Eine ältere Dame sitzt mitten im Bällchenbad im IKEA Kinderland. Auf die Frage was sie hier mache antwortet sie: „Meine Mama hat mich immer noch nicht abgeholt“. ☺

Lukas (3) ist bei IKEA verloren gegangen…

Eine ähnliche Geschichte haben Maria und Josef erlebt, mit dem kleinen Unterschied, dass Jesus bereits 12 war.

Lk 2,41-52 (NL)
41 Jedes Jahr zum Passahfest zogen seine Eltern nach Jerusalem hinauf.
42 Als Jesus zwölf Jahre alt war, nahmen sie auch wieder am Fest teil.
43 Nach den Feierlichkeiten machten sie sich auf den Heimweg nach Nazareth, doch Jesus blieb in Jerusalem zurück. Zuerst vermissten seine Eltern ihn nicht, 44 weil sie annahmen, dass er sich bei Freunden unter den anderen Reisenden befand. Doch als er am Abend immer noch nicht erschien, begannen sie, bei ihren Verwandten und Freunden nach ihm zu fragen.
45 Da sie ihn nirgends finden konnten, kehrten sie nach Jerusalem zurück, um dort nach ihm zu suchen.
46 Nach drei Tagen endlich entdeckten sie ihn. Er saß im Tempel inmitten der Lehrer, hörte ihnen zu und stellte Fragen.
47 Alle, die ihn hörten, staunten über sein Verständnis und seine klugen Antworten.
48 Seine Eltern wussten nicht, was sie davon halten sollten. »Kind!«, sagte seine Mutter zu ihm. »Wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich waren in schrecklicher Sorge. Wir haben dich überall gesucht.«
49 »Warum habt ihr mich gesucht?«, fragte er. »Ihr hättet doch wissen müssen, dass ich im Haus meines Vaters bin.«
50 Doch sie verstanden nicht, was er damit meinte.
51 Daraufhin kehrte er mit ihnen nach Nazareth zurück und war ihnen ein gehorsamer Sohn. Seine Mutter bewahrte all diese Dinge in ihrem Herzen.
52 So wuchs Jesus heran und gewann an Weisheit. Gott liebte ihn, und alle, die ihn kannten, schätzten ihn sehr.

Ich habe letzten Sonntag mit der Predigtserie „Einen Gang durchs Lukasevangelium“ begonnen und wir machen heute da weiter, wo wir letzte Woche aufgehört haben.
Lukas ist der einzige Evangelist von dem wir etwas von der Kindheitszeit Jesu erfahren.
Es gibt auch außerbiblische Legenden und Erzählungen über die Kindheit Jesu, aber in denen wird meist ein sehr verklärtes Bild von Jesus weiter gegeben. Z.B. Jesus formt aus Lehm Spatzen, klatscht in die Hände und diese werden lebendig…

In dieser von Lukas erzählten Geschichte prallen zwei Welten auf einander: Einerseits war Josef der irdische Vater für Jesus. Erziehung, Beruf, Vorbild…
Andererseits kannte Jesus auch seinen Vater im Himmel.

Von Jesus erwarten wir, dass er ein braves Kind war. Wir können uns gar nichts anderes vorstellen, schließlich wird von ihm gesagt, dass er ohne Sünde war. Aber wenn wir versuchen Jesus in dieses „brave Bild“ einzusperren, merken wir hier in dieser Geschichte, dass dieses Bild ihm noch nicht einmal als Kind gerecht wird.
Jesus bereitete seinen Eltern Kummer, das ist unbestritten. So wie er auch später nicht nur „lieb und nett“ zu seinen Mitmenschen war, sondern manchmal schonungslos den Finger in ihre Wunden hielt. Für viele seiner Zeitgenossen wurde er zum Stein des Anstoßes und zum Ärgernis. Dass er den Tod am Kreuz starb war kein Zufall, sondern auch Resultat dessen, dass es ihm absolut nicht darum ging, Menschen zu gefallen, sondern einzig und allein den Willen seines Vaters im Himmel zu tun.

Er ist mehr und er war von beginn an größer, als wir es uns mit unserer menschlichen Vorstellungskraft ausmalen können.
Er war ganz Mensch und gleichzeitig war und ist er ganz Gott.
Diese Spannung haben bereits in den Kindheitstagen Jesu Maria und Josef zu spüren bekommen, aber: „sie verstanden nicht, was er meinte“, wie es hier im Text heißt.

»Ihr hättet doch wissen müssen, dass ich im Haus meines Vaters bin.«
Wörtlich: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ Haben Maria und Josef vergessen, was ihnen der Engel, der beiden vor der Geburt Jesu erschien über dieses Kind gesagt hat? Haben sie all das was bei und nach der Geburt geschah wieder ausgeblendet?

Ich glaube, es ging ihnen ähnlich wie es uns oftmals geht: Auch wir haben viel über Jesus erfahren, auch viel mit ihm erlebt, aber trotzdem sind wir überrascht, wenn er etwas tut, das uns nicht in den Kram passt.
Wie ginge es uns, wenn wir merken, dass er uns eine schwere Prüfung auferlegt, obwohl wir schon so genug mit unserem Leben zu kämpfen haben, oder auch umgekehrt: Wie würdest du reagieren, wenn er dein vielleicht gar nicht mehr so vertrauensvolles Gebet um Heilung erhört und ein schwer kranker Mensch durch dein Gebet plötzlich gesund wird?

Jesus lässt sich nicht einsperren und auch nicht auf eine bestimmte Rolle festlegen: Dass er „nur“ unser Heiland ist, er ist gleichzeitig auch Richter.
Dass er „nur“ unser Freund und Bruder ist, er ist auch mein Herr.
Dass er „nur“ Mensch war, er war und ist Gott. Und das alles nicht einmal so und einmal so, sondern immer beide Seiten gleichzeitig, zu 100%.
Das Lied „Mein Gott ist größer“ müssen wir zu allererst uns selber vorsingen.

Das was Jesus als Mensch so einzigartig machte, war, dass die richtigen Prioritäten in seinem Leben hatte. Nicht bloß als Vorsatz, sondern diese Prioritäten spiegeln sich in allem wieder, was er tat.
Sein Lebensmotto, aus dem sich seine Prioritätenliste ableitete hieß:
„Der Vater im Himmel zuerst!“

Mt 6,33:
Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andere zufallen.

Man sagt: „Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst die niemand kann.“ Das wusste auch Jesus. Aber „Dem Vater im Himmel recht getan…“, diese Haltung zeichnete Jesus, offensichtlich seit seiner Kindheit, aus.
Für ihn war es völlig klar, dass er im Haus seines Vaters sein muss, und er war daher verwundert, dass seine irdischen Eltern das nicht gleich verstanden haben.

Eine große Erkenntnis, selbst für einen Zwölfjährigen, der nach damaliger Tradition gerade dabei war erwachsen zu werden.
(Heute Bar Mitzwa mit 13)

Auch später zeigt sich diese Haltung „Der Vater im Himmel zuerst“ immer wieder im Leben Jesu, gerade auch in der Abgrenzung zu seiner Herkunftsfamilie. Als beispielsweise seine Mutter und seine Brüder versuchten ihn zu sprechen, aber auf Grund der Menschenmenge nicht zu ihm vordringen konnten und ihm ausrichten ließen: „Deine Mutter und deine Brüder wollen mit dir reden, da antwortete er: „Jeder, der Gottes Wort hört und danach lebt ist für mich Mutter und Bruder.“ (Lk 8,19-21)

Jesus musste also im Haus seines Vaters sein. Dieses Haus war zu seiner Zeit der Tempel in Jerusalem. Wir wissen aber, dass dieser Tempel 70 n.Chr. zerstört wurde, aber wir wissen auch, dass das „Haus Gottes“ zuvor eigentlich schon durch einen anderen Tempel abgelöst wurde.

In Joh 2,19-21 kündigt Jesus dieses Ereignis schon an: »Reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufbauen!«
… Mit dem Tempel meinte Jesus aber seinen Leib.

Interessanter Weise wird genau dieser Satz Jesus vorgehalten, als er am Kreuz hing: Mt 27,40
»Du wolltest den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen! Wenn du Gottes Sohn bist, dann befrei dich doch und komm herunter vom Kreuz!«
Was diese Spötter nicht wussten war, dass sich gerade das vor ihren Augen erfüllte und sie es nicht erkannten.

Später spricht Paulus davon, dass wir der Tempel des HG sind, weil Jesus durch den HG in all den Menschen wohnt, die ihn eingelassen haben.
Also auch wir „müssten“ eigentlich immer im Haus des himmlischen Vaters sein. Oder?
Nicht alle, die leiblich im Tempel waren, waren auch mit ihrem Herzen bei Gott und so ist es auch bei uns heute. Wenn du Christ bist und JC in deinem Herzen wohnt, dann ist er bei dir, ob du es fühlst, oder nicht. Aber für dich macht es einen großen Unterschied, ob du mit deinen Gedanken, deinem „Sein“, deinem Herzen bei ihm bist, ob du dich bewusst seiner Gegenwart aussetzt und die Beziehung zu ihm pflegst, oder nicht. Da kommen dann deine Prioritäten ins Spiel. Und das ist der Punkt, den wir aus dieser Geschichte mitnehmen können:
Was sind deine Prioritäten? Versuchst du es möglichst vielen Menschen recht zu machen? Oder versuchst du dich selber immer wieder in den Mittelpunkt zu stellen? Oder sagst du: „Der Vater im Himmel zuerst!“?
Es ist deine Entscheidung. Suchst du den Beifall von Menschen, oder die Zustimmung von Gott?
Die Liebe Gottes kann ich mir sowieso nicht erarbeiten, Gott liebt alle Menschen, egal ob sie ihn auch lieben, ihm gleichgültig gegen über sind, oder ihn sogar hassen. Gottes Liebe ist nicht abhängig von unserem Verhalten. Sehr wohl aber seine Gunst für uns.

Und damit kommen ich zu einem herausfordernden abschließenden Gedanken:
Dieser Bibelabschnitt endet mit einem sehr interessanten Satz:
Lk 2,52 (Elb.): Jesus nahm zu an Weisheit und Alter und Gunst bei Gott und Menschen.
Dass er an Alter zunahm, ist nicht so besonders, das habe ich auch geschafft. ☺ Auch dass die Weisheit mit den Jahren kommt ist nichts Außergewöhnliches. Dass Jesus an Gunst bei den Menschen zulegte überrascht uns auch nicht.
Aber dass er an Gunst bei Gott zunehmen musste ist schon ein interessanter Gedanke. War er nicht seit Anbeginn an, schon vor seiner Geburt in der Gunst des Vaters? Offensichtlich nicht.

Ich hab mich oft gefragt, warum Gott Saul verworfen hat, aber David diese besondere Stellung vor Gott hatte. Saul hat sich, bevor Gott ihn verstoßen hatte, nach menschlichen Maßstäben nicht viel zu Schulden kommen lassen. David dagegen war ein Ehebrecher, Mörder, Kriegstreiber und er hat mehrfach bewusst gegen Gottes Gebot verstoßen. Trotzdem war er in der Gunst Gottes. Warum?
Einmal versündigte sich David gegen Gott indem er eine Volkszählung machte (2. Sam 24), ohne die vorgesehen Abgabe an den Tempel abzuliefern. (2. Mo 30,12) Daraufhin kündigte Gott David eine Strafe an:
2.Sam 24,13-14
Der Prophet kam also zum König, überbrachte ihm die Botschaft und fragte: »Was willst du: dass eine siebenjährige Hungersnot über dein Land kommt, oder dass du für drei Monate vor deinen Feinden fliehen musst, oder dass drei Tage lang die Pest in deinem Land wütet? Überleg es dir gut und sag mir, was für eine Antwort ich dem HERRN bringen soll, der mich geschickt hat!«
14 David sagte zu Gad: »Ich stehe vor einer schrecklichen Wahl! Aber wenn es denn sein muss, dann lieber in die Hand des HERRN fallen, denn er ist voll Erbarmen. In die Hand von Menschen will ich nicht fallen!«

Das ist ein sehr interessanter Einblick in das Herz Davids: Selbst wenn es um Strafe geht, sucht David eher Gott auf, als Menschen.
Als Saul vor einer schwierigen Entscheidung stand, war ihm wichtiger, was seine Soldaten von ihm hielten, als das, was Gott von ihm hielt. (1. Sam 13,8ff) Deshalb hatte David Gunst bei Gott und Saul eben nicht. Es war diese „Ich will Gott gefallen“ Haltung, die den Unterschied ausmachte.

Nicht einmal Jesus hatte einen „Gunst Bonus“, auch er musste erst an Gunst beim Vater gewinnen. Und er gewann sie, indem er die richtigen Prioritäten in seinem Leben hatte.

Wem willst du gefallen? Ist es dir wichtiger, was andere von dir denken, oder willst du in der Gunst Gottes wachsen?
Es ist deine Entscheidung, egal ob du 12 bist, oder 82!
Lass dir von Gott dieses neue lebendige Herz schenken, dass ihn zu allererst sucht. Dein Leben wird dadurch nicht leichter, aber unendlich reicher!