Wie viele Philosophen braucht man, um eine Glühbirne auszuwechseln?

  1. Einer wechselt die Glühbirne und die anderen diskutieren darüber, ob das wirklich so passiert ist.

 

Ich möchte mit euch heute meine Predigt vom letzten Sonntag etwas philosophisch vertiefen (Kein Witz!)

 

Eines der Grundfragen in der Philosophie dreht sich um die Begriffe Wahrheit und Wirklichkeit.

Was ist Wahrheit? Diese Frage hat schon Pilatus an Jesus gestellt, als dieser sagte, dass er in die Welt gekommen sei, um die Wahrheit zu bezeugen.

Diese Frage des Pilatus zeugt deutlich die Beschränktheit der menschlichen Erkenntnis.

Was ist Wahrheit, und was ist Wirklichkeit?

Auf diese beiden Fragen möchte ich ein wenig später genauer eingehen.

 

Zuvor aber noch ein kurzer Rückblick:

Letzten Sonntag haben wir uns die Begebenheit von der Frau am Jakobsbrunnen in Joh 4 näher angesehen.

 

 

Eine sehr wichtige Aussage finden wir in V 23f: Aber die Zeit kommt, ja sie ist schon da, in der die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten. Der Vater sucht Menschen, die ihn so anbeten.

24 Denn Gott ist Geist; deshalb müssen die, die ihn anbeten wollen, ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.

 

Wir haben uns im HK diesen Text genauer angeschaut und festgestellt, dass dieses Wort von der Anbetung in Wahrheit und im Geist so groß ist, dass wir es kaum fassen können. Und trotzdem ist es absolut wert, weiter darüber nachzudenken und zu vertiefen.

Wie so vieles im Johannesevangelium eignet sich auch dieses Wort dazu, es kontemplativ zu betrachten.

 

Unterschied: Synoptiker vs. Joh.

 

Hier in diesem Johannestext taucht diese sehr tiefe Aussage über den Begriff „Wahrheit“ auf.

Aber auch Paulus gebrauchte in seinen Briefen den Begriff Wahrheit des Öfteren. Es geht Paulus darum, die Wahrheit zu verkündigen (2 Kor 4,2) und es gilt, ihr zu gehorchen (Gal 5,7). Die Liebe zur Wahrheit bedeutet gleichzeitig eine Umkehr von Bosheit. 2. Thess 2,10ff: Mit üblen Täuschungen wird er [der Teufel] die Menschen verführen, die ihrem Verderben entgegengehen, weil sie nicht an die Wahrheit glauben wollen, die sie retten könnte.

11 Deshalb wird Gott eine große Blindheit über sie kommen lassen, und sie werden all die Lügen glauben.

12 Und damit werden alle gerichtet, die der Wahrheit nicht geglaubt und an ihrer eigenen Ungerechtigkeit Gefallen gefunden haben.

Paulus spricht in den Pastoralbriefen auch von einer „Erkenntnis der Wahrheit“. Wahrheit wird bei ihm zu einem Begriff, der den rechten Glauben beschreibt. Dieser muss gegen „Irrlehren“ verteidigt werden.

 

Das Gegenteil von Wahrheit ist in diesem Fall entweder Lüge (wenn ich bewusst etwas Unwahres verbreite, oder Irrtum (wenn ich unwissentlich etwas Falsches denke, oder glaube).

 

Bei Johannes wird der Begriff Wahrheit viel stärker auf Jesus selber projiziert, der ja von sich sagte: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. „Auch alle Worte, die Jesus gesprochen hat, sind Wahrheit. Die Erkenntnis dieser Wahrheit, das Annehmen und Bleiben in dieser Wahrheit führt zu „Freiheit“ und „Leben“ (Joh 8,31-32). Diese Wahrheit setzt eine Empfänglichkeit der Menschen voraus, verlangt aber auch, dass sie sich im Tun bewährt (1 Joh 1,6; 2,4; 3,18). Der Geist der Wahrheit (auch Heiliger Geist genannt) (Joh 14,17; 1 Joh 5,7) setzt das Heilswerk Christi fort.“ (zit.: Wikipedia)

 

Wenn wir Wahrheit aus diesem Blickwinkel betrachten, dann hilft uns eine genaue philosophische Begriffsklärung:

Wahrheit ist etwas Absolutes, Unverrückbares, etwas, das für alle und zu allen Zeiten gilt. In unserer postmodernen Zeit, wird ja behauptet, dass es so etwas, wie eine absolute Wahrheit gar nicht gibt, sondern dass jeder an seine eigene Wahrheit glaubt, und das dann auch OK ist.

 

Wenn aber eine Wahrheit wahr ist, dann ist sie nicht nur für dich wahr, sondern auch für mich. Ob ich das wahrhaben will, oder nicht.

 

Etwas anderes als Wahrheit, zumindest philosophisch betrachtet, ist „Wirklichkeit“. Die Wirklichkeit beschreibt das, was ich wahrnehme. In erster Linie nehme ich mit meinen Sinnesorganen wahr. Wahrnehmen bedeutet: Ich nehme es als Wahrheit an. Somit ist die ganze Sache subjektiv. Und in diesem Zusammenhang stimmt, dass jeder seine eigene Wirklichkeit hat. Lass es mich mit einem Beispiel erklären: Wenn es draußen regnet, dann nehmen wir wahr, dass die Sonne nicht scheint. Das ist unsere Wirklichkeit. Die Wahrheit ist aber, dass die Sonne immer scheint, sogar in der Nacht. Nur halt gerade nicht auf uns. Egal, ob es bei uns regnet, oder schneit, die Sonne bleibt ein Himmelskörper, der unablässig seine Strahlen ins Weltall schickt. Die Wahrheit ist unendlich größer als unsere erlebte Wirklichkeit.

 

Dazu kommt, dass wir gelernt haben, dass diese für uns subjektiven Wirklichkeiten, die wir wahrnehmen, unterschiedliche Auswirkungen auf uns haben, oder ein bestimmtes Verhalten bei uns hervorruft.

Um das auch mit einem Beispiel zu verdeutlichen: Jeder Mensch mit gesunden Augen kann rotes Licht erkennen. Selbst ein Kleinkind, das Farben noch nicht benennen kann, kennt einen Unterschied zwischen rotem und beispielsweise weißem Licht. In Wahrheit ist rotes Licht nichts anderes als elektromagnetische Schwingung in einem bestimmten Frequenzbereich, das unsere Augen wahrnehmen und diesen Impuls an unser Gehirn weiterleiten.

Wir haben gelernt, unsere Wahrnehmungen so zu interpretieren, dass wir uns in unserer Welt zurechtfinden.

Wenn dieses rote Licht von einer Ampel ausgeht bedeutet das etwas anders für uns, als wenn es vor einer Bar leuchtet und noch einmal etwas anderes, wenn auf einer Bühne damit eine Stimmung „erzeugt“ wird.

Wir haben also gelernt, unsere Wahrnehmungen zu interpretieren. Aber decken sich unsere Wahrnehmungen tatsächlich mit der Wahrheit?

 

Bsp.: Höhlengleichnis des Platon.

Der Film „Matrix“ ist eine moderne Interpretation dieses Gleichnisses.

Was ist die Wahrheit?

https://www.youtube.com/watch?v=OuJ87X9YX3c

 

Die Wahrheit ist nicht immer das, was wir uns wünschen, aber eben wahr. Ob es uns passt, oder nicht.

 

Wenn wir Gott in Wahrheit und im Geist anbeten sollen, dann brauchen wir Erkenntnis über diese Wahrheit.

Dass die Sonne immer scheint, ist eine Erkenntnis, zu der die Menschen erst nach vielen Jahrhunderten gekommen sind. Bis zur Aufklärung glaubten die Menschen, dass sich die Sonne um die Erde dreht. Und es brauchte viel Denkarbeit von sehr gescheiten Menschen, bis wir zu dem Erkenntnisstand über den Weltraum gekommen sind, den wir heute haben.

Als Menschen auf der Erde können wir nur sehr wenig über die Wahrheit Gottes erkennen. Wir können aus der Schöpfung schließen, dass da ein unglaublich kreativer Geist am Werk ist, der Freude an der Vielfalt hat. Und der die Kräfte der Natur in Balance hält.

Aber wie Gott wirklich ist, ob er ein guter Gott ist, oder ein ungerechter Despot, ob er sich aktiv für uns interessiert, oder sich zurücklehnt und die Schöpfung sich selbst überlässt, das können wir mit unserer Wahrnehmung nicht sagen.

 

Wir sind darauf angewiesen, dass uns jemand Informationen, am Besten aus erster Hand liefert. Die Bibel ist so eine Informationsborschüre über Gott. Gott selbst stellt sich darin vor als jemand, der die Menschen unendlich liebt und er buchstäblich alles dafür getan hat, um die Gemeinschaft zwischen ihm und uns wiederherzustellen.

In Jesus bekommt dieser Gott ein menschliches Gesicht.

Der Hebräerbrief beginnt mit den Worten:

1 In der Vergangenheit hat Gott immer wieder und auf vielfältige Weise durch die Propheten zu unseren Vorfahren gesprochen.

2 Doch jetzt, in dieser letzten Zeit, sprach Gott durch seinen Sohn zu uns. Durch ihn schuf Gott Himmel und Erde, und ihn hat er auch zum Erben über alles eingesetzt.

3 In dem Sohn zeigt sich die göttliche Herrlichkeit seines Vaters, denn er ist ganz und gar Gottes Ebenbild. Sein Wort ist die Kraft, die das Weltall zusammenhält.

 

Das ist die Wahrheit, die Gott uns mitteilt.

Wie gesagt: Eine Wahrheit bleibt wahr, ob wir sie glauben, oder ablehnen. Die Wahrheit ist absolut. Es kann daher nur eine Wahrheit geben.

 

Letztendlich muss ich mir eine Offenbarung der Wahrheit schenken lassen. Ich kann sie annehmen, empfangen. Dann werde ich sie erkennen. Und die Erkenntnis dieser Wahrheit, wird mich frei machen. (Joh 8,32) Frei von den Lebenslügen, die bisher mein Leben bestimmt haben, frei aber auch um ihm zu begegnen und ihm zu dienen.

 

In Wahrheit anzubeten bedeutet, dass ich mich der Wahrheit Gottes aussetze, dass ich sie auf mich wirken lasse und es daher ganz konkrete Auswirkungen auf mein Leben gibt.

 

Ein letzter Gedanke, der mir beim lesen dieses Textes gekommen ist:

Jesus sagte zu dieser Frau (V10): Wenn du wüsstest, was Gott dir geben will…

Nicht nur Erkenntnis über „Die Wahrheit“. Sondern viel mehr!

 

Gott will dir heute etwas schenken! Was er dir schenken möchte, wirst du nur erfahren, wenn du ihn fragst.

Du kannst es nehmen, oder ablehnen, aber wenn du wüsstest, was er für dich vorgesehen hat, würdest du nicht lange überlegen.

Du wirst es haben wollen, Also frag ihn und nimm es!