Fritzchen schreibt aus dem Ferienlager:

„Liebe Mami, lieber Papi. Mir geht es hier sehr gut! Was ist eigentlich eine Epidemie?“

 

Die Briefe im NT haben da bessere Nachrichten, obwohl wenn wir sie ernst nehmen, sie uns durchaus herausfordern können.

Wir haben ja mit einer Predigtserie über die „kleinen“ Paulusbriefe begonnen. Letzten Sonntag habe ich über den Epheserbrief gesprochen. Dort erfahren wir das wir eine sehr wichtige Aufgabe in der Welt haben: Nämlich der Welt den Heilsplan Gottes vorzuleben. Ein wesentliches Merkmal dafür ist die Einheit, die sich dadurch ergibt, dass Jesus unsere Mitte ist (Nabe eines Rades) und wir unterschiedliche Speichen des selben Rades sind.

 

Der dritte Brief, den wir uns in dieser Serie ansehen wollen ist der Philipperbrief. In Philippi war die Gemeinde, die Paulus „viel lieb“ gehabt hat. 😊

Das ist aber nicht nur ein Wortspiel, die Beziehung von Paulus zu dieser Gemeinde war etwas Besonderes. Die Gemeinde in Philippi war die Einzige von der er finanzielle Unterstützung annahm.

In allen anderen Gemeinden ging er seiner Arbeit als Zeltmacher nach, um der Gemeinde finanziell nicht zur Last zu fallen. Er wollte sich damit aber auch seine Unabhängigkeit bewahren. Offensichtlich gab es den Spruch „Wer zahlt schafft an“ sinngemäß bereits.

 

Die Gemeinde in Philippi war die erste Gemeinde, die Paulus in Europa gründete. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es außer in Israel nur Gemeinden in Syrien, der Türkei und in Zypern. In Apg 16 wird von der zweiten Missionsreise berichtet und wie der HG Paulus und seine Begleiter dazu drängte nach Mazedonien (Griechenland) zu gehen. Gott hatte offensichtlich ein großes Interesse daran, dass dieser Kontinent für ihn gewonnen wird. Im Haus der Purpurhändlerin Lydia entstand dann die erste Gemeinde auf europäischen Boden.

Jedoch auch in Philippi fand sich Paulus bald im Gefängnis wieder, weil er den Wahrsagegeist einer Sklavin austrieb und so deren Besitzer um ein einträgliches Geschäft brachte.

Dort spielte sich ein „erschütternder“ Gefängnis Lobpreis ab, mit der Folge, dass sich der Gefängniswärter samt Familie bekehrte.

 

Der Philipperbrief ist zunächst einmal ein Dankesbrief für eine weitere Spende, die die Philipper an Paulus schickten, als dieser (wieder) im Gefängnis war.

Paulus bestätigt darin, dass er ihre Spende durch Epaphroditus erhalten hat und er jetzt mehr als genug zum Leben hat. (Phil 4,18)

In diesem Zusammenhang schrieb er übrigens die Worte, die jeder Glaubensheld gerne zitiert; „Ich kann alles, durch den, der mich mächtig macht!“ (Phil 4,13) Dieses „alles können“ bezieht sich bei Paulus allerdings auf die Fähigkeit, sowohl mit Überfluss, als auch mit Mangel umgehen zu können. Und trotzdem fröhlich zu sein.

 

Der Brief ist aber viel mehr als nur ein Dankesschreiben für eine erhaltene Zuwendung. Das Große Thema, das den Philipperbrief durchzieht heißt: „Die Freude am Herrn“, auch wenn der Satz „Die Freude am Herrn ist eure Stärke“ aus dem AT stammt. (Neh 8,10)

 

Das Überthema für diese Predigtserie lautet ja: „Was macht eine Gemeinde lebendig?“ Eine mögliche Antwort darauf lautet in jedem Fall auch: Die Freude am Herrn macht uns lebendig!

 

Aber was heißt das jetzt konkret? Freude braucht ja meist einen konkreten Anlass, über den ich mich freuen kann. Freude breitet sich dann aus, wenn ich etwas Freudiges erlebe, oder wenn ich von etwas Freudigem erfahre und mich dann mitfreuen kann. Freude ist nämlich ansteckender als das Corona Virus. 😊

 

Der Grund unserer Freude ist Jesus selbst, bzw. die „Gute Nachricht“, dass er alles dafür getan hat, dass wir vor Gott gerecht gemacht sind und er uns jetzt als seine Kinder annimmt.

Dieses „Jesus groß machen“, wer er ist, was er für uns getan hat und wie wichtig es ist, ihn wirklich zu kennen (vertraut sein mit ihm), durchzieht den Philipperbrief wie ein roter Faden.

 

Gleich im ersten Kapitel beschreibt Paulus wie wichtig es ist, dass Christus gepredigt wird. Er schreibt, dass es sogar zweitrangig ist, aus welchem Motiv heraus jemand predigt, so lange er/sie es tut.

Phil 1,12-18

Meine lieben Brüder und Schwestern! Ihr sollt wissen, dass meine Gefangenschaft die Ausbreitung der rettenden Botschaft nicht gehindert hat. Im Gegenteil!

Allen meinen Bewachern und auch den übrigen Menschen, mit denen ich es hier zu tun habe, ist inzwischen klar geworden, dass ich nur deswegen eingesperrt bin, weil ich an Christus glaube…

…Zwar verkünden manche nur deswegen die Botschaft von Christus, weil sie neidisch sind und mir eine erfolgreiche Missionsarbeit nicht gönnen; andere aber lassen sich von den besten Absichten leiten…

…Die anderen aber reden von Jesus Christus nur aus Eigennutz. Sie meinen es nicht ehrlich und wollen mir noch zusätzlich Kummer bereiten.

Doch was macht das schon! Wichtig ist allein, dass die rettende Botschaft von Christus verbreitet wird; mag das nun mit Hintergedanken oder in ehrlicher Absicht geschehen. Wenn nur jeder erfährt, wer Jesus Christus ist! Darüber freue ich mich, und ich werde mich auch in Zukunft darüber freuen!

 

Im zweiten Kapitel stellt Paulus Jesus selbst noch einmal zentral in den Mittelpunkt. Der „Christushymnus“ (V6-11) war vielleicht ein Lied, das von den Gemeinden damals gesungen wurde. In Liedtexten wird ja oft ein Thema „verdichtet“ und so eine Wahrheit einprägsam in wenigen Worten auf den Punkt gebracht.

Phil 2,6-11

Obwohl er in jeder Hinsicht Gott gleich war, hielt er nicht selbstsüchtig daran fest, wie Gott zu sein.

Nein, er verzichtete darauf und wurde einem Sklaven gleich: Er wurde wie jeder andere Mensch geboren und war in allem ein Mensch wie wir.

Er erniedrigte sich selbst noch tiefer und war Gott gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum schändlichen Tod am Kreuz.

Darum hat ihn Gott erhöht und ihm den Namen gegeben, der über allen Namen steht.

Vor Jesus müssen einmal alle auf die Knie fallen: alle im Himmel, auf der Erde und im Totenreich.

Und jeder ohne Ausnahme wird zur Ehre Gottes, des Vaters, bekennen: Jesus Christus ist der Herr!

 

Das ganze Evangelium in wenigen Worten. Das was für Paulus daraus folgt, war eben nicht zu sagen: „Hurra, Jesus hat alles für mich getan. Danke dafür und jetzt kann ich so weiterleben wie bisher.“ Das geht nicht mehr! In den Versen davor und danach macht er ganz klar, dass es für einen Nachfolger von diesem Jesus, den er hier vorstellt „normal“ ist, dass er sich von genau diesem Jesus verändern lässt. Und zwar nach seinen Vorstellungen, nicht nach unseren eigenen. Alles andere wäre eine Verhöhnung dessen, was Jesus für uns getan hat. Ein ignorieren seiner Person und seines Werkes.

 

Diese Veränderungsbereitschaft hat aber nichts mit religiöser Leistung zu tun, sondern mit dem, dass ich erkenne, wie groß, wie schön, wie wichtig Jesus für mich ist.

In Kap 3 erklärt Paulus, dass alles andere an Wert verliert, im Vergleich zu dem, was Jesus für ihn ist.

Ähnlich wie bei den Gleichnissen von der kostbaren Perle und vom Schatz im Ackerfeld, das Jesus in Mt 13 erzählt. Auch dort geht es darum, dass jemand etwas so Kostbares findet, dass alles andere im Vergleich dazu wertlos erscheint.

 

Bsp.: Du bekommst ein neues, ganz tolles, und absolut sparsames Auto geschenkt, würde es dir schwerfallen, dein altes, rostiges, Reparatur anfälliges dafür herzugeben?

 

Paulus bezeichnet alles andere als „Dreck“, verglichen mit dem unschätzbaren Gewinn, Jesus Christus, seinen Herrn, zu kennen. (Phil 3,8) Diese Dinge, die Paulus da recht derb als Dreck bezeichnet waren Sachen, auf die er früher durchaus stolz war, wie Ansehen, einen makellosen Stammbaum als Jude, ja sogar ein vorbildliches Leben. Er schreibt über sich: Phil 3,6: Die Regeln des Gesetzes erfüllte ich bis in alle Einzelheiten, so dass niemand mir etwas vorwerfen konnte.

Versteht mich nicht falsch: Ein vorbildliches Leben zu führen ist kein Fehler, aber es ist nicht das, worauf ich Stolz sein soll. Weil es im Vergleich mit dem, was wir in Jesus haben, nichtig ist.

 

Menschen, die sich als Gläubige ausgeben, aber durch ihr Verhalten zeigen, dass Jesus ihr Leben nicht bestimmen darf, sondern sie selber noch am Lenkrad sitzen wollen, bezeichnet Paulus als „Feinde des Kreuzes“. (3,18) Er beschreibt sie als Menschen, die sich durch ihre Begierden, Wünschen und Trieben leiten lassen. „Ihr Gott ist ihr Bauch“, sagt er kurz und bündig über sie.

Es sind Menschen, die ihren Focus auf irdische Dinge gerichtet haben. Auf Vergängliches wie materiellen Besitz, Ansehen, Freizeit, oder auch körperliche Gesundheit. All das sind Sachen, die Gott uns gerne gibt. Aber sie dürfen nicht zum Zentrum unseres Lebens und unsers Denkens werden.

 

Statt dessen soll unser Denken auf den Himmel ausgerichtet sein:

3,20+21: Aber unsere Heimat ist der Himmel, wo Jesus Christus, der Herr, lebt. Und wir warten sehnsüchtig auf ihn, auf die Rückkehr unseres Erlösers.

Er wird unseren schwachen, sterblichen Körper verwandeln, sodass er seinem verherrlichten Körper entspricht. Dies wirkt er durch dieselbe Kraft, mit der er sich überall alles unterwirft.

 

Das ist die Ausrichtung im Herzen eines Nachfolgers Jesu. Es geht einem Jünger Jesu darum, dass er/sie Gott gefällt. Jesus wirklich kennen ist das große Thema im Leben eines lebendigen Christen. Wenn ich ihn wirklich kenne, dann ist es mir ein Bedürfnis so zu leben, wie er es für mich vorgesehen hat. Dann hat Gehorsam nicht den Beigeschmack von „Ich muss was tun, was ich nicht will“, sondern von: „Ja, ich tu das gerne, selbst wenn es mich Überwindung kostet. Aber ich weiß jetzt schon, dass die daraus resultierende Freude, meine „Kosten“ um ein Vielfaches übersteigen wird.“

Das ist die Sichtweise eines Menschen, der Jesus wirklich kennengelernt hat und dabei ist, ihm immer näher zu kommen.

 

Diese Sichtweise sah Paulus bei den Philippern. Er wusste, dass Gott es ist, der den Philippern damals und der auch uns heute dabei hilft, das große Ziel zu erreichen, zu dem sie damals, und wir heute bestimmt sind.

Phil 2,13: Denn Gott bewirkt in euch den Wunsch, ihm zu gehorchen, und er gibt euch auch die Kraft zu tun, was ihm Freude macht.

 

Diese Sichtweise sehe ich auch bei euch und das freut mich wiederum sehr. Dieser Wert ist ein Grundpfeiler unserer Gemeinde.

Wir sind zwar noch nicht am Ziel, aber wir steuern geradewegs drauf zu.

 

In meinem Büro habe ich die Startnummer aufgehängt, die ich bei meinem Marathonlauf vor ca. 10 Jahren getragen habe. Sie erinnert mich daran, dass ich Hindernisse, Durststrecken und sogar den inneren Schweinehund überwinden kann. Dabei ging es weniger um den Lauf an sich, sondern um das Training, das ich regelmäßig und bei jedem Wetter verfolgt habe. Egal, wie die Umstände waren: Ich hatte dieses Ziel und ordnete alles dafür unter.

Paulus schreibt auch in Phil 3,12-16:

Dabei ist mir klar, dass ich dies alles noch lange nicht erreicht habe und ich noch nicht am Ziel bin. Doch ich setze alles daran, es zu ergreifen, weil ich von Jesus Christus ergriffen bin.

Wie gesagt, meine lieben Brüder und Schwestern, ich weiß genau: Noch bin ich nicht am Ziel angekommen. Aber eins steht fest: Ich will vergessen, was hinter mir liegt, und schaue nur noch auf das Ziel vor mir. Mit aller Kraft laufe ich darauf zu, um den Siegespreis zu gewinnen, das Leben in Gottes Herrlichkeit. Denn dazu hat uns Gott durch Jesus Christus berufen.

Wir alle, die wir auf dem Weg zum Ziel sind, wollen uns so verhalten. Wenn ihr in dem einen oder anderen Punkt nicht meiner Meinung seid, wird Gott euch noch Klarheit und Einsicht schenken.

Doch an dem, was ihr schon erreicht habt, wollen wir auf jeden Fall festhalten. Bleibt nicht auf halbem Wege stehen!

 

Ich möchte das Bild von meinem Marathonlauf noch ein wenig weiterverfolgen. Auf den ersten 20km ging es mir blendend. So etwa bei km25 kam „der Mann mit dem Hammer“. Das ist der Zeitpunkt, wenn alle Kohlehydratvorräte im Körper aufgebraucht sind und der Körper auf Fettverbrennung umstellt. Ab km 35 gings dann wieder etwas besser, aber die letzten beiden km waren schlimm. Doch da wurde ich von den Zusehern so stark angefeuert, und auf den letzten Metern von meinen Kollegen gestützt, sodass ich das Ziel erreichte.

 

Diese Zuseher und Kollegen sind für mich ein Bild, für die Aufgabe der Gemeinde.

Wenn jemand nicht mehr kann, dann kommen Geschwister an seine Seite und „tragen“ ihn ins Ziel. Deshalb brauchen wir einander.

 

Mein Lieblingsvers aus dem Philipperbrief ist 1,6:

Ich bin ganz sicher, dass Gott, der sein gutes Werk in euch angefangen hat, damit weitermachen und es vollenden wird bis zu dem Tag, an dem Christus Jesus wiederkommt.

 

Das konnte er den Philippern schreiben, einerseits weil er ihr Herz kannte, aber vor allem, weil er Jesus kannte.

Und deshalb kann ich diesen Vers heute auch euch zusagen:

Ich bin ganz sicher, dass Gott, der sein gutes Werk in euch angefangen hat, damit weitermachen und es vollenden wird bis zu dem Tag, an dem Christus Jesus wiederkommt.

 

Weil das so ist, haben in jeder Lebenslage Grund zur Freude.