Alle Kinder springen über die Schlucht, nur nicht Peter – dem fehlt ein Meter.

 

Kinder sind für mich die faszinierendsten Menschen auf diesem Planeten. Gleichzeitig können sie auch die anstrengendsten sein. Ein Bekannter hat diese Woche seine Tochter zur Schule gebracht. Obwohl er eigentlich nicht lärmempfindlich ist, war er dann ziemlich froh, wieder in sein ruhiges Auto steigen zu können und die schreiende Bande hinter sich zu lassen.

Hut ab, vor den Lehrern, die das jeden Tag aushalten (müssen).

 

Wenn in der Bibel von Kindern die Rede ist, dann sind meist leibliche, oder auch geistige Nachkommen im weitesten Sinn gemeint. Die Juden in der Zeit des NT bezeichneten sich gerne als Abrahams Kinder, aber Jesus entgegnete ihnen, dass Gott selbst aus Steinen Kinder Abrahams schaffen könne.

Jesus sprach auch von den Kindern des Reiches (Gottes), aber auch von den Kindern des Bösen/Teufels.

 

Es werden in der Bibel natürlich auch Begebenheiten erzählt, in der Kinder, im Sinne von Minderjährigen vorkommen.

Spontan fällt mir da immer gleich die Geschichte ein, als Eltern ihre Kinder zu Jesus bringen wollen, damit er sie segnet. Den Jüngern Jesu waren diese Kinder jedoch lästig und sie wollten sie abweisen.

Das ist eine der Situationen, in denen Jesus wirklich ärgerlich wurde:

Mk 10,14 Als Jesus das sah, war er sehr verärgert über seine Jünger und sagte zu ihnen: »Lasst die Kinder zu mir kommen. Hindert sie nicht daran! Denn das Reich Gottes gehört Menschen wie ihnen.

15 Ich versichere euch: Wer nicht solchen Glauben hat wie sie, kommt nicht ins Reich Gottes.«

 

Ich habe aber noch eine wichtige Stelle entdeckt, in der Kinder, gerade durch ihre Unbekümmertheit und auch durch ihre Lautstärke es geschafft haben positiv bei Jesus aufzufallen:

Und zwar geht es um eine kleine Szene, direkt nach der Tempelreinigung im Bericht von Matthäus:

Wieder eine Begebenheit, in der Jesus wütend war! Aber auch diesmal nicht auf die Kinder.

Ihr müsst euch die Situation vorstellen: Umgeworfene Tische, kreuz und quer herumirrende Opfertiere, Geldwechsler, die hastig ihre Münzen vom Boden aufheben, schreiende Kinder…

Mitten in diesem Chaos steht Jesus und dann passiert folgendes:

 

14 Dann kamen dort im Tempel Blinde und Gelähmte zu ihm, und er machte sie gesund.

Wir als Gemeinde sind dabei zu lernen, wie wir bei passenden Situationen ein Gebet um Heilung anbieten können. Aber für Jesus war offensichtlich jede Situation passend.

 

15 Die führenden Priester und die Gesetzeslehrer sahen die Wunder, die Jesus tat, und sie hörten, wie die Kinder im Tempel laut riefen: »Gepriesen sei der Sohn Davids!« Da wurden sie wütend.

 

Kennst du das, wenn jemand sich nicht mitfreuen kann, obwohl etwas Wunderbares passiert? Neid und Missgunst sind absolute Freudenräuber. Die Kinder hingegen freuten sich und wie Kinder nun einmal sind, taten sie ihre Freude lautstark kund. Ganz offensichtlich erkannten sie, wer Jesus wirklich war. Sie nennen ihn den „Sohn Davids“, was eine Umschreibung für den Messias war. Sie haben gemerkt: Jemand, der solche Wunder tut, muss von Gott gesandt sein.

 

Die führenden Priester und die Gesetzeslehrer wurden wütend 16 und fragten Jesus: »Hörst du, was die da rufen?« Jesus sagte zu ihnen: »Gewiss! Habt ihr denn nie gelesen, was in den Heiligen Schriften steht: ›Du, Gott, sorgst dafür, dass die Unmündigen und die kleinen Kinder dich preisen‹?« (Ps 8,3)

17 Damit ließ er sie stehen, ging aus der Stadt hinaus und übernachtete in Betanien.

 

Die Hohepriester waren entsetzt über das, was die Kinder laut hinausposaunten, aber in ihren Augen nicht sein durfte: Nämlich das Jesus der Messias ist.

 

Kann es sein, dass diese Kinder „geistlicher“ waren, als die studierten Theologen?

Dass sie in ihrer Unbekümmertheit und mit ihrem kindlichen Glauben näher dran an Gottes Wahrheit waren, als die Menschen, die sich sogar beruflich mit Glaubensdingen beschäftigten?

 

Wenn das so war (und auch heute noch so ist), was bedeutet das für uns im Umgang mit Kindern in der Gemeinde?

 

Könnt ihr euch nach an die Zeugnisse erinnern, die Steve und Ruth, bei unserer Mühlviertel Konferenz über die Kinder in ihrer Gemeinde weitergegeben haben? Diese Kinder sind die absoluten Glaubenshelden. Ihr Gebet war oftmals ein einfaches: „Danke Papa Gott“, aber dieses Gebet war wirksamer als unsere oft so ausschweifend oder theatralisch formulierten Gebete.

Was heißt das für uns?

 

 

Kinder werden oftmals als Gemeinde von morgen bezeichnet, aber damit tun wir ihnen unrecht. Sie sind die Gemeinde von heute und die Leiter von morgen. Es ist unsere Aufgabe ihnen den Platz in der Gemeinde zu geben, der ihnen gebührt.

Kinder sind so begeisterungsfähig und haben einen so natürlichen Zugang zum Glauben, dass wir von ihnen vielleicht mehr lernen können, als sie von uns!

 

Natürlich sind Kinder auch noch unreif und nicht vollkommen. Kinder können sehr unbarmherzig und brutal sein.

Etwas das Kinder auszeichnet, ist ihr absolutes Vertrauen.

 

Ein Baby ist absolut fixiert auf seine Mutter. Von ihr erhält es nicht nur Nahrung, sondern auch Schutz, Geborgenheit und Zuwendung. All diese Dinge sind lebensnotwendig, nicht nur für Babys.

Auch wir brauchen Nahrung (natürliche und geistliche), wir brauchen Schutz, selbst der stärkste Mann ist nicht unverwundbar. Wir brauchen ein Umfeld, das uns annimmt (Familie, Freunde, Gemeinde…) und wir brauchen jemanden, der uns bedingungslos liebt. Wenn nur eines dieser Dinge fehlt, dann hat unser Leben Defizite. Wir versuchen dann diese Defizite auszufüllen.

 

Es gibt in der Welt viele Dinge, die genau das versprechen: Meine Defizite (die jeder von uns hat) auffüllen.

Das Geld sagt: Wenn du mich hast, dann hast du Freunde, dann wirst du geliebt. Leider stimmt meist genau das Gegenteil: Wenn du kein Geld hast, dann weißt du wer wirklich deine Freunde sind! Auf die „Freunde“, die nur hinter meinem Geld her sind, kann ich gut verzichten.

Die Karriere sagt: Wenn du deine Zeit, dein Engagement (und sogar deine Familie) für mich opferst, dann bist du auf der sicheren Seite. Dann hast du Erfolg und Sicherheit. Doch wir alle wissen, wie schnell so ein Karrieretraum platzen kann. Und selbst wenn ich die Karriereleiter unaufhaltsam nach oben klettere, macht mich das weder glücklicher noch zufriedener, sondern letztendlich zu einem Sklaven, der immer noch mehr leisten muss.

Die Frau eines anderen entzündet in dir vielleicht ein Feuer, von dem du geglaubt hast, dass es schon längst erloschen ist, aber dieses Feuer erweist sich schon sehr bald als zerstörerisch. Das Buch der Sprüche Salomos widmet sich ausführlich diesem Thema:

Spr 5,3-5 Denn die Lippen der fremden Frau sind süß wie Honigseim, und ihre Kehle ist glatter als Öl, 4 hernach aber ist sie bitter wie Wermut und scharf wie ein zweischneidiges Schwert.

5 Ihre Füße laufen zum Tode hinab; ihre Schritte führen ins Totenreich.

 

Nur Gott kann uns das geben, was wir wirklich brauchen um unsere Defizite aufzufüllen. Und deshalb müssen wir uns mit dem Vertrauen, den ein kleines Kind hat, an unseren Papa im Himmel wenden.

 

„Wer ist der Größte im Himmelreich?“, fragt Jesus. Jemand, der mit kindlichem Vertrauen das von Gott, und nur von Gott einfordert, was er braucht. Kinder können sehr vehement sein, in ihren Forderungen. Ein hungriges Baby schreit so lange und so herzzerreißend, bis sein Bedürfnis nach Nahrung, im wahrsten Sinne des Wortes gestillt wird.

Ein Kind sagt ein nicht: Ich bin es ja nicht wert, aber wenn du Mutter willst, dann freue ich mich, wenn ich an deiner Brust trinken darf. Wie gesagt: Ein Kind fordert seine Bedürfnisse ein. Mit Recht! Auch wir sind keine Bittsteller vor Gott, die ihm lästig sind. Er hat uns zu seinen Kindern gemacht. Gott freut sich darüber, wenn wir zu ihm kommen und ihm um die Dinge bitten, die wir zum Leben brauchen. Er freut sich auch darüber, wenn wir ihn um die Dinge bitten, die wir brauchen, um unsere Defizite, von denen ich vorher gesprochen habe, abzubauen. Wenn wir ihn darum bitten unsere Seele, und auch unseren Körper zu heilen.

 

Mt 18,4: Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich.

Dieses „sich selbst erniedrigen“ heißt nicht, schlecht von sich zu denken, im Sinne von: „Ich bin ja nichts wert.“ Sich selbst erniedrigen heißt, sich nicht auf seine eigene Kraft verlassen, sondern sich eingestehen, dass ich Gottes Hilfe, Fürsorge, Trost und Heilung brauche. So von Gott abhängig zu werden wie ein Kind von seinen Eltern abhängig ist.

So wie auch Jesus gesagt hat, dass er nur das tun kann, was er seinen Vater im Himmel tun sieht (Joh 5,19) und uns, seinen Jüngern gesagt hat, dass wir ohne ihn nichts tun können. (Joh 15,5)

 

Mt 15,5: Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.

Jesus identifiziert sich mit den Kindern, den Kleinen, den Schwachen, den Benachteiligten, den Ausgestoßenen, den Unterdrückten…

Man könnte fortführen, mit den Arbeitslosen, mit den Asylwerbern, mit den Alleinerziehenden…

Das sind die Menschen, die Jesus ganz besonders am Herzen liegen.
Er identifiziert sich so stark mit ihnen, dass wir ihm gar nicht unmittelbarer dienen können, als wenn wir den Menschen dienen, die uns nichts zurückgeben können als vielleicht ein Lächeln, oder ein von Herzen kommendes „Dankeschön“.

 

Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf.

 

Gerade die Menschen, die in diesem kindlichen Vertrauen von Gott alles erwarten, haben im Himmel einen Fürsprecher, der sie so, wie eine Löwin ihre Jungen, verteidigt.

 

 

Ich möchte noch einmal zurückkommen zu der Frage, was das für uns als Gemeinde bedeutet, dass Jesus die Kinder im speziellen so wichtig sind und dass sie geistliche Helden in seinen Augen sind:

 

Ich denke, wir können es uns nicht erlauben, ihnen nicht zu dienen, ihnen keinen Platz beispielsweise bei uns im Gottesdienst zu geben.

Ich bin sehr froh über jeden, der im Kinderdienst mitarbeitet, aber wie ihr wisst, können wir derzeit nur jeden zweiten Sonntag einen Kindergottesdienst anbieten.

Deshalb haben wir in der GL beschlossen, dass wir den Kinderdienst erweitern wollen und an den Sonntagen zwischen den KiGos eine Kinderbetreuung anbieten wollen.

 

Wir werden in Rücksprache mit dem KiGo Team eine Box zusammenstellen, in denen Bücher, Spiele und verschiedenste Ideen und Anregungen zu finden sind um spontan eine Kinderbetreuung anbieten zu können.

Wenn jeder von den Gemeindemitgliedern, die noch nicht im Kinderdienst involviert sind, sich an einem, oder zwei Sonntagen im Jahr für diesen Dienst zur Verfügung stellt, dann können wir jeden Sonntag ein Kindergemäßes Programm während der Predigt anbieten.

Die alternative dazu wäre, dass ich jeden zweiten Sonntag primär den Kindern „predige“.

 

Mir ist dieses Thema sehr am Herzen, weil ich glaube, dass wenn wir Kindern dienen und ihnen den Platz in der Gemeinde geben, der ihnen zusteht, wir sehr viel Segen erwarten dürfen.

 

Apropos Segen:

Ich möchte alle Kinderdienst MA jetzt nach vorne bitten, damit wir euch als Gemeinde segnen.