Die neue Regierung beabsichtigt, die Steuererklärung drastisch zu vereinfachen. Es wird ein Fragebogen mit nur noch zwei Punkten zugestellt:

  1. Wie hoch war im Vorjahr der Betrag Ihres Einkommens?
  2. Überweisen Sie uns diesen Betrag.

 

Awakening Europe wurde über Nacht in ganz Österreich bekannt, weil Ben Fitzgerald für Ex Kanzler Kurz ein Segensgebet gesprochen hat.

 

Dieser Umstand hat mich dazu bewogen, darüber nachzudenken, wie „politisch“ wir als Gläubige allgemein, bzw. wir als Freikirchler speziell sein sollten, oder auch nicht sein sollten.

 

Das „Frei“ im Wort Freikirchen hat ja auch politische Wurzeln, weil man sich bewusst, von den Staats- bzw. Volkskirchen abgrenzen wollte.

 

Jesus selber war zu unpolitisch für seine jüdischen Zeitgenossen. Die Erwartung an den Messias war ja, dass er als starker (militärischer) Führer auftritt, die römische Besatzungsmacht aus dem Land wirft und ein „reines“ neues jüdisches Reich aufbaut. Aber Jesus hat gesagt: Mein Reich ist nicht von dieser Welt.

Er war aber, in dem Sinne sehr wohl politisch tätig, dass vieles von seiner Verkündigung und von seine Taten, Auswirkung auf die Gesellschaft hatte und teilweise bis heute hat.

 

Im Lied „Der Gammler“ heißt es:

Man sagt, er war Politiker, er rief: Ich mach euch frei!

Und die Masse wollte gern, dass er ihr neuer König sei.

Er sprach laut von Korruption und wies auf Unrecht offen hin.

Doch man hasste seinen Einfluss und so kreuzigten sie ihn.

(Original von Larry Norman; dt. Arno & Andreas)

 

Politiker, egal in welchem Land und egal von welcher Partei haben nicht den besten Ruf. Sie gelten als macht- und geldbesessen, korrupt und nur am eigenen Wohlergehen interessiert. Auch wenn das natürlich nur ein Klischee ist und es Gott sei Dank auch sehr gute Politiker gibt, aber dieses Klischee spiegelt leider nicht grundlos dieses Empfinden wider.

Gleichzeitig gehen politische Themen uns alle an und ich bin überzeugt, dass wir etwas zu sagen haben.

Wir sind und bleiben in dieser Spannung: Wie stark kann oder soll sich ein Christ politisch engagieren?

 

Ein Blick in die Geschichtsbücher hilft manchmal zu verstehen, warum gewisse Themen plötzlich so heiß diskutiert werden wie eben das Segensgebet für Sebastian Kurz.

 

Wie vorhin gesagt, war Jesus unpolitisch, was die Regierungsarbeit seiner Zeit anging. Ebenso verfolgten die Christen der ersten Jahrhunderte keine politischen Ziele. Zumindest nicht im engeren politischen Sinn. Sie verkündeten das Reich Gottes, das aber, wie wir wissen, zwar mitten in den irdischen Reichen existiert, aber trotzdem nicht von dieser Welt ist. Dieses Reich Gottes erhebt keinen territorialen Anspruch und macht auch sonst nichts irgendeinem irdischen Reich streitig.

 

Dennoch fühlten sich bereits zu Jesu Zeiten die jüdischen Herrscher und später auch die römischen Kaiser von diesem Reich Gottes bedroht.

Die Christen in Rom waren vermutlich die „besten“ Bürger. Sie waren ehrlich, fleißig, gerecht, zahlen Steuern… und sie anerkannten den Kaiser durchaus als ihren weltlichen Herrscher, aber sie wussten auch, dass noch jemand über dem Kaiser steht: Jesus. Das alleine machte manchen Kaiser eifersüchtig. Eine Christenverfolgung war die Konsequenz.

 

Bis zur sogenannten „Konstantinischen Wende“ im Jahr 313 in der der römische Kaiser einen Vorteil darin sah, sich mit den Christen zu verbünden, statt sie zu bekämpfen.

Es dauerte nicht lange, bis das Christentum von einer tolerierten Religion zur alleinigen Staatsreligion „aufstieg“. Das war im Jahr 380. Spätestens ab diesem Zeitpunkt gab es die unheilvolle Allianz zwischen Kirche und Staat.

Warum unheilvoll? Weil eben das Reich Christi nicht von dieser Welt ist und nach ganz anderen Regeln abläuft, von ganz anderen Kriterien bestimmt wird und ganz andere, oft konträre Maßstäbe zur Anwendung kommen.

In weltlichen Reichen geht es um Macht, Geld und Einfluss. Im Reich Gottes geht es um Liebe, ums Geben und ums Dienen.

 

In der Kirchengeschichte ging es über Jahrhunderte um die Frage, ob der Papst Herr über den Kaiser ist, oder der Kaiser Herr über den Papst. Was hat Jesus gesagt, als bereits seiner Jünger darüber gestritten hatten, wer von ihnen der Größte sei?

Bis zum Mittelalter gab es in der Kirche die „Zwei Schwerter Lehre“ (nach Mt 26,52), die besagt, dass der Papst ein geistliches Schwert (Wort Gottes) und ein weltliches Schwert (Kirchenrecht steht über der weltlichen Macht) hat.

 

Dieses Machtdenken beschränkte sich aber bei weitem nicht nur auf die RKK. In den Ostkirchen und in den protestantischen Kirchen war es genauso. Queen Elisabeth II ist bis heute das Oberhaupt der Anglikanischen Kirche.

 

Und auch in bibeltreuen, oder täuferischen Kreisen, ist dieses Streben nach Macht und Einfluss zumindest teilweise nicht unbekannt. (z.B. Täuferreich von Münster) Es gab zwar in diesen Kreisen auch Strömungen, die auf der anderen Seite vom Pferd gefallen sind und sich gänzlich aus „dieser bösen Welt“ zurückgezogen haben, aber es gab wie gesagt, genauso gelegentliche Versuche ein irdisches Reich nach dem Vorbild der Bergpredigt zu gründen. Ausnahmslos jedes dieser Versuche endete im Chaos, in der Unterdrückung und im Machtmissbrauch.

Die Bergpredigt eignet sich ganz offensichtlich nicht um ein irdisches Regierungsprogramm damit zu machen.

 

Deshalb gibt es seit der Aufklärung das Bestreben die Bereiche Politik und Religion, Kirche und Staat zu trennen.

Und das ist gut so!!!

 

Eine Staatsreligion, egal ob sie christlich, muslimisch, hinduistisch, oder was auch immer ist, führt zwangsläufig zu Intoleranz, Ausgrenzung und letztendlich zur Verfolgung Andersdenkender.

 

Insofern verstehe ich den Aufschrei von manchen Kritikern, wenn sich ÖVP Obmann Kurz vermeintlich „Wahlkampfhilfe“ von so „radikalen“ Christen, wie den Freikirchlern holt.

Dass dieses Segensgebet absolut nicht als Wahlkampfhilfe für eine Partei gedacht war, ist eine andere Geschichte.

 

Ja, wir Freikirchler kämpfen dafür, dass Leben geschützt wird, und zwar von der Zeugung bis zum natürlichen Tod, wir kämpfen dafür, dass der Wert der Familie aus Vater UND Mutter mit Kindern gestärkt wird.

Ja, wir wollen, dass möglichst viele Menschen Jesus kennen lernen und sie in sein Reich kommen. Aber wir geben uns nicht der Utopie hin, dass es auf dieser Erde ein „reines“ christliches Reich geben wird, in dem Andersdenkende keinen Platz mehr haben.

Wir sind Bürger des Himmels und leben gleichzeitig auch in unserem Fall in Österreich. Dieses Land zu lieben und für Österreich zu beten bedeutet nicht, dass wir irgendjemanden in seiner Freiheit einschränken wollen.

 

Kann es sein, dass Gott bewusst diese beiden Reiche nebeneinander haben will?

 

Martin Luther formulierte die sogenannte „Zwei Reiche Lehre“. Vermutlich auch in Anlehnung an die „Zwei Schwerter Lehre“ der RKK.

Diese Lehre besagt, dass Gott in den beiden Reichen regiert, aber auf unterschiedliche Weise:

Gott herrscht in der Welt, durch das Gesetz.

Gott herrscht in der Gemeinde, durch das Evangelium.

 

Wenn wir z.B. die 10 Gebote hernehmen, dann gelten diese für alle Menschen, egal. ob sie gläubig sind, oder nicht. Du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht ehebrechen… betrifft mich, ob ich Christ, Muslim, oder Atheist bin. Die Gesetzgebung aller Staaten fußt mehr oder weniger darauf.

Das Gesetz hat die Aufgabe Böses in Schranken zu halten. Die Mittel dieses Gesetz durchzusetzen sind Vernunft und nötigenfalls Gewalt.

 

Röm 13,4: Die Staatsgewalt steht im Dienst Gottes zum Nutzen jedes Einzelnen. Wer aber Unrecht tut, muss sie fürchten, denn Gott hat ihr nicht ohne Grund die Macht übertragen, Strafen zu verhängen. [wörtl.: sie trägt das Schwert nicht umsonst] Sie handelt im Auftrag Gottes, wenn sie unbestechlich alle bestraft, die Böses tun.

 

Gott herrscht auf diese Weise in der Welt nicht nur gegen das Böse, er kämpft damit auch gegen den Bösen.

 

In der Gemeinde gilt aber das Wort Christi, der gesagt hat: Joh 13,34

So gebe ich euch nun ein neues Gebot: Liebt einander. So wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben.

In der Liebe ist das, was das Gesetz fordert bereits eingetreten. Wenn ich meine Frau liebe, dann verschwende ich keinen Gedanken an Ehebruch. Wenn ich meinen Nächsten liebe, dann werde ich ihn nicht bestehlen, belügen, oder gar umbringen.

Wenn ich Gott liebe, dann brauche ich kein Gesetz um mich vom Bösen abzuhalten. Ich werde das, was das Gesetz fordert, freiwillig tun.

 

In der Gemeinde herrscht Gott ebenfalls natürlich gegen die Macht Satans, der wie wir leider wissen, auch hier versucht zu rauben und zu morden. Gott regiert in der Gemeinde aber anders, als er in der Welt herrscht. In der Gemeinde regiert Gott durch sein Wort (Bibel, Verkündigung, Geschwister…) und durch seine Taten. (Wunder, Gebetserhörungen, Sakramente…) Er kann auf diese Weise unter uns regieren, weil wir von ihm ein neues Herz bekommen haben, das ihm gehorsam ist.

 

Politik gehört ganz klar zum Herrschaftsbereich Gottes in der Welt.

Politik hat die Aufgabe Gesetze zu machen, die das Leben der Staatsbürger schützen, das Wohlergehen und den Wohlstand fördern und zu einem guten Miteinander beitragen. Wie gesagt zum Wohle aller, aber auch gültig für alle Menschen, die in diesem Staat leben. Ob diese an Gott glauben, oder auch nicht, ist egal.

 

Weil es aber so viele unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse und auch Herausforderungen gibt, muss die Politik Kompromisse schließen. Jeder Kompromiss ist für den, den es betrifft zunächst schmerzlich. Es bedeutet, dass ich etwas nicht erreiche, oder bekomme, dass ich gerne hätte. Ein Kompromiss ist nie das Optimale für alle Beteiligten. Aber ein guter Kompromiss ist einer, mit dem alle Beteiligten leben können, obwohl sie nicht das Optimum herausgeholt haben.

 

Politik ist die Kunst des Möglichen. Ein guter Politiker kann jene Kompromisse schließen, mit dem am Ende alle mehr, oder weniger zufrieden sind.

„Es allen Menschen recht getan, ist eine Kunst die niemand kann.“

Sobald ein Politiker anfängt seine Ideale mit allen Mitteln durchzusetzen – und das können durchaus sehr gute Ideale sein – führt das zur Diktatur!

 

Sollen wir uns jetzt als Christen in der Politik engagieren? Ja absolut! Tu es in der Form, die Gott dir aufs Herz legt. Das kann sein, in der Form, dass du einen Leserbrief zu einem Thema schreibst, das dir am Herzen liegt. Möglich, dass du bei einer Bürgerversammlung deine Meinung kundtust, an einer Demo teilnimmst, oder du dich für ein politisches Amt zur Verfügung stellst.

Bsp.: Bianca, Gudrun Kugler…

 

Bei all deiner politischen Arbeit muss dir klar sein, dass es um ein irdisches Reich geht und darum Kompromisse zu schließen. Diese Kompromisse werden nie das Reich Gottes zu 100% widerspiegeln. Aber wenn sie es „nur“ zu 50, 60, oder 80% tun, dann ist es besser, als wenn Gottes Handschrift gar nicht mehr zu erkennen ist.

 

In der Gemeinde hingegen können und sollen wir uns kompromisslos nach Gottes Reich, seinen Werten und seinem Handeln ausstrecken. Als Gemeinde spiegeln wir Gottes Herrlichkeit wider. Unsere Identität ist, dass wir Bürger des Reiches Gottes sind. Wir haben als Gemeinde eine Aufgabe in dieser Welt: Die Herrlichkeit Gottes sichtbar zu machen. Dieser Aufgabe können wir jedoch nicht mit politischen Mitteln, sondern nur mit geistlichen Mitteln nachkommen.

 

Das, was wir für unsere Regierung tun können und sollen, ist dass wir für sie beten. Ganz egal, welcher Partei sie angehören.

 

  1. Tim 2,1 Vor allem anderen fordere ich euch auf, für alle Menschen zu beten. Bittet bei Gott für sie und dankt ihm.

2 So sollt ihr für die Herrschenden und andere Menschen in führender Stellung beten, damit wir in Ruhe und Frieden so leben können, wie es Gott gefällt und anständig ist.

3 Das ist gut und macht Gott, unserem Erlöser, Freude.

4 Er möchte, dass jeder gerettet wird und die Wahrheit erkennt.

 

Das wollen wir nun gemeinsam tun.