Der Direktor hat eine neue Sekretärin.

„Ihre Briefe werden von Tag zu Tag besser“, lobt er sie. „Es dauert bestimmt nicht mehr lange, bis wir einen abschicken können.“

 

Paulus hatte für seine Briefe, die wir im NT haben auch eigene Schreiber, denen er seine Gedanken diktierte. Mit einem davon wollen wir uns heute beschäftigen: Mit dem Kolosserbrief.

 

In der bisherigen Predigtserie über die „kleinen Paulusbriefe“ haben wir gesehen, dass es sehr praktische Briefe waren, die Paulus an recht unterschiedliche Gemeinden schrieb.

 

Die Galater wollten aus eigener Kraft das zu Ende bringen, was Gott unter ihnen angefangen hatte und sie liefen Gefahr, von ihrem lebendigen Glauben ab- und wieder in tote Religiosität zurück zu fallen.

Paulus erinnerte sie- und auch uns daran, dass es im christlichen Glaubensleben nicht um das Einhalten von Regeln und Gesetzen geht, sondern darum Jesus zu kennen. Unser neues Leben in Christus ist nicht geprägt von Anstrengung, sondern von Gehorsam.

 

Den Ephesern führte Paulus vor Augen, welche Bestimmung sie damals und auch wir heute als Gemeinde haben: Der Leib Jesu heute zu sein. Also genau das zu tun, was Gott auf dieser Erde tun möchte. Nämlich echte Einheit vorzuleben. Die Dreieinigkeit ist ein konzentriertes Bild für das, wie sich Gott Beziehungen vorstellt. Ein von Liebe geprägtes den Anderen groß machen wollen.

Eine Entsprechung dieser Dreieinigkeit auf Erden ist übrigens die kleinste Form von Gemeinde: Eine gesunde Familie. Vermutlich ist der Feind Gottes auch deshalb so sehr darauf aus, die Familie als Solches zu zerstören, weil sie die Berufung hat, Gottes Schönheit und Herrlichkeit sichtbar zu machen.

 

Und das Thema des Philipperbriefes ist die „Freude am Herrn“. Der Grund für diese Freude ist Jesus selber. Das was er getan hat, das wer er ist und vor allem, dass wir das große Vorrecht haben, ihn immer besser kennenlernen zu dürfen. Unser Denken und unser Leben werden dadurch verändert, sodass wir uns immer mehr auf ihn ausrichten.

 

All diese Briefe haben wir aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet: Was macht eine Gemeinde lebendig?

Und genau aus diesem Blickwinkel möchte ich mit euch heute gemeinsam auf den Kolosserbrief schauen.

 

Kolossä lag, wie auch Ephesus und die Landschaft Galatien in der heutigen Westtürkei. Es war eine kleine, aber wohlhabende Stadt. Die christliche Gemeinde wurde aber nicht von Paulus selbst gegründet, er selber war vermutlich nie dort. Trotzdem lag ihm diese Gemeinde sehr am Herzen, vermutlich weil Epaphras, eines seiner Mitarbeiter von dort stammte.

 

Paulus schrieb diesen Brief, weil er davon hörte, dass die Gemeinde in Kolossä von zwei Irrlehren bedroht wurde:

Zum einen gab es die Gefahr der Gesetzlichkeit, so wie sie auch die Gemeinden in Galatien betraf. Offensichtlich gab es auch dort einige Judenchristen, die von allen in der Gemeinde verlangten, sich beschneiden zu lassen, sowie die jüdischen Feiertage und Reinheitsvorschriften zu beachten. Also dass die „Neuen“ erst echte Juden werden sollten, um dann echte Christen sein zu können.

Jedoch wie bereits vorhin erwähnt, geht es beim christlichen Glauben nicht darum, Regeln zu befolgen, sondern aus der Beziehung mit Jesus heraus das Leben in Freiheit zu gestalten.

 

Zum anderen gab es in der Gemeinde auch ein paar „supergeistliche“ Typen, die damit prahlten, dass sie Engel gesehen haben und mit asketischen Übungen beeindrucken wollten.

 

Paulus ging gar nicht groß auf diese Irrlehren ein, sondern stellte den Kolossern in erster Linie die Herrlichkeit Christi vor Augen.

Engel sind sicher beeindruckende Wesen, aber in Bezug zu Christus sind sie „nur“ seine Diener.

Visionen von den verschiedenen Himmeln zu haben ist sehr bewegend, aber wenn wir bei diesen Visionen stehen bleiben oder uns gar einbilden, dass wir dadurch geistlicher als andere Christen sind, dann haben wir das Wesentliche am Glauben noch nicht verstanden.

Für uns heute übersetzt kann man analog dazu sagen: Wenn jemand eine besondere Erfahrung mit dem HG macht, dann geht es nicht um die Erfahrung an sich, sondern immer um den, der mir in diesen Erfahrungen begegnet: Den lebendigen Gott.

 

Ja, als Christen bekommen wir Einblick in die unsichtbare Welt, in der es verschiedenste Mächte und Gewalten gibt. Vieles davon ist sehr faszinierend. Aber wenn mich die Faszination um diese Dinge so sehr in den Bann zieht, dass ich darüber Jesus aus den Augen verliere, dann passiert das genaue Gegenteil dessen, wofür uns die geistlichen Augen geöffnet wurden.

Gott warnt uns in der Bibel sehr eindrücklich davor, uns mit den okkulten Mächten einzulassen. Das ist für jeden Gläubigen nachvollziehbar.

Aber auch die himmlischen Heerscharen haben nicht die Aufgabe unsere Aufmerksamkeit auf sich selber zu ziehen, sondern ihr Zweck ist es, Gottes Befehle auszuführen und unsere Blicke auf ihn zu richten.

 

Genauso wie Zeichen und Wunder niemals dazu da sind unsere Sensationslust zu befriedigen, sondern immer die Aufgabe haben Gottes Liebe sichtbar zu machen.

 

Deshalb richtet Paulus den Blick der Kolosser und somit auch unseren Blick in erster Linie auf Christus. Auf seine Schönheit, Herrlichkeit und Allmacht.

Und so schreibt er gleich im ersten Kapitel:

Kol 1,15-20: Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes. Als sein Sohn steht er über der ganzen Schöpfung und war selbst schon längst vor ihr da.

Durch ihn ist alles erschaffen, was im Himmel und auf der Erde ist: Sichtbares und Unsichtbares, Königreiche und Mächte, Herrscher und Gewalten. Ja, alles ist durch ihn geschaffen und vollendet sich schließlich in ihm. Denn Christus war vor allem anderen; und alles hat nur durch ihn Bestand.

Er ist das Haupt der Gemeinde, die sein Leib ist. Er ist der Ursprung allen Lebens und zugleich der Erste, der vom Tod zu einem unvergänglichen Leben auferstand. So sollte er in jeder Hinsicht an erster Stelle stehen.

Denn Gott hat beschlossen, mit seiner ganzen Fülle in ihm zu wohnen und alles im Himmel und auf der Erde durch ihn mit sich zu versöhnen. Ja, Gott hat Frieden gestiftet, als Jesus am Kreuz sein Blut vergoss.

 

Mir geht es so, dass ich diese Worte immer wieder lesen kann und nicht fertig werde mit staunen. Dieser Jesus ist so unfassbar groß, dass wir ihn immer nur in Ausschnitten erkennen, aber jeder dieser Ausschnitte fasziniert mich so sehr, dass ich noch mehr von ihm sehen, erleben und kennenlernen will.

Wenn wir diesen kosmischen Christus vertrauen, wenn wir sagen, dass wir ihm nachfolgen und unser Leben von ihm bestimmen lassen, dann gibt es eigentlich kein Thema, das uns mehr beschäftigen könnte, als er.

Vor allem, wenn wir wissen, dass wenn wir uns mit ihm einlassen, wir immer mehr in sein Ebenbild verwandelt werden.

 

Und so beschreibt auch Paulus den Zustand, wie Gott uns durch Christus sieht: (Kol 1,22) … indem Christus Mensch wurde und am Kreuz starb, hat Gott euch mit sich selbst versöhnt. Jetzt gehören wir zu Gott und stehen befreit von aller Sünde und Schuld vor ihm da.

Wörtlich heißt es, dass wir heilig und tadellos und unsträflich vor ihm stehen.

Die einzige Bedingung dafür, dass das so IST, (nicht vielleicht einmal sein wird!) steht im nächsten Vers: sofern ihr im Glauben gegründet und fest bleibt und euch nicht abbringen lasst von der Hoffnung des Evangeliums.

 

Was bedeutet „fest im Glauben gegründet zu sein“? Man kann auch im Sinne unserer Predigtserie fragen: Was macht mich / Was macht uns als Gemeinde lebendig?

Das führt Paulus im dritten Kapitel ganz praktisch aus: Kol 3,1-5

Wenn ihr nun mit Christus zu einem neuen Leben auferweckt worden seid, dann richtet euch ganz auf Gottes himmlische Welt aus. Seht dahin, wo Christus ist, auf dem Ehrenplatz an Gottes rechter Seite.

Ja, richtet eure Gedanken auf Gottes himmlische Welt und nicht auf das, was diese irdische Welt ausmacht.

Denn für sie seid ihr gestorben, aber Gott hat euch mit Christus zu neuem Leben auferweckt, auch wenn das jetzt noch verborgen ist.

Doch wenn Christus, euer Leben, erscheinen wird, dann wird jeder sehen, dass ihr an seiner Herrlichkeit Anteil habt.

Also trennt euch ganz entschieden von einem Lebensstil, wie er für diese Welt kennzeichnend ist! Trennt euch von sexueller Unmoral und Ausschweifungen, von Leidenschaften und Lastern, aber auch von der Habgier, die den Besitz für das Wichtigste hält und ihn zu ihrem Gott macht!

 

Kennst du den Spruch: „Du bist, was du isst“? Das was ich zu mir nehme prägt mich stärker, als ich mir meist bewusst bin. Das gilt nicht nur für natürliche Speise, das gilt in besonderem Maß für das, womit ich meine Seele und meinen Geist füttere. Vor allem meinen Geist füttere ich durch meine natürlichen, aber vor allem auch durch meine „inneren“ Augen. Das worauf ich mich fokussiere, wo ich genau „hinschaue“. Seht dahin, wo Christus ist, auf dem Ehrenplatz an Gottes rechter Seite.

Ja, richtet eure Gedanken auf Gottes himmlische Welt und nicht auf das, was diese irdische Welt ausmacht.

 

Das erfordert Übung und auch eine gewisse Disziplin. Es hat viel mit meinen Gedanken zu tun. Aber ich brauch dafür keine besonderen Fähigkeiten. Es ist eine Einstellungssache und eine Sache des Willens.

 

Welche praktische Auswirkung das hat, wenn wir uns ganz auf Jesus ausrichten macht Paulus mit einem Bild deutlich. Es ist wie wenn ich ein altes, schmutziges Gewand ausziehe und mich ganz neu einkleide.

 

Kol, 3 8-17: Jetzt ist es Zeit, das alles abzulegen. Lasst euch nicht mehr zum Zorn und zu Wutausbrüchen hinreißen. Schluss mit aller Bosheit! Redet nicht schlecht übereinander und beleidigt niemanden!

Hört auf, euch gegenseitig zu belügen. Ihr habt doch euer altes Leben mit allem, was dazugehörte, wie alte Kleider abgelegt.

 

Jetzt habt ihr neue Kleider an, denn ihr seid neue Menschen geworden. Gott ist beständig in euch am Werk, damit ihr immer mehr seinem Ebenbild entsprecht, nach dem er euch geschaffen hat. So habt ihr Gemeinschaft mit Gott und versteht immer besser, was ihm gefällt.

Dann ist unwichtig, ob einer Grieche oder Jude ist, beschnitten oder unbeschnitten, ob er aus einem anderen Kulturkreis oder aus einem Nomadenvolk stammt, ob er ein Sklave oder Herr ist. Wichtig ist einzig und allein Christus, der in allen lebt.

Ihr seid von Gott auserwählt und seine geliebten Kinder, die zu ihm gehören. Darum soll jetzt herzliches Mitgefühl euer Leben bestimmen, ebenso wie Güte, Bescheidenheit, Nachsicht und Geduld.

Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn jemand euch Unrecht getan hat. Denn auch Christus hat euch vergeben.

Wichtiger als alles andere ist die Liebe. Wenn ihr sie habt, wird euch nichts fehlen. Sie ist das Band, das euch verbindet.

Und der Friede, den Christus schenkt, soll euer ganzes Leben bestimmen. Gott hat euch dazu berufen, in Frieden miteinander zu leben; ihr gehört ja alle zu dem einen Leib von Christus. Dankt Gott dafür!

Lasst die Botschaft von Christus ihren ganzen Reichtum bei euch entfalten. Unterweist und ermahnt euch gegenseitig mit aller Weisheit und dankt Gott von ganzem Herzen mit Psalmen, Lobgesängen und Liedern, die euch Gottes Geist schenkt. Ihr habt doch Gottes Gnade erfahren!

All euer Tun – euer Reden wie euer Handeln – soll zeigen, dass Jesus euer Herr ist. Weil ihr mit ihm verbunden seid, könnt ihr Gott, dem Vater, für alles danken.

 

Was für ein Unterschied! Das was Paulus hier im zweiten Teil beschreibt ist der „Normalzustand“ eines Gläubigen. Auch wenn wir es nicht immer erreichen und wir öfters auf die Nase fallen, als es uns lieb ist.

Aber lass dir die Lüge nicht einreden, dass Gott bei dir diese Veränderung nicht hinbekommt. Er kann es. Diese Verse erinnern inhaltlich sehr stark an die „Frucht des Geistes“ in Gal 5. Eine Frucht entsteht nicht dadurch, dass sich die Pflanze anstrengen muss. Sie wächst ganz von selbst, solange die Pflanze über die Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen versorgt wird.

Oder wie es Jesus sinngemäß ausgedrückt hat (Joh 15,4): Wenn die Rebe am Weinstock bleibt bringt sie Frucht.

 

Das neue Gewand anziehen heißt einfach „nur“ in Jesus verwurzelt zu bleiben. Auf ihn schauen. Buchstäblich alles, was ich brauche, von ihm erwarten.

 

Ein wesentlicher Bestandteil der Beziehungspflege zu Jesus ist das Gebet. Und so schreibt Paulus auch zum Abschluss des Briefes:

Kol 4,2-4 Lasst euch durch nichts vom Gebet abbringen und vergesst dabei nicht, Gott zu danken.

Betet auch für uns, damit Gott uns eine Möglichkeit gibt, sein Geheimnis zu verkünden: die Botschaft von Christus, für die ich hier im Gefängnis sitze.

Und betet, dass ich darüber frei und offen reden kann, wie Gott es mir aufgetragen hat.

 

Deshalb möchte ich zum Abschluss mit uns beten.