In der Kaserne war bereits Zapfenstreich. Aber auf Stube 155 ist noch Lärm.

Wütend kommt der Spieß in die Stube. „Wenn ‚Gute Nacht‘ gesagt worden ist, dann bedeutet das ‚Schnauze halten‘! Kapiert?“

„Jawohl“, antworten die Rekruten, „und ‚Gute Nacht‘!“

 

Einige von uns Männern hatten das „Vergnügen“ beim Bundesheer zu dienen. Nicht nur das Österreichische Bundesheer, alle Armeen auf dieser Welt funktionieren auf ziemlich die gleiche Weise: Entscheidend ist nicht was du im Kopf hast, sondern auf der Schulter. Es gibt eine sehr klar gegliederte Hierarchie, vom einfachen Rekruten über die Chargen, Unteroffiziere, Offiziere bis zum General. Darüber stehen nur noch der Verteidigungsminister und der Bundespräsident. Der Ranghöhere hat das Kommando. Dessen Befehle müssen befolgt werden, auch wenn sie noch so unsinnig sind.

 

Diese Militärische Ordnung gibt es nicht erst seit den Weltkriegen, bereits die Römer hatten ein bestens organisiertes Heer. Dieses war die Voraussetzung für die Schaffung des damaligen Weltreiches.

 

Hinter dieser Ordnung steht der Staat als Autorität. Aufgrund dieser Autorität funktioniert die Befehlskette.

Nicht nur beim Militär, oder beim Staat ganz allgemein gibt es Autorität und eine daraus resultierende Ordnung, auch im Reich Gottes gibt es das. Die Bibel sagt sogar, dass die weltliche Ordnungsmacht von Gott eingesetzt ist um beispielsweise in einem Staat für Recht und Ordnung zu sorgen.

 

Nun funktioniert aber das Reich Gottes oftmals genau gegenteilig, wie eben in der Welt. Und es gibt auch einen riesigen Unterschied, zwischen der Art und Weise, wie Macht und Autorität in der Welt und im Reich Gottes eingesetzt werden. Aber Macht und Autorität gibt es hier wie dort.

Autorität an sich ist ja auch nicht schlecht, ganz im Gegenteil. Das fehlen von Autorität führt zum Chaos und zur Anarchie. Aber Gott, ist ein Gott der Ordnung.

 

Im Buch Richter im AT kommt ein Satz immer wieder einmal vor, der bezeichnend ist für dieses Kapitel in der Geschichte Israels:

 

Ri 21,25 Es gab zu jener Zeit noch keinen König in Israel und jeder tat, was er wollte.

 

Auch wenn es in dieser Zeit dazwischen immer wieder einzelne Richter gab, die das Volk auf den rechten Weg zurückbrachten, eine nachhaltige Erfolgsstory ist das Buch Richter nicht.

 

Als Salomon Gott begegnete und er ihm die Erfüllung eines Wunsches zusagte, wünschte sich Salomon Weisheit, das Volk richtig führen zu können. 1.Kön 3, 11: Gib mir ein Herz, das auf dich hört.

Mit anderen Worten wünschte er sich, dass er die Autorität, die er als König genoss so einsetzte, wie Gott es möchte. Das Ergebnis war Zufriedenheit, Glück, Wohlstand und Frieden. Shalom!

 

Der Shalom, von dem ich letzte Woche gesprochen habe hat sehr viel damit zu tun, ob die Autorität in Gottes Weise eingesetzt, oder ob sie missbraucht wird. Wie das leider sehr oft in unserer Welt passiert.

Die Nachrichten sind täglich voll davon.

 

Darum lasst uns zunächst ein paar grundlegende Dinge anschauen: Was ist Autorität überhaupt?

Wer bekommt sie?

Wie bekomme ich sie?

Wie kann ich sie in rechter Weise einsetzen?

 

Unser deutsches Wort Autorität leitet sich vom lat. „Auctoritas“ ab.

Auctoritas ist ein römischer Wertbegriff und spielte in der Politik der römischen Republik eine bedeutende Rolle. Die beste Umschreibung ist „Würde“, „Ansehen“, „Einfluss“. Die Auctoritas wirkte überall dort als regulierende Entscheidungsgrundlage, wo keine juristischen Vorschriften vorhanden waren. (Wikipedia)

Mit anderen Worten, überall dort, wo es keine klaren gesetzlichen Regelungen gab, wurde auf Grund von Autorität entschieden.

 

Heute verwenden wir den Begriff meist um eine Macht zu beschreiben, die hinter einer Person steht.

Ein Polizist hat Autorität, weil die Staatsgewalt hinter ihm steht. Er darf Einfluss auf mein Leben nehmen und mich beispielsweise anhalten und sogar bestrafen, wenn ich mit dem Handy am Steuer telefoniere.

 

Es gibt aber auch Autorität, die von Natur aus da ist. Beispielsweise haben Eltern ganz natürlich Autorität über ihre Kinder. Ich denke das ist eine von Gott eingesetzte natürliche Ordnung.

Als ich in der Vorbereitung für diese Predigt im Internet unter dem Begriff „Autorität“ gesucht habe, bin ich sehr oft auf Erziehungsartikel gestoßen. Mittlerweile hat sich Gott sei Dank die Erkenntnis durchgesetzt, dass die in den 70 er und 80er Jahren geforderte „Antiautoritäre Erziehung“ als nicht hilfreich gezeigt hat. Kinder als gleichwertige Partner zu sehen stellt für sie eher eine Überforderung dar, als dass es ein Ausdruck von Liebe wäre.

Ein sehr aktueller Ansatz in der Pädagogik bezeichnet sich als „Neue Autorität“. Ich habe vor, in einer der nächsten Predigten, da noch genauer darauf einzugehen. Für heute würde ein Exkurs dorthin unseren zeitlichen Rahmen sprengen. Nur so viel: Es geht bei der neuen Autorität darum, seine Verantwortung als Leiter, Erzieher, Lehrer, oder Elternteil anzunehmen und wahrzunehmen, um beispielsweise Konflikte nachhaltig zu lösen, oder für eine respektvolle Beziehungskultur zu sorgen.

 

 

Wir sehen, dass Autorität in der Regel nicht von selbst kommt, sondern sie auf Grund von Lebenserfahrung, Position, oder auch aufgrund erwiesener Kompetenz verliehen wird.

 

Der Missionsbefehl von Jesus an seine Jünger im Mt beginnt mit den Worten: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden.

Mt 28,18b

Die Einheitsübersetzung schreibt: Mir ist alle Vollmacht gegeben…

Das Wort „Autorität“ kommt so in der Bibel nicht, oder nur in modernen Übersetzungen vor. Das was wir unter Autorität verstehen wird in der Regel als: Gewicht/Einfluss haben, Würde, Gewalt Herrlichkeit, oder eben auch als Macht, oder Vollmacht wiedergegeben. Also kann man hier bei Jesus durchaus sagen, dass er auf Grund seiner Autorität, die ihm gegeben ist, den Missionsbefehl an seine Jünger gibt.

 

Jesus hat seine Autorität vom Vater im Himmel erhalten. Er wusste, wer er war und das befähigte ihn dazu das zu tun, was er getan hat. Alle seine Wunder, aber auch alle seine Taten der Liebe, bis hin zu seinem Tod am Kreuz, waren letztendlich eine Folge dieser Autorität, die ihm gegeben wurde.

Letzten Sonntag habe ich euch ein Bild von Jesus vor Augen aus Phil 2 (Christushymnus) vor Augen geführt, mit dem Ziel, dass dieser Jesus für euch in allen Lebenslagen zum Vorbild wird.

Die Seite der Autorität Jesu gehört da genauso dazu!

Denn nicht nur Jesus hat diese Autorität als Sohn Gottes in dieser Welt gelebt.

 

Wenn du Jesus in dein Herz gelassen hast, wenn der HG in dir lebt und dich verändern darf, dann gilt diese Autorität, die Jesus auszeichnete auch in deinem Leben.

 

Joh 1,12 (LÜ): Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden.

Das Wort, das hier im griechischen steht ist genau das gleiche, das Jesus in Mt 28 verwendet.

Gott verleiht allen seinen Kindern die gleiche geistliche Autorität wie seinem Sohn! Das beantwortet die zweite und dritte Frage von vorhin:

Wer bekommt die Autorität? Wie bekomme ich sie?

Du bekommst sie, wenn du ein Kind Gottes bist. Nicht als Verdienst für braves Bibelstudium, viel Gebet oder einer großzügigen Spende, sondern weil der Vater im Himmel es so will.

 

Und damit kommen wir zur letzten, absolut wichtigsten Frage in diesem Setting: Wie kann ich diese Autorität in rechter Weise einsetzen?

 

Die Geschichte der Gemeinde hat gezeigt, dass es sehr wohl möglich ist, die von Gott verliehen Autorität so einzusetzen, dass am Ende das Gegenteil des Reiches Gottes dabei herauskommt. Und leider bewahrheitet sich auch hier der Spruch, dass das Gegenteil von „gut“ sehr oft „gut gemeint“ ist.

 

Wie kann ich aber jetzt als Nachfolger Jesu, die vom Vater verliehene Autorität so einsetzen, dass am Ende sehr Wohl das Reich Gottes steht, so wie es Jesus immer wieder gepredigt hat?

Oder anders gefragt: Was ist gesunde Autorität?

 

Um diese Frage zu beantworten müssen wir uns ansehen, wie Autorität von Gott gedacht war und wie sie von Menschen oftmals falsch eingesetzt wurde.

Ich habe vorhin davon gesprochen, dass wir Kinder Gottes eine besondere Autorität von Gott erhalten haben. Aber zuvor schon wurde allen Menschen grundsätzlich Autorität über die Schöpfung verliehen.

 

Gleich am Anfang, als Gott den Menschen in den Garten Eden setzte, gab er ihm einen Auftrag:

  1. Mo 1,26-28: Da sprach Gott: »Wir wollen Menschen schaffen nach unserem Bild, die uns ähnlich sind. Sie sollen über die Fische im Meer, die Vögel am Himmel, über alles Vieh, die wilden Tiere und über alle Kriechtiere herrschen.«

So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er sie, als Mann und Frau schuf er sie.

Und Gott segnete sie und gab ihnen den Auftrag: »Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde und nehmt sie in Besitz. Herrscht über die Fische im Meer, die Vögel in der Luft und über alle Tiere auf der Erde.«

V 31: Danach betrachtete Gott alles, was er geschaffen hatte. Und er sah, dass es sehr gut war.

 

Etwas, das Gott sehr gut gemacht hatte, hätte nicht gründlicher missverstanden und pervertiert werden können.

Wie ihr wisst wurden und werden bis heute diese Verse dazu genutzt um Ausbeutung und Raubbau an der Natur zu rechtfertigen.

Die Autorität, die Gott den Menschen gegeben hatte wurde nicht zur Bewahrung, zum Schutz und zur Entfaltung des Lebens eingesetzt, sondern zur rücksichtslosen Bereicherung, teils zur mutwilligen Zerstörung und letztendlich zum Ruin der wunderbaren Schöpfung Gottes.

 

Selbst wenn wir nur die Beziehung unter uns Menschen anschauen, vergeht kein Tag, an dem Autorität nicht missbraucht wird und andere zu Schaden kommen. Das geht vom Diktator, der sein Volk unterdrückt um mit allen Mitteln an der Macht zu bleiben, geht über sexuelle Übergriffe an Kindern, die ja zu einem Großteil von Autoritätspersonen begangen werden, bis hin zu geistlichem Missbrauch in Gemeinden.

 

Und trotzdem ist nicht die Autorität an sich schuld, und schon gar nicht der Geber dieser Autorität, sondern die Art und Weise, wie wir Menschen diese Autorität einsetzen.

 

Gott gab uns seine Autorität nicht um die Welt auszubeuten und zu zerstören, sondern um sie zur Entfaltung zu bringen.

Ein Vater hat nicht deshalb Autorität über seine Kinder, damit er sie misshandeln kann, sondern um sie zu schützen und dafür Sorge zu tragen, dass sie sich sicher und geborgen fühlen und so gesund wie möglich aufwachsen können.

Ein Politiker ist von Gott nicht deshalb mit Autorität ausgestattet worden, damit er sich bereichert und einigen, wenigen, die gute Lobbyarbeit machen zu wirtschaftlichen Vorteilen zu verhelfen kann, sondern damit es dem ganzen Volk gut geht und Gerechtigkeit und sozialer Friede im Land herrschen.

 

Autorität ist so wie Geld nicht per se schlecht und auch nicht von vornherein gut. Die Frage ist immer, wie ich damit umgehe?

 

Autorität zu haben, bedeutet Einfluss auszuüben. Ich kann meinen Einfluss geltend machen um mir einen persönlichen Vorteil zu verschaffen, oder um Benachteiligten zu helfen. Ich kann meinen Einfluss einsetzen um mein Ego zu füttern, oder um anderen zu dienen. Ich diene mit meiner Autorität entweder dem Prinzip dieser Welt, oder dem Reich Gottes.

 

Gesunde Autorität ist zu ziemlich das Gegenteil von autoritärem Führungsstil.

 

Eine Person mit gesunder Autorität zeichnen drei wesentliche Merkmale aus:

  1. Diese Person weiß, wer sie ist. Sie hat eine gefestigte Identität in Gott.
  2. Sie kennt den „Auftraggeber“ sehr gut und entscheidet in seinem Sinn.

Das bedeutet, ich muss in ständiger Beziehung zum Vater, zu Jesus und zum HG sein, damit die Autorität, dir mir verliehen ist auch dazu führt, dass das Reich Gottes, sichtbar, spürbar und erlebbar wird und durch meinen Dienst weiterwächst.

  1. Weil diese Person Gott persönlich- und daher seinen Willen kennt, wird sie die von ihm verliehene Autorität dazu einsetzen, sein Reich zu bauchen. Den dazu ist sie uns gegeben.

 

Deine Autorität in Jesus ist eine Tatsache. Sie lässt dich die Taten Jesu tun. Sei dir dieser Tatsache bewusst und nutze sie um anderen Menschen in Jesu Namen zu dienen.