Hallo und herzlich willkommen im neuen Jahr!!!
Schön, euch wieder zu sehen nach all den Feierlichkeiten.

Wie schaut‘s mit euren Vorsätzen aus?         Voll motiviert? Oder habt ihr aus Erfahrung keine mehr? JJJ

Wenn ein neues Jahr beginnt, dann lasse ich das alte gerne Revue passieren, denke darüber nach, was alles geschehen ist, wofür ich dankbar bin, was die Herausforderungen waren usw. und was im neuen Jahr so ansteht. Ich möchte euch daher heute an meinen Gedanken dazu teilhaben lassen und mein Herz mit euch teilen.

Unser Gemeindeschiff kam letztes Jahr gehörig ins Schlingern, weil sich durch Birgits Heimgang Verunsicherung breit machte. Wir wussten plötzlich nicht mehr, ob wir am richtigen Kurs sind und einige begannen, im bildlichen Sinne, an Bord herumzulaufen, anstatt an ihrem Platz ihren Job zu tun. Wir hatten alle Hände voll zu tun, das schaukelnde Schiff wieder zu stabilisieren.
Dabei wurden uns ca. zwei Jahre zuvor das schnellere Tempo und das wildere Wasser vorhergesagt und dass wir keine Angst haben sollen… Naja!

Aber das ist so eine Sache, wenn man nicht weiß, was das wildere Wasser genau ist und wann dieser Abschnitt der Fahrt kommt, nicht wahr?
Beim Raften sucht man das wilde Gewässer wegen dem Kick, dem Spaß, der Herausforderung. Man geht bewusst an solche Stellen und ist entsprechend vorbereitet und ausgerüstet.
Wenn es aber so daher kommt, dann ist es ganz etwas anderes!

Doch diese Zeit hat etwas mit uns gemacht! Sie hat uns gezeigt, wo wir stehen – jedem einzelnen. So wie den Jüngern im Boot mit Jesus während des Sturmes. Und dafür danke ich unserem Vater im Himmel aus ganzem Herzen! Denn wie wir auf die Einschnitte in unserem Leben reagieren, prägt uns und nicht das, was uns passiert. Das ist so wichtig, dass ich es noch einmal sage: Denn wie wir auf die Einschnitte in unserem Leben reagieren, prägt uns und nicht das, was uns passiert.

Wie hast du also darauf reagiert? Dich geduckt und gewartet, bis es vorüber ist? Jemand Schuldigen gesucht, der die Verantwortung zu tragen hat, bzw. etwas falsch gemacht hat? Gewartet und ausgeharrt? Geweint, geschrien, mit Gott gehadert? Gottes Nähe gesucht und dich von ihm trösten lassen? Davongelaufen? In Selbstmitleid gebadet? Dich mit anderen ausgetauscht? Gebetet für dich, für andere? Getröstet, dagewesen?

Was auch immer – all das steckt in uns, oder? Je nachdem, welcher Typ wir sind, so reagieren wir. Es sind Überlebensstrategien, die oft nichts mit Gott und Glauben zu tun haben, die aber bis zu diesem Zeitpunkt recht gut funktioniert haben. Es wird in Ausnahmesituationen offenbar, was in unserem Herz ist. Es zeigt sich, wo wir schon fest auf dem Felsen gegründet stehen, und welche Bereiche in unserem Leben da noch nicht geheiligt sind – wo wir es selber versuchen mit unseren Strategien. Und der Herr möchte gerne, dass wir uns genau da verändern lassen und uns KEIN religiöses Mäntelchen umhängen und über den Dingen stehen. Alles kommt ans Licht! Da sind wir im Leitungsteam keine Ausnahmen.

Bei mir war es vor Weihnachten soweit. Wir hätten Hauskreis haben sollen und keiner kam. Vorher teilte uns Heidi den Stand der Dinge mit. OP-Termin, Bitte um Gebet. Sie wissen nicht, welcher Tumor es ist, usw. Peter und ich beschlossen, trotzdem einen Zweier-HK zu machen.
Wir begannen zu singen und in mir sträubte sich alles dagegen. Und plötzlich machte sich so ein Frust auf Gott breit und Luft – ich konnte mir nicht helfen! Ich schimpfte und war voller Wut und Enttäuschung, kam mir von ihm so dermaßen verarscht vor, dass ich es fast nicht sagen kann. Ich sagte so ungefähr: „Du sagst in der Bibel, wir sollen für Kranke beten und ihnen die Hände auflegen, du sagst, wir sollen rausgehen, das Evangelium verkünden, für Kranke beten, Dämonen austreiben, sozusagen ein Stück Himmel auf die Erde bringen. Und was passiert? Nix! Wir waren bei der Heidi und haben vollmächtig gebetet und jetzt muss sie operieren gehen!!!“

All das und noch mehr… Ich fühlte mich so alleine, so hilflos, so ausgeliefert. Dann hab ich Wut auf den Peter bekommen, der nur dasitzt und nichts macht und sagt.
Er müsste sich jetzt doch vollmächtig dazwischen stellen und mich geistlich beschützen!

Er sagte aber nur: „Für mich hört sich das eher nach Depression und Burnout an.“ Mehr hab ich nicht gebraucht…

Am nächsten Tag erzähle ich es meiner Freundin Mathilde in der Sauna und sie sagt zu mir ein Wort: „TRAUER. Alles von Birgit kommt noch einmal hoch, ausgelöst durch Heidis Umstände.“ Und plötzlich war es für mich total klar. Das gehört zum Trauerprozess dazu – bei anderen weiß ich das ja auch…

So ist es mit uns Menschen. Wir gehen durch Prozesse und schwierige Zeiten und unser Gott ist MIT UNS auf dem Weg, er ist an unserer Seite, und wenn wir es zulassen, dann verändern uns diese Zumutungen.

Paulus schreibt dazu in Röm. 5, 3 – 5:

Luther:

Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung. Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Neue evangelistische Übersetzung

Aber nicht nur das: Wir sind auch stolz auf die Bedrückungen, denen wir ausgesetzt sind, denn wir wissen, dass wir durch Leiden Geduld lernen; und wer Geduld gelernt hat, ist bewährt, und das wiederum festigt die Hoffnung. Und in dieser Hoffnung werden wir nicht enttäuscht, denn Gott hat uns mit dem Heiligen Geist, den er uns geschenkt hat, auch seine Liebe ins Herz ausgegossen. 

Neues Leben Bibel

Wir freuen uns auch dann, wenn uns Sorgen und Probleme bedrängen, denn wir wissen, dass wir dadurch lernen, geduldig zu werden. Geduld aber macht uns innerlich stark, und das wiederum macht uns zuversichtlich in der Hoffnung auf die Erlösung. Und in dieser Hoffnung werden wir nicht enttäuscht werden. Denn wir wissen, wie sehr Gott uns liebt, weil er uns den Heiligen Geist geschenkt hat, der unsere Herzen mit seiner Liebe erfüllt.

AHA! Paulus schreibt einen Vers vorher, dass sie voller Freude der Herrlichkeit Gottes entgegensehen, aber sich auch dann freuen, wenn…

Herrlichkeit Gottes klingt viel besser als Bedrängnis ehrlich gesagt. Herrlichkeit klingt nach Vollkommenheit, Würde, Glanz, Fülle, Himmel, Ziel…

Tschuldigung, aber wer von euch hat sich gefreut, als es dick kam letztes Jahr?
All jenen gratuliere ich zu ihrer Reife. Ich hab mich nicht gefreut, denn es war UNANGENEHM! Ich mag in Wirklichkeit Auseinandersetzungen gar nicht– denn ich bin von meinem Typ her eine Ermutigerin.

Aber hier und heute kann ich sagen – ja, er findet statt, dieser Prozess des Geduld Lernens, innerlich stark Werdens und neue Hoffnung Bekommens. Immer mehr von uns wagen es, ihr Innerstes dem Herrn zu öffnen, ihm zu zeigen, was wirklich drinnen ist. Immer mehr von uns strecken ihre eigenen Waffen und lassen sich ein auf das, was Jesus will. Immer mehr von uns wollen IHN selbst. Immer mehr von uns kommen drauf, dass es mit dem eigenen Vermögen nur bis zu einem gewissen Punkt geht. Manche kommen recht weit mit dem eigenen Vermögen und ihrer Kraft und Zähigkeit, der eigenen Rechtschaffenheit, dem eigenen Optimismus, ihrem Fleiß. Aber irgendwann kommt er, dieser Punkt. Und darauf wartet unser Vater im Himmel und lässt diese Bedrängnisse zu, damit wir erkennen, wie es um uns steht und wer tatsächlich auf dem Thron unseres Herzens sitzt. Er wartet darauf, dass wir uns ihm wirklich zuwenden.

Neulich hab ich in einem Vortrag gehört, dass wir erkennen müssen, dass wir herrliche Nullen sind. Je dicker die Null, desto mehr Platz hat Jesus darin.

Und DANN beginnt die Transformation, denn es heißt in 2. Kor. 3, 16 – 18:
Doch wenn sich jemand dem Herrn zuwendet, wird der Schleier weggenommen.
Der Herr aber ist der Geist, und wo immer der Geist des Herrn ist, ist Freiheit.
Von allen wurde der Schleier weggenommen, sodass wir die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel sehen können. Und der Geist des Herrn wirkt in uns, sodass wir ihm immer ähnlicher werden und immer stärker seine Herrlichkeit widerspiegeln.

Ich stelle mir das jetzt so vor: Ich hab einen Schleier auf dem Kopf, der hängt vor meinen Augen, vielleicht ist es aber auch ein Ganzkörperschleier. Ich wende mich Gott zu und sage: „Ich seh so schlecht!“ Er nimmt mir den Schleier runter und plötzlich fühle ich mich dadurch nicht mehr eingeschränkt in der Bewegung, in der Sicht – DAS  IST  FREIHEIT!
Zwei Sachen passieren dann laut Paulus: Ich selber kann SEINE (Gottes) Herrlichkeit in den Anderen wie in einem Spiegel sehen und ich selbst spiegle sie auch und die anderen können das an mir sehen. Das geht aber nur, wenn mir der Herr selber vorher meine Sichtbehinderung abnimmt.

Was kann ich also tun in Bedrängnissen, Konflikten und anstrengenden Zeiten?

Hilft dann, überspitzt gesagt, braves und angepasstes Verhalten? Dass ich gut gekleidet im Godi sitze? Dass ich noch nie gestohlen habe? Dass ich schön laut beten kann? Usw.

NEIN! Es hilft nur, dass ich mich dem dreieinigen Gott zuwende und er mir den Schleier wegnimmt.
Wie geht das? Das passiert in der Regel durch den Dienst von Geschwistern aus der Gemeinde an mir: Gebet, Fürbitte, Innere Heilung und Befreiung in unserem Sozo-Dienst, Prophetischer Dienst, Lehre und gegenseitige Fürsorge. So wie Jesus gedient hat, dient nun die Gemeinde als Leib Christi mir und anderen Menschen. Deshalb ist es so wichtig, wirkliche Gemeinschaft untereinander zu haben und nicht alleine irgendwie zu versuchen, zurecht zu kommen.

Das Ergebnis ist wunderbar: Wir werden Jesus immer ähnlicher und spiegeln seine Herrlichkeit wider. (Das ist dann einmal ein eigenes Predigtthema, was Herrlichkeit alles bedeutet.)

Also geht es anscheinend doch jetzt schon, das mit der Herrlichkeit – nicht erst wenn alles fertig und vollendet ist. Quasi erst im Himmel.

Und wie fängt ’s an? Mit Bedrängnis, mit starken Zeiten, mit unangenehmen Dingen!
Und wenn ich das so betrachte, dann kann ich mich doch tatsächlich freuen, wenn Bedrängnisse kommen, denn das bedeutet ja, dass daraus Herrlichkeit entsteht, wenn ich mich auf den Prozess einlasse.
Das bedeutet, dass die Bedrängnisse des letzten Jahres uns tatsächlich weitergebracht haben auf unserem Weg in die Jesusähnlichkeit!
Wir haben uns in unserer Not Gott zugewandt. Er nimmt den Schleier vor unseren Augen weg. Wir lernen Geduld miteinander, mit uns selbst, mit Gott zu haben und in Situationen geduldig zu sein. Wir werden innerlich stark und bewähren uns im Glauben und Vertrauen auf Gott. Daraus entsteht Hoffnung. Die Hoffnung gibt uns Kraft und hält uns am Leben. Gott gießt seinen Geist in unser Herz und mit diesem seine Liebe, die dann nach außen wirksam wird. So wird Gottes Herrlichkeit an uns, an UNS, sichtbar!

Wir stecken noch in diesem Prozess, denn unser Gebet in der GL ist, dass alles ans Licht kommt, was noch nicht passt. In der Bibel heißt es dazu in Josua 3, 5:

„Heiligt euch, denn morgen wird der Herr Wunder unter euch tun!“

Und das wollen wir: Wir wollen bereit sein für Gottes Wirken unter uns und erlauben ihm, alles zu tun, was nötig ist, damit er wirken kann. Darum fürchtet euch nicht, sondern freut euch, denn er hat viel mit uns vor.

Für mich macht Gemeinde sonst keinen Sinn, wisst ihr. Einfach so eine brave Gruppe zu sein, die sich jeden Sonntag trifft und rechtschaffen ist, das steht so nicht in der Bibel und das ist nicht unsere Vision für diese Menschen hier.

Unser Gemeindemotto ist ja:

Wir wollen, dass suchende Menschen aus unserer Region durch das Erleben gesunder Beziehungen Vertrauen zu Gott fassen und seine Freunde werden.

Das erleben wir jetzt: Gott reinigt unsere Beziehungen untereinander und auch zu ihm selbst, denn er mag keine Heuchelei. Aber wenn wir gelernt haben, wie das geht, in gesunden Beziehungen zu leben, ist das total anziehend!

Wenn es für dich in irgendeiner Form gerade eng ist oder wird, dann wende dich Gott und seiner Gemeinde zu! Bete, vertraue dich jemanden an, lass dich begleiten, werde transparent. Dann kommen Geduld, Hoffnung, Stärke, Freiheit und Herrlichkeit und vor allem auch Vertrautheit untereinander.

Wir wollen uns jetzt ein paar Minuten Zeit nehmen, um Jesus zu fragen, was wir ihm gleich jetzt bringen sollen. Schreib es auf und lege den Zettel zum Kreuz.

Abendmahl?!

Das Thema meiner Deutsch Matura vor vielen Jahren war ein Zitat aus einem Stück von Bert Brecht und lautete folgendermaßen:

Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: „Sie haben sich gar nicht verändert.“ „Oh!“, sagte Herr K. und erbleichte.

Das wollen wir gar nicht!

In diesem Sinne ein total gesegnetes, fröhliches und bewahrtes neues Jahr!