Der Personalchef interessiert sich besonders für den Familienstand.

„Ich bin Junggeselle,“ antwortet der Bewerber.

„Dann ist leider nichts zu machen,“ meint der Personalchef, „denn wir stellen nur Leute ein, die es gewohnt sind, sich unterzuordnen!“

 

Somit sind wir schon mitten drin im Thema: Ich habe vor ein paar Wochen mit einer Themenreihe über Autorität begonnen. Wir haben schon gehört, dass Autorität von Gott eingesetzt ist, weil das Fehlen von Autorität Chaos und Anarchie zur Folge hätte. Und dass Gott uns, seinen Kindern eine ganz besondere Autorität verliehen hat, die wir dazu einsetzen sollen, unsere Welt nach Gottes Plänen zu gestalten.

Autorität im Reich Gottes auszuüben bedeutet aber so ziemlich genau das Gegenteil von dem, was wir als autoritärem Führungsstil kennen.

 

Und doch hat Autorität auch etwas mit Unterordnung zu tun. Gerne pochen wir darauf, dass sich andere uns unterordnen müssen, vor allem, wenn wir uns im Recht wähnen, oder das Gefühl haben, in einer Position der Stärke zu sein. Wie auch immer diese Position aussieht.

 

Sabine und ich haben einmal bei einer Hochzeit über das Thema Unterordnung gepredigt. Das Feedback darauf war nicht ganz so positiv wie bei unseren anderen Hochzeitspredigten.

Es widerstrebt uns Menschen zutiefst, wenn andere über uns bestimmen wollen. Vermutlich haben deshalb Politiker, Polizisten und Chefs so geringe Beliebtheitswerte bei vielen Menschen. Auf ganz vielen Stammtischen wird über genau diese Personengruppen geschimpft, die Autorität über uns haben.

Wir lieben unsere Freiheit und hassen es, wenn andere uns etwas anschaffen, auch wenn es vielleicht um einer größeren Sachen Willen Sinn macht.

 

Konkretes Beispiel: Es formiert sich immer größer werdender Widerstand gegen die Corona Bestimmungen der Bundesregierung. Ich will jetzt gar nicht auf die Sinnhaftigkeit einzelner Maßnahmen eingehen, aber empfindet ihr es nicht auch so, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung, die beschlossenen Maßnahmen mitzutragen, kontinuierlich abnimmt?

 

Woher kommt diese steigende Unzufriedenheit?

 

Es hat etwas mit unserem Herzen zu tun. In Jer 6,28 kommt Gott zum folgenden Urteil über sein Volk: Dieses Volk ist hart wie Bronze und Eisen. Alle sind sie Rebellen, Verleumder und Verbrecher!

Ich fürchte, dass diese Einschätzung nicht nur für die Juden zutrifft, sondern für alle Menschen. Am liebsten wäre es uns, wenn uns niemand auch nur irgendeine Vorschrift machen- oder eine Forderung an uns stellen würde. Stimmts?

 

Nicht so unser Herr und Meister: Jesus. Wie wir kürzlich erst in Phil 2 gelesen haben, verließ er freiwillig seine göttliche Stellung und wurde rechtlos wie ein Sklave. Aus Liebe zu uns, gab er all seine Privilegien als Sohn Gottes auf um sich unterzuordnen.

 

Wir wissen wenig über die Kindheit Jesu, aber was wir wissen, ist dass er sich nicht nur unter seinen himmlischen Vater, sondern auch seinen irdischen Eltern unterordnete: Lk 2,51 Jesus kehrte mit seinen Eltern nach Nazaret zurück und gehorchte ihnen willig.

 

Wie ihr wisst, haben wir einen Gott der Ordnung. Genau genommen heißt es in 1. Kor 14,33 Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.

Ein interessantes Gegensatzpaar: Unordnung und Friede. Uns ist ja der Shalom, der tiefe Friede Gottes verheißen. Auch darüber habe ich vor kurzem erst gepredigt. Wir können also in diesem Zusammenhang festhalten, dass der Weg zum Shalom Gottes über die göttliche Ordnung führt.

 

Unser deutsches Wort Ordnung leitet sich vom lateinischen „ordinare“ (in eine Reihe pflanzen/stellen) ab. Ordnung ist also niemals etwas Willkürliches, sondern wird von außen vorgegeben.

Gott selber gibt für unser Leben einen Ordnungsrahmen vor. Er ist zwar sicher kein penibler Erbsenzähler, kein Pedant und auch kein Ordnungsfanatiker, der die Krise kriegt, weil ein Bild schief an der Wand hängt, aber wenn wir uns beispielsweise nur die Schöpfung etwas genauer ansehen, dann entdecken wir, dass alles in einer wunderbaren Ordnung zueinander steht und es deshalb auch dieses Gleichgewicht in der Natur gibt. Ein Gleichgewicht, dass, wie wir ja wissen, empfindlich gestört wurde. Und zwar von… den Anderen! 😊

 

Wenn wir aber andererseits in den Ordnungen Gottes leben, dann führt das eigentlich ganz automatisch dazu, dass sich auch der Friede Gottes bei uns ausbreitet.

 

Es gibt also diese Ordnungen Gottes in der Welt aber gleichzeitig gibt es auch eine Weltordnung, die in vielen Bereichen ganz anders aussieht als die göttliche Ordnung.

 

Alleine, wenn wir uns die Wirtschaftssysteme dieser beiden Bereiche ansehen, erkennen wir riesige Unterschiede.

In der Welt geht es darum Profit zu machen und im Vergleich zu anderen besser da zu stehen. Dieses System basiert auf der Ausbeutung unseres Planten, einschließlich der Ausbeutung von Menschen, mit dem Ziel, dass ein paar wenige sehr viel, bis fast alles besitzen und so noch mehr Macht zu haben. (Teufelskreis)

Diese „Ordnung“ geht vom Irrglauben an ein unbegrenztes Wachstum aus. In regelmäßigen Abständen bricht dieses System zusammen. Früher waren es hauptsächlich Kriege, die zum Zusammenbruch führten, heute sind es primär unterschiedliche Krisen, die dazu führen, dass viele wieder bei Null anfangen müssen. Egal, ob diese Krisen durch Finanzblasen, Umweltzerstörung, oder aktuell durch eine Pandemie ausgelöst werden: Zu einer wirklichen Änderung unseres Systems hat es noch nicht geführt.

 

Gottes Wirtschaftsmodell ist eine „Ökonomie des Genug.“ Eine Ordnung, in der es genauso Leistung, Wachstum und Erfolge gibt, in der aber auch Erholung und Ruhezeiten eingebaut sind. Und in der es in regelmäßigen Abständen eine Entschuldung gibt. (Jubeljahr) Es bedarf keiner Kriege, oder Krisen, damit jeder wieder eine neue Chance bekommt.

In Gottes Wirtschaftsordnung wird die Welt nicht ausgebeutet, sondern in einem harmonischen Miteinander trägt diese Ordnung zum Leben in Fülle für alle bei. Bei Gottes Sichtweise steht immer das größere Ganze im Focus, nicht nur der Erfolg des Einzelnen.

Die „Starken“ bereichern sich nicht auf Kosten der Schwachen, sondern helfen diesen weiter, damit möglichst alle in Gottes Frieden leben können.

 

In der weltlichen Ordnung herrscht das Recht des Stärkeren. Der Schwächere muss sich unterordnen. Wenn er das nicht freiwillig tut, wird er mit Gewalt dazu gezwungen.

 

In Gottes Ordnung gibt es sehr wohl auch die Unterordnung. Aber sie basiert nicht auf dem Recht des Stärkeren, sondern auf Grund der Liebe!

 

In der Bibel finden wir zwei ganz konkrete praktische Beispiele, wie sich Gottes Reich der Ordnung und Unterordnung gestaltet:

 

  1. Familie

Eph 5, 21-26

Ordnet euch einander unter; tut es aus Ehrfurcht vor Christus.

22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, so wie ihr euch dem Herrn unterordnet.

23 Denn wie Christus als Haupt für seine Gemeinde verantwortlich ist, die er erlöst und zu seinem Leib gemacht hat, so ist auch der Mann für seine Frau verantwortlich.

24 Und wie sich die Gemeinde Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen in allem ihren Männern unterordnen.

25 Ihr Männer, liebt eure Frauen so, wie Christus seine Gemeinde liebt: Er hat sein Leben für sie gegeben, 26 damit sie ihm ganz gehört.

 

Im nächsten Kapitel geht es dann weiter, dass sich die Kinder unter die Eltern unterordnen- und ihnen gehorchen sollen. Auch da wieder, nicht als Gesetz, sondern weil damit eine Verheißung verbunden ist: »damit es dir gut geht und du lange auf dieser Erde lebst.« 4.Gebot (5. Mo 5,16)

 

Wenn ich mich Gottes Willen unterordne, heißt das ja, dass ich mich unter die Ordnungen Gottes begebe. Das ist ein aktiver Schritt von mir. Er kann dann dafür sorgen, dass alles in meinem Leben buchstäblich in Ordnung kommt.

 

Diese Verse aus Eph 5 sind keinesfalls eine Legitimation dafür, dass wir Männer unsere (oder andere) Frauen unterdrücken dürfen. Ganz im Gegenteil. Der Abschnitt beginnt ja mit den Worten, dass wir uns einander unterordnen sollen.

Wenn sich meine Frau mir unterordnet, sagt sie damit aus, dass sie sich meiner Führung anvertraut. Damit verbunden ist eine große Verantwortung für uns Männer: Unsere Familie so zu führen, dass alle Familienmitglieder nicht nur sicher und geborgen sind, sondern dass sie im umfassendsten Sinn des Wortes zu Leben kommen. Zum Leben in der Fülle Gottes.

Paulus schreibt, dass wir unsere Frauen so lieben sollen, wie Christus die Gemeinde geliebt hat. Eine Aufgabe, die mich hoffnungslos überfordern würde, wenn ich sie aus eigener Kraft bewältigen müsste. Gott sei dank hilft uns der HG bei dieser großen und ehrenvollen Aufgabe. Ohne ihn wäre ich auf ziemlich verlorenen Posten.

 

Das Gleiche gilt auch für das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. Kinder brauchen Führung und sie brauchen Grenzen. Die Eltern sind die erste und wichtigste Quelle dafür. Ein Kind als Partner zu betrachten und ihm alle Entscheidungen aufzubürden ist eine lieblose Überforderung für jedes Kind. Es muss erst in den ersten 15-20 Jahren lernen die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Aber wenn ein 6-jähriger selbst entscheiden soll, wann er ins Bett muss, nur weil ich als Elternteil zu faul, zu feige, zu humanistisch oder zu ängstlich bin, um ihm die Grenzen in Liebe aufzuzeigen, dann tue ich ihm nichts Gutes damit.

Wenn ich von ihm aber konsequent einfordere, dass er beispielsweise um 7h im Bett sein muss, dann gebe ich ihm einen Ordnungsrahmen vor, der ihm hilft, sich im Leben zurecht zu finden.

 

Ähnliches wie für die Familie, gilt auch für die Gemeinde

  1. Gemeinde

 

Auch die Gemeinde ist ein NT Bild für die Ordnungen Gottes, in der die Unterordnung eine wichtige Rolle spielt.

Heb 13,17:

Hört auf die Leiter eurer Gemeinden und ordnet euch ihnen unter. Sie müssen einmal Rechenschaft über euch ablegen, denn sie sind für euch verantwortlich. Macht ihnen das nicht zu schwer; sie sollen doch ihre Aufgabe mit Freude tun und sie nicht als eine bedrückende Last empfinden. Dies würde euch nur selbst schaden.

 

Auch hier wieder das gleiche Prinzip.

So wie die Regierung von Gott eingesetzt ist, um in einem Land für Ordnung, Stabilität, Recht und Sicherheit zu sorgen, so sind auch die Leiter einer Gemeinde nicht dazu da euch das Leben schwer zu machen, sondern um die Gemeinde aufzubauen und sie Stück für Stück so zu formen, wie es unser Herr Jesus haben möchte. Dass Pastoren, GL Mitglieder und andere Leiter auch nur Menschen sind und Fehler machen ist eine Sache, aber eine andere ist, dass sie von Gott damit betraut sind, andere Menschen zu führen.

Wenn die Gemeindemitglieder ihnen nicht „folgen“, dann ist es ähnlich, wie wenn ein Kind nicht folgt: Es wird für beide Seiten mühsam.

 

Gute geistliche Leiter haben so wie gute Eltern aber das größere Ganze im Blick und lassen sich von momentanen Wünschen, Befindlichkeiten, oder auch Aufständen nicht von ihrem Weg abbringen.

 

Und auch hier gilt, dass du dir selber einen Gefallen tust, wenn du dich deinem Leiter oder deiner Leiterin unterordnest.

Unterordnung bedeutet ja nicht, dass du keine eigene Meinung mehr haben darfst und dass du jede Entscheidung des Leiters unreflektiert mittragen musst. Ganz im Gegenteil.

Ein guter geistlicher Leiter wird froh sein, über Anregungen, Korrektur oder Verbesserungsvorschläge. Wie gesagt: Leiter sind auch nur Menschen.

Was aber zerstörerisch für eine Gemeinde ist, ist nicht nur offene Rebellion, es ist auch eine Haltung von „Ich mache mein eigenes Ding, egal was die Leitung sagt“, oder „Ich lass mir von denen da nichts sagen. Schließlich habe ich auch den HG“.

 

Ja, jeder Gläubige hat den HG und es ist unsere Aufgabe und unser Ziel als GL, dass jedes Gemeindemitglied geistlich erwachsen wird. Geistlich erwachsen werden bedeutet für mich, die Stimme Gottes zu hören, richtig zu verstehen und vor allem zu befolgen.

Aber das bedeutet trotzdem nicht, dass jeder ganz einfach das macht, was er/sie glaubt von Gott gehört zu haben. Sonst würden wir ja einander nicht mehr brauchen.

Gott hat uns als seine Gemeinde zusammenstellt. Wir sind (s)ein Leib. Das ist eine geistliche Realität. Das bedeutet, wir gehören zusammen. Wenn es Spaß macht, aber auch, wenn einzelne Glieder sich reiben. Diese Reibungen können zerstörerisch sein, sie haben aber auch das Potential zu großem Wachstum.

 

Es ist nicht unsere eigene Erfindung als GL, dass wir Verantwortung für euch tragen und ihr euch unter unsere Leitung unterordnen sollt. Das hat Gott selber so bestimmt.

Ich kann euch aber versprechen, dass wir unser Möglichstes tun, euch keine Lasten aufzuerlegen, die euch schaden werden. Sondern wir tragen dafür Sorge, dass die Lasten, die wir auf eure Schultern legen dazu dienen, dass ihr im Glauben stark, reif und mündig werdet

 

Beide Modelle, sowohl die Familie, als auch die Gemeinde dienen der Welt als Modell für das Reich Gottes. Ein Reich, in dem Gottes Shalom sich mehr und mehr ausbreitet, weil Gottes Ordnungen gelebt werden, weil wir uns gegenseitig unterordnen.

Jeder von uns kann einen Beitrag dazu leisten, dass diese Modelle positiv wahrgenommen- und dadurch attraktiv werden. Und auf diese Weise breitet sich das Reich Gottes aus.

In St. Martin, im Mühlviertel, in Österreich, in Judäa, Samaria und bis ans Ende der Welt.