilfe brauchen!
8 Dann strahlt euer Glück auf wie die Sonne am Morgen und eure Wunden heilen schnell; eure guten Taten gehen euch voran und meine Herrlichkeit folgt euch als starker Schutz.
9 Dann werdet ihr zu mir rufen und ich werde euch antworten; wenn ihr um Hilfe schreit, werde ich sagen: ›Hier bin ich!‹ Wenn ihr aufhört, andere zu unterdrücken, mit dem Finger spöttisch auf sie zu zeigen und schlecht über sie zu reden,
10 wenn ihr den Hungernden zu essen gebt und euch den Notleidenden zuwendet, dann wird eure Dunkelheit hell werden, rings um euch her wird das Licht strahlen wie am Mittag.
11 Ich, der Herr, werde euch immer und überall führen, auch im dürren Land werde ich euch satt machen und euch meine Kraft geben. Ihr werdet wie ein Garten sein, der immer genug Wasser hat, und wie eine Quelle, die niemals versiegt.
12 Was seit langer Zeit in Trümmern liegt, werdet ihr wieder aufbauen; auf den alten Fundamenten werdet ihr alles von neuem errichten. Man wird euch das Volk nennen, das die Lücken in den Stadtmauern schließt und die Stadt wieder bewohnbar macht.«

Das Problem, das Jesaja hier anprangert ist fast so alt, wie die Menschheit und gleichzeitig topaktuell.
Unsere Zeitungen und Nachrichtensendungen sind voll von Meldungen über Menschen, die beispielsweise bei einer Fahrt über das Mittelmeer ihr Leben riskieren, nur um dieser Unterdrückung und Ausbeutung zu entgehen.
Oder Berichte über unmenschliche Arbeitsbedingungen in den Billiglohnländern, auf deren Kosten wir uns ein T-Shirt um € 4,90 kaufen können.
Oder auch Meldungen über Ungerechtigkeiten, die es bei uns gibt, wenn eine Bank mit Milliarden an Steuergeldern „gerettet“ werden muss und wir uns berechtigterweise fragen: Wo ist das ganze Geld hingeflossen?

Ist ja eh klar, denkst du vielleicht jetzt. Natürlich bin ich auch für Gerechtigkeit in dieser Welt. Die Bösen, das sind die Kapitalisten, die Reichen (zu denen wir ja nicht gehören), die unfähigen oder korrupten Politiker usw.
Schuld an der ganzen Misere ist die Gier der Reichen.
Dieter Nuhr (dt. Kabarettist): „Gierig sind nur dir Reichen, die Armen nicht! Oder? In Wahrheit sind die Armen nur weniger erfolgreich im gierig sein!“

Wenn du mit einem Finger auf andere zeigst, zeigen mindestens drei auf dich selber.
Was mich bei diesem Text getroffen hat, waren nicht die ungerechten Zustände, die hier beschrieben sind, sondern wem Gott sie vorhält. Er spricht hier keine Gottlosen an, auch nicht speziell die Reichen, die „oberen 10.000“, Banker, Manager…, sondern Menschen, die Tag für Tag (V2) nach dem Willen Gottes fragen. Die nach Gottes Gerechtigkeit suchen, sich anstrengen um nach seinen zu Geboten leben. Die sogar Gottes Nähe suchen, sich vor Gott demütigen und regelmäßig fasten.
Es wäre zu einfach, sie einfach als religiöse Menschen oder Pharisäer abzustempeln, die aus eigener Kraft versuchen Gott zu beeindrucken.
Gott spricht hier Menschen, wie dich und mich an, Gläubige, die sich nach Gottes Wort richten, die ihn und seine Gegenwart suchen, Gläubige, die aber zwei Gesichter haben. Ein frommes, rechtschaffendes und eines, das sie im Alltag, im Beruf oder in der Familie zeigen.

In diesem zweiten Gesicht spiegelt sich Gleichgültigkeit oder Resignation gegenüber eines ungerechten Systems, das halt diese Welt beherrscht, aber das man halt nicht ändern kann.

Beim Christ sein geht es nicht um fromme Übungen, wie dem Fasten, so gut diese Übungen auch sind. Aber diese Dinge allein machen aus dir noch keinen Nachfolger Christi.
Christsein bedeutet sein Leben radikal zu ändern.
Und es bedeutet die zu lieben, die auch Gott liebt: Alle Menschen, allen voran Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

In diesem Text fordert uns Gott auf die Situation wie sie derzeit ist nicht als gegeben hinzunehmen, sondern auf zu stehen, meine Stimme zu erheben und mein möglichstes zu tun, um der Ungerechtigkeit in dieser Welt entgegen zu treten.
In Vers 6 fordert Gott uns 4x dazu auf, Menschen, die unter irgend einer Form von Unterdrückung leiden zu helfen.
Löst die Fesseln der Gefangenen, nehmt das drückende Joch von ihrem Hals, gebt den Misshandelten die Freiheit und macht jeder Unterdrückung ein Ende!

Und im nächsten Vers untermauert Gott diese Aufforderung mit 4 ganz konkreten Beispielen: (V7) Ladet die Hungernden an euren Tisch, nehmt die Obdachlosen in euer Haus auf, gebt denen, die in Lumpen herumlaufen, etwas zum Anziehen und helft allen in eurem Volk, die Hilfe brauchen!

Was sagt Jesus am ENDE seiner Endzeitrede: Mt 25,34-36
34 Dann wird der König zu denen auf seiner rechten Seite sagen: ‚Kommt her! Euch hat mein Vater gesegnet. Nehmt Gottes neue Welt in Besitz, die er euch von allem Anfang an zugedacht hat.
35 Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd, und ihr habt mich bei euch aufgenommen;
36 ich war nackt, und ihr habt mir etwas anzuziehen gegeben; ich war krank, und ihr habt mich versorgt; ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht.‘

Das Kriterium, nachdem Jesus die auswählt wer zu ihm in den Himmel darf ist nicht ob du „genug“ in der Bibel gelesen, gebetet, Gottesdienste besucht oder gefastet hast. So gut und wichtig diese Dinge auch sind.
Das entscheidende Kriterium ist, ob du die Liebe, die du vom Vater im Himmel bekommen hast an andere Menschen weitergegeben hast, die diese Liebe brauchen.
Bei dieser Liebe geht es weniger um Mitgefühl, als viel mehr um konkrete Taten der Liebe.

Natürlich ist es leider so, dass wir nicht alle Ungerechtigkeit auf dieser Welt abschaffen können, schon gar nicht von heute auf morgen. Wir können „Fair Trade“ Produkte kaufen, oder für eine Schule in Afrika spenden. Das ist sehr gut, aber wir wissen auch, dass das nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist.

Dort, wo wir noch mehr Einflussmöglichkeiten haben, ist unser unmittelbares Umfeld.
… helft allen in eurem Volk: Wörtlich: Entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut. (deinem Nächsten)
Da geht es um die Menschen, denen wir tagtäglich begegnen.
Auch mitten unter uns gibt es Menschen, die aus welchem Grund auch immer nicht zu den Gewinnern gehören, gibt es Unterdrückung, manchmal offensichtlich, meist aber eher versteckt, auch bei uns gibt es Armut. Ganz konkret im materiellen Sinn.

Ich hab auf der Homepage der „Armutskonferenz Österreich“ ein sehr gutes Kurzvideo des ORF gefunden, das ein paar Fakten zum Thema Armut in Österreich liefert:

431.000 Menschen in Ö können sich ihr Leben nicht mehr leisten.
12,6%, also jeder Achte!!! ist armutsgefährdet! (Bei 32 Besuchern: 4 unter uns)

Gott selbst tritt in der ganzen HS immer wieder als der auf, der sich für die Witwen, Waisen, Benachteiligten und die Armen einsetzt.
Und er ist der, der mit den Menschen besonders ins Gericht geht, die die Situation der Armen und Benachteiligten auch noch ausnutzt.
Lies einmal z.B. den Propheten Amos im AT. Kostprobe: Am 4,1-2
Hört, ihr Frauen von Samaria, gutgenährt und schön wie Baschans Kühe! Ihr unterdrückt die Schwachen und schindet die Armen. …
Der HERR, der mächtige Gott, hat bei seinem heiligen Namen geschworen: »Die Zeit kommt, dass man euch alle aus den Häusern herausholen wird, so wie man Fische mit dem Angelhaken aus dem Wasser zieht.«

Spr 21,13
Wenn du für das Schreien der Armen nur taube Ohren hast, wirst du keine Antwort bekommen, wenn du selber um Hilfe rufst.
(Auch im NT viele Beispiele)

Was können wir tun?

1. Dankbarkeit.
Wenn du ein festes Dach über dem Kopf hast, du genug zu essen und an zu ziehen hast, dir darüber hinaus noch ein Auto und mindestens einmal pro Jahr einen Urlaub leisten kannst, gehörst du zu den reichsten 5% auf dieser Erde. 95% der Weltbevölkerung haben weniger als du.
Wem hast du das alles zu verdanken? Sicher arbeitest du fleißig dafür, aber letztendlich ist es Gott, der dich unter anderem auch mit materiellen Gütern segnet.
Eine dankbare Haltung im Leben bewahrt uns davor, all diese Ding als selbstverständlich zu erachten und deren Wert nicht mehr schätzen zu können. Wenn ich Dinge nicht mehr schätze, verlieren sie an Wert für mich. Gleichzeitig verliere ich auch die Freude daran. Bsp.: Handy.

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2. Kor 9,7f: Gott liebt fröhliche Geber!
Er hat die Macht, euch so reich zu beschenken, dass ihr nicht nur jederzeit genug habt für euch selbst, sondern auch noch anderen reichlich Gutes tun könnt.

Deshalb gibt Gott Überfluss. Nicht damit wir immer fetter werden, sondern damit wir unserer Reichtum mit denen teilen, die eine Not haben.
Er gibt uns die Vollmacht „den ungerechten Mammon“ zum Bau seines Reiches einzusetzen. Ist das nicht wunderbar!
Wir sind so reich beschenkt worden, damit wir anderen reichlich Gutes tun können.

Also: Sei dankbar für das, was Gott dir gibt und gib etwas von deinem Überfluss weiter. Werde so zu einem Segensträger.