Manche Beziehungsfilme haben als Grundmuster die Geschichten von zwei Menschen, die lange Zeit parallel nebeneinander her laufen, aber dann sich an irgend einem Punkt berühren und an eben diesem Kreuzungspunkt etwas besonderes passiert.
So ähnlich ist es auch, wenn man die Geschichten von Johannes dem Täufer mit der Geschichte von Jesus vergleicht. Da läuft vieles im Leben der Beiden sehr parallel. Geburt, öffentliches Auftreten, auch den vorzeitigen Tod haben sie gemeinsam.
Nur an einem Punkt treffen sich die beiden Lebensgeschichten: Bei der Taufe Jesu: Lk 3,21f:
Als Johannes wieder einmal viele Menschen taufte, ließ sich auch Jesus taufen. Als er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam in Gestalt einer Taube auf ihn herab. Und eine Stimme vom Himmel sprach: »Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich große Freude.«

Dass Jesus sich taufen ließ, war schon eine eigenartige Sache. Johannes predigte, wie wir letzten Sonntag gehört haben, eine „Taufe der Buße (Umdenken) und der Vergebung“. Beides hatte Jesus nicht nötig.

In der christlichen Taufe wird der Tod und die Auferstehung Jesu für uns symbolisch nachvollzogen. Ich glaube, dass Jesus mit seiner eigenen Taufe bereits eine Vorschau auf seinen kommenden Weg, eben mit Tod und Auferstehung gibt. Und dass er gleichzeitig damit eine Basis schuf, auf der die christliche Taufe später aufbauen konnte.

Bei seiner Taufe sind drei entscheidende Dinge passiert, die wir uns heute genauer anschauen wollen:

1. Der Himmel öffnete sich.

Jesus hat zwar auch gesagt, dass der Himmel (Reich Gottes) mitten unter uns ist (Lk 17,21), aber für uns erlebbar und erfahrbar ist es leider doch nicht immer. Es gibt aber so ganz besondere Momente, in denen wir merken, dass jetzt der Himmel offen ist, dass Gott gerade jetzt unter uns handelt.
Solche Momente, wie sie Jakob im AT erlebte, als er bei Bethel im Traum den Himmel offen sah und wie Engel auf einer Leiter zwischen Himmel und Erde hinauf und herabstiegen.
Oder auch die drei Jünger Jesu, die mit Jesus auf den Berg Tabor gestiegen sind und Jesu vor ihren Augen verklärt wurde.
Oder auch Stephanus, der bei seiner Steinigung sagte: Apg 7,56: »Schaut doch, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn auf dem Ehrenplatz zur Rechten Gottes stehen!«
Wenige Momente später, war er dann ganz in der Gegenwart Jesu.

Es gibt noch ein paar weitere Berichte in der HS in der Menschen den Himmel offen sahen.
In dem Lied: ”When I worship you, heaven comes to me”, heißt die deutsche Übersetzung: „Wenn ich dich anbete, geht der Himmel auf.“ Vielleicht hast du das auch schon einmal im Lobpreis, oder bei anderer Gelegenheit erfahren. Es gibt so Momente, in denen Gott für uns erlebbar nahe ist. Er ist ja immer nahe, aber wir empfinden es nicht immer so.
Diese Momente sind so „Zuckerl“, die uns unser himmlischer Vater einfach so zukommen lässt. Wir dürfen einen Blick in den Himmel werfen, wir dürfen ab und zu etwas von dieser Freude, dem Frieden, der Schönheit und dem Glück des Himmels mit bekommen.
Das soll unsere Seele und unseren Geist und unser Vertrauen zum Vater im Himmel stärken.
1Kor 13,12:
Jetzt sehen wir nur ein undeutliches Bild wie in einem trüben Spiegel. Einmal aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke, doch einmal werde ich alles klar erkennen, so deutlich, wie Gott mich jetzt schon kennt.

Wenn wir Gott einmal ganz schlecht „sehen“ können, hilft uns die Erinnerung an die Momente, in denen wir den Himmel offen gesehen haben.

2. Der Heilige Geist kam auf Jesus
Eine Frage, mit der sich Theologen seit Jahrhunderten herumschlagen lautet: Hatte Jesus vor seiner Taufe den HG nicht?
Er und der Vater und der HG sind doch untrennbar eins!?!
Hat Jesus den HG abgelegt als er ganz Mensch wurde?

Die schlüssigste Antwort auf diese Frage ist für mich, dass auch wir als Christen zwar den HG „haben“ (nicht als erworbener Besitz, sondern als Erbe, Pfand…), aber trotzdem immer wieder neu mit dem HG erfüllt werden müssen.

Hier wird berichtet, dass der Heilige Geist, wie eine Taube, sichtbar auf ihn herab kam. (HfA)
Deshalb gelten die Tauben bis heute als Friedenssymbol, auch wenn sie in vielen Städten eher eine Plage als Friedensbringer sind.
Die Taube ist auf Grund dieser Bibelstelle auch ein Symbol für den HG. Was sagt die Bibel über den HG? Er durchzieht die ganze Bibel
1.Mose 1,1-2
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde
Die Erde war noch leer und öde,
Dunkel bedeckte sie und wogendes Wasser,
und über den Fluten schwebte Gottes Geist.

Bis: Offb 22,16-17
Ich, Jesus, … bin der Wurzelspross und Nachkomme Davids. Ich bin der leuchtende Morgenstern.«
Der Geist und die Braut antworten: »Komm!« Wer dies hört, soll sagen: »Komm!« Wer durstig ist, soll kommen, und wer von dem Wasser des Lebens trinken will, wird es geschenkt bekommen.

Heute werden wir die ganze Bibel durcharbeiten – dazwischen ein paar Verse auslassen 

Konkret machen wir einen Überblick über die Bibelstellen in denen beschrieben wird, was passiert, wenn der HG (auch „Geist Gottes“ oder „Geist des HERRN“ genannt) auf einen Menschen kommt:

Der erste, von dem berichtet wird, dass der Geist Gottes auf ihm war, war Josef im AT. 1. Mo 41,38
„Wir finden für diese Aufgabe keinen besseren Mann als Josef“, sagte der König, „denn in ihm wohnt Gottes Geist!“

Der Zweite war ein Handwerker namens Bezalel: 2. Mo 31,2-3
Ich habe Bezalel … berufen und ihn mit dem Geist Gottes erfüllt, mit Weisheit und Verstand und kunsthandwerklichem Geschick.

Der dritte war Bileam: 4. Mo 24,2:
[Bileam] richtete seinen Blick auf die Israeliten, die dort nach Stämmen geordnet lagerten. Der Geist Gottes kam über ihn, und er begann seine Rede:

Später lesen wir ähnliches von Richtern, Königen, Propheten und vom Hohepriester.

Das was mit allen diesen Personen passierte war, dass sie von Gott eine besondere Fähigkeit zur Erfüllung einer bestimmten Aufgabe erhielten. So wie wir es heute bei den Geistlichen Gaben erleben.

Er schenkt uns darüber hinaus, wie wir wissen die Gewissheit, dass wir Kinder Gottes sind, er ist unser Tröster und Ermutiger, er vertritt uns im Gebet, macht uns Jesus ähnlich und bringt gute Frucht in unserem Leben hervor.

Was ich aber darüber hinaus noch interessant finde, ist zu beobachten, was in dem Moment passiert, wenn der HG auf oder über einen Menschen kommt.
Bei Jesus heißt es ja hier, dass der HG sichtbar auf ihn herabkam. Das heißt die anderen Menschen haben das mitbekommen. Das war keine Sache, die nur Jesus für sich alleine erlebt hätte.
Auch zu Pfingsten lesen wir, dass die Menschen herbeiströmten, als die Jüngern den HG erhielten.

Bereits im AT, als Saul den HG erhielt, war das für ihn ein ekstatisches Erlebnis. 1. Sam 10,10
Da kam der Geist Gottes über Saul, so dass er wie sie [die Propheten] in Ekstase geriet und mit ihnen Prophezeiungen aussprach.
Später 1. Sam 19,23f:
Schon auf dem Weg dorthin kam Gottes Geist auch auf Saul. Er geriet in Ekstase wie die Propheten und erreichte so ihre Siedlung in Rama.
Dort zog er sein Obergewand aus, tanzte vor Samuel umher und weissagte, bis er schließlich hinfiel. Den ganzen Tag und auch die ganze folgende Nacht blieb er halb nackt am Boden liegen. Durch dieses Ereignis entstand die Redensart: „Gehört Saul auch zu den Propheten?“

Ich möchte keine Lehre daraus machen, dass das immer so sein muss, als Zeichen dafür, dass jemand mit dem HG erfüllt ist. Nicht überall wo HG „draufsteht“ ist der Geist Gottes wirklich drin, aber wir dürfen diese Dinge nicht von vornherein verurteilen, sondern prüfen und wir sollen auch offen und bereit sein, das aus Gottes Hand anzunehmen, was er uns gibt, auch wenn wir es momentan nicht einordnen können.

Bei Jesus finden wir keine Hinweise auf irgendwelche ekstatischen Ereignisse, aber etwas anderes geschah:


3. Die Stimme aus dem Himmel

»Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich große Freude.«
Hinter diesem Satz steht ein geistliches Prinzip:
Jesus wusste schon als Zwölfjähriger, das er im dem, was seinem Vater gehört sein muss. Damals war das für ihn der Tempel. Jesus als Mann erkannte, dass nicht nur der Tempel, sondern die ganze Welt – die gefallene Schöpfung – trotzdem dem Vater gehört.
Jesus verließ den Himmel, er erniedrigte sich selbst, er ging in diese gefallene Welt, wurde hier einem Sklaven gleich und starb den unverdienten Verbrechertod am Kreuz. Er identifizierte sich mit uns Sündern, obwohl er selber ohne Sünde war. Niemand sonst hat sich jemals selbst so tief erniedrigt.

Eine von Gottes Lieblingsbeschäftigungen ist es, Dinge umzudrehen: Die Letzten werden die Ersten sein…
Gleichnis von den besten Plätzen beim Hochzeitsmahl. (Lk 14)

Wenn wir uns selber groß machen wollen, wird er uns erniedrigen, wenn wir uns aber vor ihm demütigen, dann wird er uns groß machen.
Er kann übrigens beides viel besser als wir!

Weil Jesus sich selbst so demütigte und sich sogar taufen ließ, obwohl er es nicht nötig gehabt hätte, deshalb erhebt ihn der Vater, vor den Augen und Ohren aller, die dabei waren.

»Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich große Freude.«
Diesen Satz sagt aber auch der Vater im Himmel zu uns: »Du bist mein geliebter Sohn/meine geliebte Tochter, an dir habe ich große Freude.«
Er nimmt uns durch Jesus als seine Kinder an, wenn wir dem Vertrauen schenken, was Jesus für uns getan hat.
Seinen Tod und seine Auferstehung spiegeln sich bereits in seiner Taufe wieder.