Frau Meier klagt ihrem Mann ihr Leid: „Stell dir vor, heute musste ich unsere Waschfrau entlassen. Sie hat gestohlen!“

„Was fehlte denn?“, fragt Herr Meier besorgt.

„Die vier Bettdecken aus dem Grand Hotel und die Tischdecke aus dem Hilton!“

 

Eine Decke ist etwas sehr Gutes und Nützliches. Jetzt, wo es immer kälter wird, bin ich froh, über meine Daunendecke.

 

Eine Decke kann auch dazu verwendet werden, um etwas zuzudecken, das andere nicht sehen sollen. Was sich unter dieser Decke befindet, oder abspielt, bleibt ein Geheimnis. Zumindest so lange, bis die Decke emporgehoben, und das Geheimnis im wahrsten Sinne des Worts „gelüftet“ wird.

Auch wenn beispielsweise ein Journalist etwas „aufdeckt“, hängt das sprachlich mit so einer Decke zusammen.

 

So eine besondere Decke begegnet uns schon im AT.

Als Mose mit den Gesetzestafeln vom Berg Sinai wieder herunterstieg, leuchtete sein Gesicht, weil er Gottes Herrlichkeit wiederspiegelte. Dieses Leuchten war so stark, dass die Israeliten es nicht aushielten. (2. Mo 34) Deshalb musste Mose, jedes Mal, wenn er zu den Israeliten sprach, sein Gesicht mit einer Decke verhüllen. Immer wenn er in die Stiftshütte ging, nahm er die Decke ab, um mit unverhüllten Gesicht vor Gott zu stehen. Aber wenn er wieder herauskam, musste er sein Gesicht wieder verhüllen.

 

 

Im AT gab es nur wenige Menschen, die sich danach sehnten, Gott nahe zu sein. Natürlich war man auf Gottes Gunst, seinen Segen und seinen Schutz angewiesen. Es gab einen geregelten Opferdienst und dafür zuständige Priester.

Auch wenn ihr Gott den Israeliten Identität gab, sie ins gelobte Land führte und mit ihnen eine unglaubliche Geschichte schrieb, so war es doch so, dass die Menschen eher Angst vor dem lebendigen Gott hatten, als das Bedürfnis, ihm besonders Nahe zu kommen. Es gab dieses Bewusstsein, dass man als Mensch, niemals „rein“ genug war, um die heilige Gegenwart Gottes zu ertragen.

 

 

  1. Mo 20

18 Als die Israeliten das Donnern und den Posaunenschall hörten und die Blitze und den Rauch sahen, der vom Berg aufstieg, zitterten sie vor Angst und blieben in einiger Entfernung stehen.

19 Und sie sagten zu Mose: »Rede du mit uns, dann wollen wir zuhören. Gott soll nicht direkt zu uns sprechen, sonst werden wir sterben.«

 

Als der Vater von Simson Manoach merkte, dass er einen Engel Gottes gesehen hatte, kam er zu dem Schluss: »Wir haben Gott gesehen! Jetzt müssen wir sterben!« (Ri 13,22)

 

Auch in Lk 5, als die Jünger auf Anweisung Jesu ihre Netze noch einmal auswarfen und einen riesigen Fang machten, waren plötzlich voller Angst, als sie erkannten, wer Jesus war.

V8 Als Simon Petrus das sah, warf er sich vor Jesus nieder und rief: »Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch!«

 

Und in Hebr 10,31 heißt es:

Dem lebendigen Gott in die Hände zu fallen ist schrecklich!

Aus dem Zusammenhang geht hervor, dass das für die gilt, die Gottes Friedensangebot nicht angenommen haben.

Das Märchen vom „lieben Gott“, der keiner Fliege was zuleide tun kann, stimmt absolut nicht. Gott ist durch und durch rein und heilig. Wenn Gott so großzügig über die Sünden der Menschen hinwegsehen würde, dann hätte Jesus nicht auf diese Erde kommen- und für uns den Tod am Kreuz ertragen müssen.

 

Gott hat sich nicht geändert. Er ist noch der selbe, heilige Gott, der er auch im AT war. Das, was sich aber mit dem Kommen Jesu sehr wohl geändert hat, ist die Möglichkeit, der Versöhnung mit diesem Heiligen Gott. Und das ist mehr als die Vergebung für unsere Sünden. Im neuen Bund dürfen wir nicht nur in die Nähe Gottes, wir sind eingeladen, seinen Herzschlag zu hören. Er gibt uns nicht nur rechtlich den Status, dass wir seine Kinder sind, er nimmt uns auf den Schoß.

Das geht deshalb, weil Jesus die Konsequenz unserer Sünden (Tod und die damit verbundene Trennung von Gott) auf sich genommen hat, damit wir, wenn wir dieses Angebot Jesu annehmen, gereinigt und geheiligt vor Gott stehen können.

 

Das geht auch deshalb, weil Gott uns Gläubigen seinen Heiligen Geist geschenkt hat. Dieser HG, der uns von unserer Schuld überführt hat, uns tröstet, aber auch ermahnt, der uns Gaben schenkt und der gute Frucht in uns bewirkt. Auf diese Weise verwandelt er uns mehr und mehr in das Bild Christi.

Im Alten Bund gab Gott das Gesetz, das in Stein gemeißelt war. Dieses Gesetz war für die Menschen wie ein Spiegel, der sie ihre Schuld erkennen ließ.

Im Neuen Bund gab Gott uns seinen Geist. Auch der spiegelt etwas wieder, aber nicht mehr unsere Menschliche Schwachheit, sondern Gottes Herrlichkeit, die er uns, seinen Jüngern, bereits verliehen hat.

Im Glauben geht es jetzt darum, diese Tatsache anzunehmen und gemäß dieser göttlichen Herrlichkeit zu leben.

 

Paulus setzte sich immer wieder mit dieser Spannung, zwischen Alten und Neuen Bund auseinander.

So auch in 2. Kor 3

7 Schon der Dienst im alten Bund, der auf dem in Stein gemeißelten Gesetz beruhte und den Menschen den Tod brachte, ließ etwas von Gottes Herrlichkeit erkennen. Nachdem Gott Mose das Gesetz gegeben hatte, lag da nicht ein Glanz auf Moses Gesicht – so stark, dass die Israeliten es nicht ertragen konnten? Dabei war es doch ein Glanz, der wieder verblasste!

8 Wie viel herrlicher muss es dann sein, Gott im neuen Bund zu dienen und die rettende Botschaft von Christus zu verkünden! Denn dieser Dienst führt Menschen durch Gottes Geist zum Leben.

9 Wenn schon der Auftrag, der den Menschen die Verurteilung brachte, so sichtbar Gottes Herrlichkeit ausstrahlte, wie viel herrlicher ist dann der Auftrag, durch den die Menschen von ihrer Schuld vor Gott freigesprochen werden!

10 Ja, was damals herrlich erschien, verblasst völlig vor der überwältigenden Herrlichkeit unseres Auftrags.

11 Wenn schon die alte Ordnung, die doch nur für eine bestimmte Zeit galt, Gottes Herrlichkeit erstrahlen ließ, um wie viel mehr wird sich Gottes Herrlichkeit durch die neue Ordnung offenbaren, die ewig gilt!

12 Weil wir diese Hoffnung haben, können wir voller Zuversicht vor die Menschen treten.

13 Und wir brauchen auch nicht unser Gesicht mit einem Tuch zu verhüllen, wie Mose es getan hat, damit die Israeliten nicht sahen, wie der Glanz Gottes auf seinem Gesicht wieder erlosch.

14 Aber nicht nur das, sie waren verschlossen für Gottes Botschaft. Bis zum heutigen Tag sind die Schriften des Alten Bundes für sie wie mit einem Tuch verhüllt. Sie lesen es zwar, aber seinen Sinn verstehen sie nicht. Dieses Tuch wird erst dann weggenommen, wenn sie an Christus glauben.

15 Bis heute liegt es auf ihren Herzen, wenn aus den Büchern von Mose vorgelesen wird.

16 Aber wie es bei Mose war, so ist es auch bei ihnen: Wenn sich Israel dem Herrn zuwendet, wird das Tuch weggenommen.

17 Mit dem »Herrn« ist Gottes Geist gemeint. Und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.

18 Wir alle aber stehen mit unverhülltem Gesicht vor Gott und spiegeln seine Herrlichkeit wider. Der Herr verändert uns durch seinen Geist, damit wir ihm immer ähnlicher werden und immer mehr Anteil an seiner Herrlichkeit bekommen.

 

Wow, ist das nicht großartig? Wir alle aber stehen mit unverhülltem Gesicht vor Gott und spiegeln seine Herrlichkeit wider. Der Herr verändert uns durch seinen Geist, damit wir ihm immer ähnlicher werden und immer mehr Anteil an seiner Herrlichkeit bekommen.

In der Elb heißt es: Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht.

 

Genau das passiert, wenn der HG uns „ent-deckt“!

Wir werden in das Ebenbild von Jesus, der ja der Menschgewordene Gott ist, verwandelt.

 

Da ist jetzt die Frage durchaus angebracht: Wie sieht Jesus aus?

Logischerweise geht es nicht um das Äußere, ob er dunkle Haare hatte, oder doch blond war…

Auch das Bild von Leonardo Da Vinci, das diese Woche um 450 Millionen Dollar versteigert worden ist, zeigt Jesus so, wie ihn sich der Künstler vorgestellt hat, nicht wie er tatsächlich ausgesehen hat. Jesus konnte noch kein Selfie von sich machen.

 

Was wir aber haben, sind zum Teil recht detaillierte Beschreibungen, die wir in der ganzen Bibel, also nicht nur in den Evangelien, finden.

 

Als wir vor Jahren im Hauskreis die Offenbarung gelesen haben, haben wir versucht das Bild von Jesus zu zeichnen, so wie ihn Johannes, ganz am Anfang (Kap1) beschreibt. Mit langem Gewand, einem Gürtel aus Gold, das Haar weiß wie Schnee, Augen wie Feuerflammen…

Auch wenn vieles symbolisch zu verstehen ist, und wir alle keine Künstler sind, so war es doch eine interessante Übung, seine Vorstellungen einmal zu Papier zu bringen und darüber auszutauschen, was das für unser Leben bedeutet.

 

Ein anderes, sehr eindrückliches Bild von Jesus begegnet uns in Jes 53, in dem der Prophet das Leiden und Sterben Jesu voraussieht und sehr genau schildert. Es ist für mich immer wieder verblüffend wie detailreich Gott das Leiden Jesu dem Jesaja zeigte, obwohl dieser über 700 Jahre vor JC lebte.

Auch diesen Aspekt Jesu können wir als seine Jünger nicht ausklammern. Ja, Jesus hat alle unsere Sünden und unsere Krankheiten am Kreuz getragen, es ist alles bezahlt, aber das heißt nicht, dass wir jetzt als Christen problemlos, von einer Freude zur nächsten feiern. Nachfolge hat auch mit „Kreuz auf sich nehmen“, mit um des Glaubens willen Nachteile und Verfolgung auf sich nehmen und mit Schmerzen zu tun, die uns Menschen zufügen, weil wir zu Jesus gehören.

Auch als Jünger Jesu werden wir gelegentlich krank und auch für uns endet dieses Leben hier auf Erden tödlich.

Was wir aber allen Menschen, die Jesus noch nicht kennen voraus haben, ist diese Gewissheit, dass der leibliche Tod noch nicht die Endstation ist, sondern wir ewiges Leben vom Vater geschenkt bekommen, ewiges Leben, das hier und heute bereits geistliche Realität ist. Und dass wir deshalb auch für Kranke beten und auf Wunder Gottes hoffen können.

 

 

Das klarste Bild von Jesus bekommen wir aber natürlich aus den Evangelien. Deshalb empfehle ich Menschen, die zum neu zum Glauben kommen, als erstes ein Evangelium zu lesen. Jedoch nicht nur für Neulinge sind die Evangelien gut zu lesen. Auch ich, der ich schon viele Jahre Jesus nachfolge und die Bibel zur Gänze schon einige Male durchgelesen habe, entdecke gerade in den Evangelien immer wieder eine Seite von Jesus, die mich herausfordert, zum Nachdenken, zum Staunen und zum Anbeten bringt.

 

Als Sabine und ich, vor über 20 Jahren ins Mühlviertel gezogen sind und die Vision hatten eine Gemeinde zu gründen, haben wir uns im ersten Jahr fast ausschließlich damit beschäftigt, gemeinsam mit Franz und Greti in den Evangelien zu lesen. Wir haben das unter dem Motto; „Jesus, das Vorbild der Gemeinde“ getan. So wie Jesus als Mensch auf dieser Erde gelebt hat, so wie er Menschen begegnete und ihnen diente, sie liebte, heilte, ihnen das Reich Gottes vermittelte usw., so soll auch die Gemeinde, die mittlerweile entstanden ist, aussehen. Jeder einzelne und wir als Gemeinde spiegeln Jesus wieder. So wie wir es vorhin gelesen haben: Mit unverhülltem Gesicht.

 

Dieses Leuchten, wie auf dem Gesicht des Mose, ist zwar optisch heute nicht bei jedem von uns zu sehen, sehr wohl aber für Menschen sichtbar, die auf der Suche, oder geistlich sensibel sind.

Auch sie warten darauf, dass Jemand die Decke wegnimmt und sie diesem liebenden, lebendigen und heiligen Gott begegnen können. Unsere Aufgabe ist es, diesen Menschen den Weg dorthin zu weisen. Durch das was wir sagen, durch das was wir tun, vor allem aber, durch das was wir sind: Seine Kinder.